Vom Dia/Negativ zur Datei

Windbuchen Bildgalerie betrachten

Blende ,“Windbuchen”
Manfred Kämpf

Auch wenn digitale Kameras die analogen hinsichtlich der technischen Bildqualität mittlerweile praktisch eingeholt haben, so hat doch die Photographie auf „analogem“ Film immer noch einige Vorteile und ist keineswegs altmodisch. Wer sowohl die Vorzüge von Negativen und Dias als auch die der digitalen Bildbearbeitung genießen möchte, geht daher den „hybriden“ Weg: analog photographieren und anschließend scannen.

Überlegungen
Bevor man ein Dia oder Negativ einscannt, sollte klar sein, wofür die entstehende Bilddatei benutzt werden soll. Steht die Verwendung fest, zum Beispiel der Ausdruck in einer bestimmten Größe oder die Präsentation im Internet, so sollte man dies bei der Einstellung der Scan-Auflösung direkt berücksichtigen. Je geringer die erforderliche Auflösung ist, umso schneller geht der Scanner zu Werke und umso kleiner ist die resultierende Datenmenge. Möchte man dagegen seine Bilder digital in möglichst hoher Qualität archivieren und sich alle Optionen für spätere Verwendungen offen halten, wählt man die höchstmögliche optische Auflösung am Scanner. Manche Scanner bieten auch höhere als die eigentliche optische Auflösung an. Dazu wird die Datei interpoliert, was nichts anderes bedeutet, als daß eine mehr oder weniger gute, digitale Logik Bildpunkte hinzu „erfindet“. Die Dateien sind dann zwar größer, qualitativ aber nicht besser, als wenn man sich auf die maximale optische Auflösung beschränkt. Wenn erforderlich, kann man besser die Bilddaten später im Bildbearbeitungsprogramm größer rechnen.

Was ist Auflösung?
Scanner-Auflösungen werden meist mit ppi (Pixel pro Inch) oder mit den eigentlich für Drucker-Auflösungen üblichen dpi (Dots per Inch) angegeben. Beiden Angaben liegt das gleiche Maß zugrunde: die Anzahl von Einheiten auf der Länge eines Zolls (engl.: Inch = 25,4 mm). Die Höhe der Auflösung wird meist mit einem Wert (zum Beispiel 2.400 ppi), manchmal (vor allem bei Flachbettscannern) aber auch mit zwei Werten (zum Beispiel 2.400 x 4.800 ppi) angegeben. Der erste Wert ist der wirklich relevante, denn er beschreibt die Dichte der lichtempfindlichen Elemente auf der Abtasteinheit des Scanners, das heißt die tatsächliche optische Auflösung. Der zweite, höhere Wert beschreibt die Schrittweite mit der sich die Abtasteinheit über die Vorlage bewegt beziehungsweise mit der die Vorlage über die Zeile bewegt wird. Je höher dieser Wert ist, umso feiner ist die Abtastung in Längsrichtung. Würde man aber bei der Auflösung, um beim genannten Beispiel zu bleiben, 4.800 dpi einstellen, müßte der Scanner in Querrichtung die Auflösung interpolieren, das heißt zum Beispiel aus physikalisch möglichen 2.400 Bildpunkten pro Zoll müßten 4.800 errechnet werden, was im Vergleich mit einem Scan mit echten 4.800 dpi natürlich deutlich schlechter ist.

Richtige Auflösung einstellen
Filmscanner und Flachbettscanner mit Durchlichtaufsatz in der Preisklasse zwischen € 300,-- und € 1500,-- bieten derzeit optische Auflösungen von 2.400 bis 5.400 dpi. Scannt man daher ein 24 x 36 mm großes Kleinbildnegativ mit einer Auflösung von beispielsweise 2.900 ppi, so erhält man 2.740 x 4.110 und damit also 11.261.400 Bildpunkte. Gescannt im RGB-Farbraum (RGB = Rot, Grün, Blau) bei einer Farbtiefe von 8 Bit ergibt sich dabei eine Dateigröße von knapp 33 Megabyte.

Soll die Datei in optimaler Qualität und maximaler Größe (ohne Interpolation) auf Photopapier gedruckt werden, geht es darum, die etwa 11,3 Millionen Bildpunkte in einer Dichte von 300 dpi auf das Papier zu verteilen. Das läßt sich in einer einfachen Formel darstellen: Pixel in der Breite geteilt durch die Druckauflösung x 2,54 cm = Druckbreite (in cm). Auf unser oben aufgeführtes Beispiel übertragen bedeutet das: 4.110 Pixel geteilt durch 300 dpi x 2,54 cm = 34,8 cm. Dabei hat sich die Auflösung von 300 dpi sowohl für die Ausgabe im Offsetdruck als auch für die meisten Tintenstrahldrucker als eine Art Standard eingestellt. Nach dem gleichen Prinzip kann man sich erforderliche Auflösungen für andere Druckgrößen errechnen. Höhere Auflösungen ergeben in der Regel, zumindest beim Tintenstrahlausdruck, keine sichtbar besseren Ergebnisse. Für Bilder, die nur am Monitor betrachtet werden sollen, beispielsweise im Internet, hat sich eine Auflösung von 72 dpi als Standard etabliert. Die entsprechenden Dateien sind also bei gleichen Abmessungen bedeutend kleiner als solche für den Druck.

Noch ein Rechenexempel: Nehmen wir mal an, man möchte von einem Kleinbilddia 3,6 cm breit) ein Bild in bester Qualität (300 dpi) im Format 10 x 15 cm ausdrucken. Welche Scanner-Auflösung ist dafür erforderlich? Auch dafür gibt es eine ganz einfache Formel: Druckbreite geteilt durch Originalgröße x Druckauflösung = Scan-Auflösung. Setzt man die angenommenen Beispielwerte ein, ergibt sich folgendes Ergebnis: 15 cm geteilt durch 3,6 cm x 300 dpi = 1.250 ppi.

Meist erlaubt das Scan-Programm nur die Einstellung fester Auflösungsschritte. Man stellt, falls sich ein etwas „krummer“ Wert ergeben sollte, daher den nächst größeren Wert ein.

Auflösung ist nicht gleich Auflösung?
Druckerhersteller werben zuweilen mit astronomisch erscheinenden Auflösungen von 4.800 dpi und mehr. Das sollte keinen dazu veranlassen, seine Bilddaten entsprechend hochzurechnen. Um ein Pixel darzustellen, benötigen Tintenstrahldrucker stets mehrere winzige Tintenpunkte. Die Druckerauflösung bezieht sich daher auf die Zahl der einzelnen “Farbkleckschen”, aus denen der Drucker einen tatsächlichen Bildpunkt darstellt. Je höher die Druckerauflösung, umso besser (zumindest theoretisch) die Darstellung. Die erforderliche Auflösung der Datei hat damit aber nichts zu tun. Da genügen, wie oben aufgeführt, 300 dpi völlig. Durch die Reduzierung der Auflösung auf 250 oder 200 dpi kann man die gleiche Datei bei immer noch akzeptabler Qualität entsprechend größer ausdrucken.

Für den Scanner photographieren
In der Regel haben alle erschwinglichen Scanner mehr oder weniger Schwierigkeiten damit, dunkle Bildpartien sauber durchzuzeichnen. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, Dias zu scannen, die etwas reichlicher (aber nicht über-) belichtet wurden beziehungsweise Negative, die eine etwas geringere Dichte aufweisen. Es ist nicht zuletzt daher sinnvoll, bei der Aufnahme Belichtungsreihen anzufertigen.

Rahmenprogramm
Dias liegen in aller Regel gerahmt vor. Wer Negative scannt kann entweder auf einen praktisch jedem Scanner beiliegenden Filmstreifenhalter zurückgreifen oder aber die Negative wie Dias rahmen, was - wenn man seine Negative ohnehin nur selber scannt, durchaus praktisch ist. Die meisten Filmscanner können mit Rahmen unterschiedlicher Stärke umgehen. Grundsätzlich empfiehlt sich die Verwendung glasloser Rahmen.

Probleme mit dem digitalen Staubwedel

Schwarzweißphotographen, die herkömmliche Schwarzweißnegative scannen möchten, müssen leider auf die bei vielen Scannern integrierte automatische Staub- und Kratzerentfernung verzichten. Diese basiert auf der Abtastung der Filmoberfläche durch infrarotes Licht. Dummerweise streut das in den Negativen enthaltene Silber dieses Infrarot auf eine Weise, die zu unbrauchbaren Scans führt. Schwarzweiße Alternativen sind die sogenannten chromogenen Schwarzweißfilme, die im konventionellen Farbnegativprozeß entwickelt werden. Der Kodak BW 400CN, der Ilford XP2 und der Konica Monochrom VX 400 sind Vertreter dieser Kategorie. Bei manchen Scannern bereiten die Kodachrome-Diafilme ähnliche Probleme mit der Staub- und Kratzerentfernung. Wer also viele Kodachrome-Dias scannen möchte, sollte sich vor dem Scanner-Kauf diesbezüglich informieren.

Jetzt geht’s los
Nun aber schieben wir endlich das Dia oder Negativ in den Scanner und öffnen das entsprechende Scan- oder Bildbearbeitungsprogramm. Im Falle des Negativs wählt man die Option „Negativ scannen“ und kann dann bei einigen Scannern den passenden Filmtyp wählen. Das soll gewährleisten, daß bei der Umrechnung zum Positiv die Farben und Tonwerte möglichst nah am Original liegen. Das Problem hat man bei Dias naturgemäß nicht. Die Farben zwischen Scan und Dia lassen sich direkt vergleichen. Schwarzweißnegative sollten in jedem Fall als Farbbild gescannt werden, denn so erhält man sich nachträglich viele Optionen, die Tonwerte sehr fein abzustimmen oder den Bildern einen einer Tonung entsprechenden Farbton zu verleihen. Sinnvoll ist es zudem, den Scan mit der maximalen Farbtiefe durchzuführen. Viele Scanner erlauben es, die Vorlagen entweder mit der meist standardmäßig eingestellten 8 Bit Farbtiefe auch mit 12, 14 oder 16 Bit zu digitalisieren. Das bedeutet nichts anderes, als daß mit höherer Farbtiefe auch mehr Farb- beziehungsweise Tonwertabstufungen erfaßt werden können. Nach der Farb- und/oder Tonwertkorrektur im Anschluß an den Scan kann man die Dateien dann wieder auf 8 Bit Farbtiefe reduzieren, was sich in der Dateigröße niederschlägt: 8 Bit-Dateien sind nur halb so groß wie 16 Bit-Dateien.

Vorab-Scan
Zunächst führt man den Vorab-Scan oder Pre-Scan aus. Die meisten Scan-Programme erlauben schon, umfassende Korrekturen an diesem Vorab-Scan vorzunehmen. Erfahrene Anwender nutzen diese Möglichkeit auch - allerdings nur, wenn die Voransicht groß genug ist, um das Bild überhaupt angemessen zu beurteilen. Ist das nicht der Fall, dann nimmt man allenfalls geringfügige Korrekturen vor und führt die Feinjustage dann im Bildbearbeitungsprogramm aus. Da man besonders als Einsteiger durch „Korrekturen“ im Scan-Programm schnell mehr Schaden als Nutzen erzeugen kann, beschränken wir uns auf die Einstellung der gewünschten Auflösung sowie - bei verschmutzten oder zerkratzten Vorlagen und sofern es der eingelegte Film erlaubt - auf die Aktivierung der automatischen Staub- und Kratzerentfernung. Auf eine Scharfzeichnung im Vorab-Scan sollte man verzichten. Die wird erst ganz am Ende der Bearbeitung vorgenommen, nachdem das Bild auf die passende Ausgabegröße gerechnet wurde.

Der Scan
Nachdem die Einstellungen vorgenommen wurden, löst man den Scan-Vorgang aus und hat nach kurzer Zeit das gescannte Bild zur weiteren Bearbeitung zur Verfügung. Wenn der Scan in einem eigenen Scan-Programm erfolgte, speichert man das Bild ab. Dafür bietet sich das universelle TIF-Format an. Keinesfalls sollte das Bild bereits zu diesem Zeitpunkt im beliebten JPEG-Format abgespeichert werden. Das führt zwar zu einer meist beträchtlichen Reduktion der Dateigröße, jedoch auf Kosten der Bildqualität. Hat man das Scan-Programm aus einem Bildbearbeitungsprogramm heraus geöffnet, steht das Bild direkt in der entsprechenden Anwendung zur Verfügung und kann bearbeitet werden. Allerdings empfiehlt es sich auch hier, die Datei zunächst zu speichern - entweder als TIF oder im Format des jeweiligen Programms.
 

Digitalfotografie 01 / 2006

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