Foto-App FaceApp: Porträts verwandeln per Künstlicher Intelligenz

Die Applikation FaceApp verspricht Kurzweil und Spaß mit zahlreichen Veränderungsmöglichkeiten für Porträts: Eine neue Frisur ausprobieren, die Zeit um zwanzig Jahre vor oder zurück drehen oder gar erfahren, wie man ausgesehen hätte, wenn man als Mann (oder im Falle eines Mannes als Frau) auf die Welt gekommen wäre – all das bietet FaceApp mit Hilfe von künstlicher Intelligenz.

Der Praxistest auf dem iPhone

Als erstes wird ein Selfie-Portrait direkt in der App geschossen. Für ein optimales Ergebnis sollte man das Gesicht in dem vorgegebenen Rahmen positionieren, möglichst neutral schauen und auslösen. Alternativ kann man auch eine bestehende Aufnahme verwenden oder gezielt Promis suchen. Das Bild wird dann auf die Server von FaceApp hochgeladen, dort analysiert und wieder zurück geschickt. Das dauert etwa eine halbe Minute. Anschließend stehen im Tab „Fun“ unterschiedliche Verfremdungsvarianten bereit. Diese werden durch verschiedene Symbole visualisiert und per Klick auf das Bild angewendet.

FaceApp - Lächeln
Ausgangbild (links) und das, was die KI daraus macht: Das Lächeln wirkt doch eher künstlich.

Lächeln: Im Test ist das künstliche Lächeln nicht überzeugend. Die Zähne wirken zu groß für das Gesicht und das Lächeln eher verkrampft als echt. Erstaunlicherweise klappte es bei Prominenten besser. Angela Merkel etwa wirkte recht überzeugend.

FaceApp - Jung und Alt
Jung und Alt im Direktvergleich. Die Testerin ist Anfang 20, insofern war die Verjüngung eine Herausforderung, die die App nur mäßig gut gemeistert hat.

Alt und Jung: Hierbei ist entscheidend, in welchem Alter die Abgebildete Person ist. Am besten scheint es mit Menschen um die 40 Jahre zu funktionieren. Die App lässt einen in jung dann etwa wie einen Teenager wirken, in alt in etwa wie 60. Allerdings sind die Ergebnisse auch hier eher mäßig. Vor allem das Trimmen auf jugendlich wirkt eher künstlich.

Der Hollywood-Filter erinnert ein wenig an Melania Trump – und hatte bei den Testpersonen oft wenig mit dem Ausgangsansicht zu tun. Das Gesicht wirkt stark glatt gezeichnet und irgendwie künstlich – vermutlich im wesentlichen durch die Augennachbearbeitung.

FaceApp - Von Mann zu Frau oder umgekehrt
FaceApp – Von Mann zu Frau oder umgekehrt

Von Mann zu Frau oder umgekehrt – Der wohl interessanteste Teil der App ist der, bei dem man das Geschlecht verändern kann. Per Knopfdruck wird aus einer 20-jährigen Studentin ein etwa 40-jähriger Mann mit Kurzhaarschnitt und Bart. Zur Auswahl stehen dort auch unterschiedliche „Styles“: Ob mit wallender Mähne, ganz ohne Haupthaar oder mit Brille.

Das Ergebnis wirkt zum Teil verblüffend echt. Eines der Männerbilder einer weiteren Testperson hätte man tatsächlich als ältere Version des Bruders erkennen können. Auch ansonsten wirken die Abbildungen sehr realistisch. Der Test erfolge auch mit Promibildern wie mit Angela Merkel – eine Aufnahme hätte glatt ihr Vater in einer fülligeren Version und jüngeren Jahren sein können.

Weniger spektakulär sind dagegen die Varianten „Weiblich“ und „Weiblich 2“. Dabei zaubert die Künstliche Intelligenz der Applikation ein Augen-Make-Up im Blau-Ton oder eine asiatische Herkunft plus glatte Haare.

Fazit: Das bringt FaceApp

Das Gesamtfazit ist tendenziell positiv: Die App bringt auf jeden Fall Spaß, aber wirklichen Mehrwert bietet sie kaum und ganz ausräumen lassen sich die Datenschutz-Bedenken nicht. Kritisch zu bewerten ist, dass sich der russische Anbieter offen hält, die Bilder auf Servern weltweit zu verarbeiten und möglicherweise zu speichern. Im Kleingedruckten wird explizit darauf hingewiesen, dass dies auch Länder mit weniger strengen Datenschutzbestimmungen als Deutschland sein könnten. Auch hält sich der Anbieter offen, die Daten mit Partner-Unternehmen zu teilen. Ein wenig störend ist auch die permanente Einblendung von Werbung, die sich auch mal 5 Sekunden nicht ausblenden lässt. Mit Erwerb der Pro-Version (für 1,99 Euro monatlich, 9,99 Euro für 12 Monate oder 22 Euro einmalig für die dauerhafte Nutzung der App) fällt diese aber weg. Außerdem lockt die Premium-Version mit so genannten Style-Filtern, die einem einen Pony, Bart-Varianten oder ein neues Make-Up zaubern. Auch das Wasserzeichen in den fertigen Bildern fällt dann weg. Am Rand sei noch erwähnt, dass FaceApp in der Kritik stand, Rassismus zu begünstigen, weil es die Aufhellung von Gesichtern unter einem „Hot“-Filter einsetze und später „Ethnicity“-Filter einführte, die jedoch nach kurzer Zeit aus der App entfernt wurden.

FaceApp für iPhone (gratis in werbefinanzierter Version), ab iOS 9.0
Downloadgröße 49,5 MB, Entwickler: Wireless App OOO, Version 2.0.16
https://itunes.apple.com/us/app/faceapp-neural-face-magic/id1180884341?mt=8

Foto-Apps Besprechung 03 / 2018

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