Camera+ 2 - Was kann die neue Version des App-Klassikers für iPhone und iPad

Foto-App Camera+ wurde an die aktuellen Fähigkeiten von Smartphone-Kameras angepasst

populäre Foto-App Camera+ wurde runderneuert
Die populäre Foto-App Camera+ wurde nach acht Jahren runderneuert und läuft jetzt neben dem iPhone auch auf dem iPad.

Die Foto-App Camera+ gilt seit acht Jahren als sichere Bank für alle, denen die Möglichkeiten der Kamera-Anwendung von Apples mobilem Betriebssystem nicht ausreichen. In der neuen Version Camera+ 2 haben die spanischen Entwickler von LateNiteSoft die App überarbeitet und an die aktuellen Fähigkeiten von Smartphone-Kameras angepasst. Schließlich waren die manuelle Bedienung, RAW-Aufnahmen und Bokeh-Simulation vor ein paar Jahren noch nicht vorstellbar.

Camera+ 2 ist ein Foto-Allrounder, der Funktionen für Aufnahme und Bildbearbeitung bündelt. Die App läuft ausschließlich mit dem aktuellen iOS 11, allerdings nicht mehr nur auf dem iPhone, sondern jetzt auch auf dem iPad. Neben Look und Funktionsumfang hat sich auch das Preismodell geändert. Ein kostenloser Einstieg mit anschließenden In-App-Käufen ist nicht mehr möglich. Allerdings schmerzt der Festpreis von 3,49 Euro einen leidenschaftlichen Smartphone-Fotografen auch nicht.

Mit Camera+ 2 besser fotografieren als mit Apples Kamera-App

Die Kamerafunktionen machen weiterhin einen großen Teil der App aus. Daher startet Camera+ 2 nach dem Öffnen mit dem Aufnahmemodul. Dieses bietet deutlich mehr Möglichkeiten als die native Kamera-App von iOS. Zum Beispiel erlaubt Camera+ 2, Fotos in RAW-Qualität zu speichern und Bilder manuell zu belichten.

Allerdings ist der Zugriff auf ISO und Verschlusszeit ungewöhnlich tief versteckt, während den Machern von Camera+ 2 sonst ein guter Kompromiss bei der Oberflächengestaltung gelungen ist. Denn weil Camera+ 2 größere Schaltflächen bietet und weniger wichtige Funktionen geschickt ausblendet, präsentiert sich die App übersichtlicher und zugänglicher als zum Beispiel Lightroom CC oder ACDSee Pro.

Neben den gängigen Funktionen bietet die App auch eine Makro-Einstellung sowie zwei praktische Modi, die nur auslösen, wenn die Kamera ein Lächeln entdeckt bzw. wenn die Kamera ruhig genug für ein scharfes Foto gehalten wird. Ein Porträt mit Bokeh-Simulation ist ebenfalls verfügbar, aber nur für Nutzer, deren iPhone-Modell über eine Dual-Kamera verfügt. Außerdem können Nutzer entscheiden, ob sie Bilder in JPEG, TIFF oder dem neuen HEIF-Format sichern wollen. Damit deckt Camera+ 2 viele Aufnahmefunktionen ab, zu denen aktuelle iPhone-Kameras in der Lage sind. Lediglich einen HDR-Modus haben wir vermisst.

Vielfältige Bildbearbeitung, unkonventionell sortiert

Als Editor bietet Camera+ 2 vieles, was eine umfassende Bildbearbeitung ausmacht, ordnet die Einstellungen aber ungewohnt an. Als erstes fällt ein Reiter mit vorgefertigten „Szenen“ in den Blick. Er beinhaltet Bearbeitungsvorlagen, die sich für bestimmte Motive eignen sollen. Natürlich spricht nichts dagegen, Vorlagen wie „Porträt“, „Strand“ „Konzert“ auch auf Bilder mit anderem Inhalt anzuwenden.

Camera+ 2 mit Szenen
Eilige können ihre Bilder in Camera+ 2 mit „Szenen“ aufpeppen.

Wer stattdessen die manuellen Bearbeitungsmöglichkeiten sucht, findet sie unter dem Reiter „The Lab“. Das „Fotolabor“ von Camera+ 2 ordnet die einzelnen Einstellungen sehr unkonventionell an und weicht von den Workflows bei Lightroom und anderen RAW-Editoren stark ab. So sind beispielsweise Effektregler, die den Mitteltonkontrast und die Farbdynamik anheben, prominent platziert, während die Belichtung erst weiter hinten auftaucht.

Interessant ist die Möglichkeit, den Bokeh-Effekt auf vielschichtige Weise bearbeiten zu können. Sofern in der vorliegenden Bilddatei Tiefeninformationen gespeichert wurden, können Nutzer die simulierte Blendenöffnung und die Unschärfe-Ebene nach vorn oder hinten verschieben. Das funktioniert im Test verblüffend gut und bietet einen echten Mehrwert. Normalerweise erfordert dieser Eingriff eine separate App.

Bilder in Camera+ 2 manuell bearbeiten
Natürlich lassen sich Bilder in Camera+ 2 auch manuell bearbeiten. Aus der Reihe fällt dabei die Möglichkeit, simulierte Unschärfe-Effekte nachträglich ändern zu können.

Bildverwaltung von Camera+ 2 basiert auf Apple Fotos

Als Verwalter dockt Camera+ 2 an die Aufbewahrung und die geräteübergreifende Synchronisation von Apple Fotos an. Einen eigenen iCloud-Sync bietet die App nicht. Stattdessen werden Fotos nur lokal in einer „Leuchtkasten“-Oberfläche präsentiert, die mit einer schönen Übersicht zu den Metadaten eines jeden Fotos aufwartet. Von dort aus lassen sich die Dateien in Apple Fotos sichern. Um zwischen lokaler Anzeige und der Bildersammlung in Apple Fotos zu wechseln, genügt ein Fingertipp.

Zwar handelt es sich bei Camera+ 2 um eine Universal-App, die nur einmal für iPhone und iPad gekauft werden muss. Trotzdem haben die Entwickler die Anwendung an die Möglichkeiten des Apple-Tablets angepasst. So lässt sich Camera+ 2 im Fenstermodus parallel zu einem anderen Programm ausführen. Dadurch können Nutzer zum Beispiel Fotos aus der App mit einem Wisch in den E-Mail-Entwurf ziehen. Das funktioniert flüssig und reibungslos.

Bilder speichert Camera+ 2 lokal
Bilder speichert Camera+ 2 lokal, kann aber Dateien mit Apple Fotos austauschen. Praktisch ist die Metadaten-Übersicht hier auf dem iPad.

Test-Fazit: Camera+ 2

Camera+ 2 ist eine preiswerte Allrounder-App für Nutzer, die mehr wollen, als die Kamera-App von iOS bietet, aber denen Lightroom CC zu kompliziert ist. Die Bedienung schwankt zwischen intuitiv und unkonventionell. Nach ein paar Minuten Einarbeitung ist die App aber generell leicht zu beherrschen. Die fast 3,50 Euro sind für so eine leistungsstarke App geschenkt. Wessen Geschmack die Bedienung nicht trifft, oder wer nicht über iOS 11 verfügt, der kann alternativ einen Blick auf ACDSee Pro werfen.

Zum Download im Apple App Store (3,49 Euro, keine In-App-Käufe, für iPhone und iPad mit iOS 11).

Foto-Apps Besprechung 07 / 2018

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