Speicherkarten: Schnell, schneller, am schnellsten - Wie viel Speed brauchen SD-Speicherkarten?

Nicht nur bei Autos spielt die Geschwindigkeit eine wichtige Rolle, sondern auch bei Speicherkarten, wo sie ein wichtiges Kriterium für den Kauf sein sollte. Dies gilt im besonderen Maß für alle, die auch Videos mit ihrer Kamera aufzeichnen – besonders wenn schon eine Kamera mit 4K eingesetzt wird oder deren Anschaffung geplant ist. Mit dem hochauflösenden Video-Standard entstehen nämlich noch größere Datenmengen als bisher. Können diese nicht schnell genug von der Kamera auf die Karte geschrieben werden, kann schlimmstenfalls nicht weiter aufgezeichnet werden. Man benötigt daher in der Regel eine Schreibgeschwindigkeit von mehr als 10 MB pro Sekunde (dazu gleich mehr im Detail). Einige moderne Kameras warnen sogar beim Einlegen einer zu langsamen Karte.

Wenn zwischen den einzelnen Auslösungen genügend Zeit besteht, dann ist für das reine Fotografieren eine langsame Karte nicht ganz so schlimm. Wir favorisieren allerdings die schnellen Karten, denn nicht nur bei Serienaufnahmen kommt es ansonsten schnell zu Problemen. Selbst wer am liebsten statische Motive fotografiert, leidet unter langsamen Speicherkarten beim Auslesen der Bilder auf den Rechner. Eine schnelle Karte hat also viele Vorteile. Wie aber erkennt man überhaupt, welche Geschwindigkeit eine SD-Speicherkarte bietet?

Geschwindigkeitsklassen bieten Orientierung

Um es den Anwendern einfacher zu machen, wurde mit Einführung des Karten-Standards SDHC ein Klassensystem geschaffen, das eine schnelle Orientierung bietet. Es gilt übrigens sowohl für die typischerweise bei Kameras verwendeten SD-Karten in konventioneller Größe wie für Micro-SD-Karten. Bei der Vorstellung der Klassen hatte man eine Einteilung in die Kategorien 2, 4, 6 und 10 vorgesehen. Dabei stehen die Zahlen auch für die Mindest-Übertragungsgeschwindigkeit: Eine Karte der Klasse 2 kann mindestens 2 Megabyte pro Sekunde schreiben, eine der Klasse 10 mindestens 10. Wie auch bei allen anderen elektronischen Bauteilen hat die Geschwindigkeit jedoch seit der Entwicklung dieses Systems rasant zugenommen. Parallel dazu wurden auch die Speicherkapazitäten und deren Bedarf immer größer. Der ursprüngliche Kartenstandard SDHC war jedoch nur bis 32 GB vorgesehen. Es musste also ein neuer her: SDXC (für SD eXtended Capacity). Karten nach diesem Standard können bis zu 2 TB (also rund 2.000 GB) speichern.

Speicherkarten Geschwindigkeiten
Ärgerlicherweise für uns Nutzer hat man das System der Geschwindigkeitsklassen dabei nicht logisch fortgesetzt, sondern drei neue geschaffen: UHS-1 bis UHS-3 beziehungsweise meist nur abgekürzt als U1 bis U3 (was entsprechend auch als kleines Symbol auf die Karten aufgedruckt ist). Sie setzen im Prinzip da an, wo die Klasse 10 aufhört: U1 umfasst mindestens 10 MB pro Sekunde, U2 mindestens 20 und U3 mindestens 30. U2 und U3 werden derzeit von den großen Speicherkartenanbietern bei den Topmodellen angeboten.

Genauer hinschauen: Differenzierung Schreib-/Lesegeschwindigkeit

Wer es noch genauer wissen möchte als die grobe Klasseneinteilung, der schaut sich die konkreten Geschwindigkeitswerte an, denn die Unterschiede innerhalb einer Klasse sind vor allem bei den SDXC-Karten recht groß. Man findet die konkreten Werte in der Regel auf der Umverpackung oder in Datenblättern vor dem Kauf, manchmal auch direkt auf der Karte.

Dabei wird in der Regel nicht nur ein einziger Wert genannt, sondern es erfolgt wie bei Festplatten eine Differenzierung nach Schreib- und Lesegeschwindigkeit (Write/Read). Das ist sehr sinnvoll, denn die Werte unterscheiden sich häufig und sind für unterschiedliche Einsatzbereiche relevant. Die Schreibgeschwindigkeit spielt für die Aufnahme die entscheidende Rolle. Sie ist also etwa für die 4K-Videofilmer interessant. Wie schnell gelesen werden kann, ist vor allem dann relevant, wenn es darum geht, die Bilder schnell herunterzuladen. Man sollte also genauer hinschauen und sich nicht einfach von einem allgemeinen Durchschnittswert täuschen lassen.

Welche Schreibgeschwindigkeiten die Kamera genau erfordert, kann im Handbuch beziehungsweise beim jeweiligen Hersteller in Erfahrung gebracht werden. Bei der kürzlich vorgestellten Panasonic G70 etwa sind es 12,5 MB/Sek Schreibgeschwindigkeit, d.h. hier kann eine Klasse 10- bzw. U1-Karte durchaus ausreichen – wenn es denn eine schnellere Vertreterin ihrer Kategorie ist.

Fazit: Kaufen mit Perspektive

Zusammenfassend ist zu sagen, dass man sich vor dem Kauf einer Karte überlegen sollte, für welchen Einsatzzweck sie gedacht ist: Wer über ein aktuelles Kameramodell verfügt oder sich im Lauf der Nutzungsdauer der Speicherkarte eines anschaffen möchte und vor allem, wer Videos aufnimmt, sollte mit Perspektive kaufen und eine schnellere Karte wählen. Sie kann übrigens dank Abwärtskompatibilität auch in der Regel in älteren Kameramodellen und Kartenlesern noch eingesetzt werden. Sehr alte Geräte haben unter Umständen Schwierigkeiten mit aktuellen Karten – vor allem, wenn sie eine große Kapazität haben. Das sollte man sicherheitshalber im Kamera-Handbuch prüfen, wo der unterstützte Geschwindigkeitsstandard der Karte (SD, SDHC oder SDXC) angegeben ist. Für alte Kameras und alle, die schwerpunktmäßig fotografieren, tut es in der Regel auch eine langsamere Karte. Sobald man auch Videos aufnimmt, sollte es aber auch dort mindestens eine Klasse 6 sein.

Digitalfotografie 08 / 2015

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1 Kommentare

Danke für den Beitrag der für mich Licht ins dunkel bringt.

von Andrea
31. August 2015, 20:30:01 Uhr

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