Speicherkarten: Architektur - Transferraten - Schnittstellen - Zusatzfunktionen

Aussichtsturm im Lieblingshotel Bildgalerie betrachten

Blende ,“Aussichtsturm im Lieblingshotel”
Ulrike Zettler

Für die Architektur der Grundbausteine von Flash-Memory Speicherkarten haben sich zwei unterschiedliche Technologien durchgesetzt. Während anfangs die NOR-Technologie (Für Englisch „No Or“), die auf einer „Nicht-Oder“-Struktur basiert, dominierte, setzen sich heute mehr und mehr Bausteine mit der NAND-Architektur (englisch „No And“) mit ihrer „Nicht-Und“ Logik durch. Die ursprünglich für die Aufzeichnung von Programm-Codes entwickelten Flash-Memory-Bausteine basierten deshalb auf der NOR-Struktur, da diese dank ihrer Parallelarchitektur sehr schnelle Zugriffzeiten und ein Überschreiben Byte für Byte ermöglicht.

Mit NAND-Bausteinen waren solche Geschwindigkeiten kaum zu realisieren. Da die Speicherzellen und einzelnen Blöcke in der NOR-Technologie aber größer sind als bei den NAND-Speichern, lassen sich mit ihnen nicht so hohe Speicherdichten pro Chipfläche erzielen. Weitere Vorzüge der NAND-Chips sind eine größere Zelldichte, höhere Schreib- und Löschgeschwindigkeiten sowie ihr geringerer Stromverbrauch. Daher werden NAND-Speicher vor allem für die Speicherung großer Datenmengen verwendet, beispielsweise in der professionellen Digitalphotographie. Außerdem lassen sich NAND-Chips dank ihrer verbundenen Zellstruktur bei gleicher Speicherkapazität um rund 40 Prozent kleiner bauen als NOR-Chips.

Digitalkameras mit hoher Auflösung benötigen neben ausreichend großen Speicherkapazitäten auch Karten mit hohen Schreib- und Lesegeschwindigkeiten, die Standard-Speicherkarten nicht bieten können. So lassen sich beispielsweise mit langsamer arbeitenden Speicherkarten nicht die mit einer Kamera maximal erreichbaren, schnellen Bildfolgen realisieren. So haben alle bedeutenden Anbieter neben Standard-Speicherkarten auch Versionen im Programm, die sich durch hohe Kapazität, schnelle Transferraten und besondere Robustheit gegenüber Umwelteinflüssen wie Stoß, Schmutz und Temperaturschwankungen auszeichnen.


Transferraten
Die Schreib- und Lesegeschwindigkeiten von Speicherkarten werden entweder analog zu der Angabe der Datentransferraten von DVD- oder CD-Brennern als x-Faktor zur Grundgeschwindigkeit oder in MB pro Sekunde angegeben. Der x-Faktor entspricht dabei jeweils 150 KB/s. Eine 40x-Speicherkarte erreicht demnach Transferraten bis zu 6 MB pro Sekunde. Karten der Premium-Klasse warten heute bereits mit Transferraten von 20 MB/s auf. Beim Einsatz eines entsprechend schnellen Laufwerks lassen sich mit solchen Karten Dateien in der Größe von einem Gigabyte in nur 50 Sekunden übertragen. Mit normalen Speicherkarten würde das bis zu acht Minuten dauern. Das erklärt auch die Preisunterschiede bei Karten mit gleicher Kapazität.

Je höher die Auflösung der Digitalkamera, desto deutlicher zeigen sich die Unterschiede von Karten. Vor allem bei ihrer Verwendung in den neuen, digitalen Spiegelreflexkameras können unterschiedliche Datentransferraten die Bildfolgezeiten deutlich beeinflussen. Auch bei der Übertragung der Bilddaten von der Speicherkarte auf die Festplatte eines PCs spielt die Leistungsfähigkeit des in der Karte oder im Kartenlaufwerk verwendeten Prozessors eine wichtige Rolle. Er kann die Übertragung verlangsamen oder beschleunigen. Nur wenn beide, Speicherkarte und Kartenlaufwerk, einen hohen Datendurchsatz ermöglichen, lassen sich kurze Transferzeiten erreichen. Photographen sollten also sicherstellen, daß ihre Digitalkamera und das Kartenlaufwerk schnelle Transferraten ermöglichen, bevor sie das Geld für eine besonders schnelle Speicherkarte ausgeben. In Kameras mit 2 oder 3 Megapixel Auflösung werden die Vorzüge solcher Hochleistungskarten sich kaum bemerkbar machen. In den neuen, digitalen SLR-Kameras mit 8 bis 22 Megapixel bringen schnellere Übertragungsraten jedoch sehr wohl entscheidende Vorteile.


Schnittstellen
Von fast allen Speicherkartentypen werden nochmals verkleinerte Versionen angeboten, die speziell für elektronische Geräte im Miniaturformat, wie beispielsweise die immer populärer werdenden Mobiltelefone mit integrierten Kameras und Multimedia-Playern, konzipiert wurden. Diese haben meist nahezu identische Funktionen wie die Standardkartentypen und lassen sich in der Regel über entsprechende Adapter auch in Geräten oder Laufwerken für diese verwenden.

Ganz neu sind Speicherkartenvarianten, die über einen integrierten USB-Stecker verfügen. Sie werden einfach an den USB-Anschluß an einen PC oder ein Notebook angedockt, so daß für den Datenaustausch kein spezielles Kartenlaufwerk mehr erforderlich ist.


Zusatzfunktionen
Neben den Unterschieden in Bezug auf Größe, Datenkapazität, Transferraten, Kopier- und Überschreibschutz wurden in die Speicherkarten der jüngsten Generation auch eine Vielzahl nützlicher Zusatzfunktionen integriert. So vereinfachen beispielsweise die neuen Active Memory Speicherkarten von Lexar bestimmte, sich wiederholende Arbeitsabläufe in der professionellen Photographie. Mit diesem, aus einer speziellen CompactFlash-Karte, einem Lexar Fire Wire/USB 2.0 Kartenleser und der Photo Mechanics 4.5 Image Browsing Software bestehenden System können in einem gesicherten Speicherbereich beispielsweise Grundeinstellungen für die Kamera hinterlegt werden. Diese lassen sich nur mit der dazugehörigen Software, mit der sie auch auf die Karte übertragen werden, verändern und bleiben sogar erhalten, wenn die Karte formatiert wird. So lassen sich wiederkehrende Daten, wie etwa der Photographenname, bevorzugte Kameravoreinstellungen, Urheberrechtsinformationen, Schlüsselsuchwörter und Bildunterschriften bei der Übertragung der Aufnahmen zum Computer, automatisch den Photos zuordnen. Das vereinfacht auch die gemeinsame Nutzung einer Kamera von mehreren Photographen.
 

Digitalfotografie 07 / 2005

52 Bewerten  |  Drucken  |  Weiterempfehlen
Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden