Original- oder Fremdobjektiv - fremdgehen, aber gewußt wie

Ein Ei kommt selten allein Bildgalerie betrachten

Blende ,“Ein Ei kommt selten allein”
Andrea Bamberger, 15 Jahre

Digitale Spiegelreflexkameras (SLR) sind gefragt, denn sie ermöglichen die totale Kontrolle des Bildaufbaus und den Einsatz der Blende und Verschlußzeit als Mittel der Bildgestaltung. Der Systemausbau durch Wechselobjektive erweitert die phototechnischen Einsatzmöglichkeiten und erschließt neue Anwendungsbereiche, denken wir nur an die Architektur-, Makro-, Tier- oder beispielsweise Sportphotographie. Der Wunsch nach Wechselobjektiven ist groß und dementsprechend schnell stellt sich die Frage ein, ob man sich für ein Original- oder ein Fremdobjektiv entscheiden soll. Mit ja oder nein läßt sich dies nicht beantworten.

Nicht jedes Fremdobjektiv, auch wenn dies über ausgezeichnete Abbildungsleistungen und den richtigen Bajonettanschluß verfügt, liefert an jeder digitalen Spiegelreflexkamera die gewünschte Bildqualität. Genauso verhält es sich übrigens bei Objektiven, die für Kleinbildfilm gerechnet wurden. Wer sich für ein Objektiv eines Fremdherstellers entscheidet, der sollte darauf achten, daß Digitalkamera und Objektiv eine Einheit bilden. Erst wenn dies gewährleistet ist, können die photographischen Einsatzmöglichkeiten, die die Spiegelreflexphotographie zu bieten hat, voll ausgeschöpft werden.

Brennweite und Bildwinkel bei den Objektivangaben beziehen sich immer auf ein Bildformat von 24 x 36 mm. Nicht alle digitalen Spiegelreflexkameras verfügen jedoch über einen Vollformatchip, sondern arbeiten mit kleineren Sensorgrößen (APS-C, Four Thirds), woraus sich Brennweiten- und Bildwinkelverlängerungen in der Regel um den Faktor 1,5 ergeben. Wird also beispielsweise ein Weitwinkelobjektiv von 20 mm an einer digitalen Spiegelreflexkamera mit kleinerem Sensor verwendet, ergibt sich eine Brennweite von 30 mm, der Superweitwinkeleffekt wäre dahin. Objektivhersteller tragen diesem Umstand Rechnung, indem sie spezielle, extrem kurzbrennweitige Weitwinkelobjektive entwickeln, die zu optimalen Ergebnissen bei digitalen Spiegelreflexkameras mit kleineren Sensorgrößen führen. Würden diese Objektive an einer Vollformat-Digitalkamera oder an einer analogen Spiegelreflexkamera zum Einsatz kommen, würde dies zu Abschattungen an den Bildecken führen - ein Effekt, der nicht gewünscht sein kann.

Wechselobjektive, die ursprünglich für analoge Spiegelreflexkameras gedacht waren, können, sofern der Anschluß übereinstimmt, auch an digitale Spiegelreflexkameras angeschlossen werden. Abstriche ergeben sich jedoch in der Bildqualität, denn neben der Sensorgröße, die sich vom Kleinbild unterscheidet, werden an Objektive für digitale Spiegelreflexkameras viel höhere Ansprüche gestellt. Normalerweise werden randnahe Strahlen beim Passieren einer Linse stärker zur Mitte hin gebrochen als achsennahe Lichtstrahlen. Aus diesem Grund weisen Bilder, die mit einem unkorrigierten System aufgenommen werden, zum Rand hin Unschärfe auf.

Die asphärische Korrektur eines Objektivs behebt zahlreiche Abbildungsfehler, damit die optimale Schärfe über das gesamte Bildfeld garantiert ist und Verzeichnungen möglichst ausgeschlossen werden können. Aus diesem Grund sind heute nahezu alle Objektive mit mindestens einem asphärischen Linsenelement ausgestattet. Dieses ist aber auch notwendig, um Koma und Reflexe zu eliminieren. Asphärische Linsenelemente ermöglichen zudem die Herstellung von kompakten und leichten Hochleistungszoom-Objektiven, die verzeichnungsfreie Aufnahmen bieten, welche in ihrer Qualität Bildern mit Festbrennweite nicht nachstehen.
 

Digitalfotografie 11 / 2005

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