Der Weißabgleich der Kamera - Weiß wie Schnee oder wie Zitroneneis?

© Fotograf: Maximilian Helgert, Sieg, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Maximilian Helgert, Sieg, Blende-Fotowettbewerb
Habt Ihr Euch schon mal gefragt, woher Kameras wissen, welche Farbe das hat, was Ihr fotografiert? Also, dass Rot überhaupt rot aussieht, Grün grün und so weiter? Dafür sorgen Pixel auf dem Sensor, die jeweils diese Farben erkennen. Schwieriger ist es für die Kamera, die Mischung aller Farben so hinzubekommen, dass es auch vom Gefühl her so aussieht wie in echt. Ihr kennt das bestimmt: Wenn ihr Eure Freunde abends auf einer Party fotografiert, sehen sie auf allen Bildern irgendwie anders aus. Das liegt an der sogenannten Farbtemperatur des Lichts. Glühlampen und Kerzen auf der Party tauchen Gesichter oft in ein warmes, rötliches Licht, passend zur Abendstimmung. In einer anderen Ecke des Partykellers wirken Eure Freunde dagegen irgendwie unnatürlich blaugrün im Gesicht, weil dort eine entsprechend bunte Lampe steht. Blitzlicht ist ziemlich neutral.

Man kann an der Kamera einstellen, was sie mit dem Umgebungslicht anfangen soll. Dieser Menüpunkt heißt Weißabgleich oder „white balance (WB)“, falls Ihr ein englisches Menü habt. Das Menü gibt meistens ein paar Symbole für typisches Umgebungslicht an, also eine Sonne für helles Tageslicht, Wolken für bedeckten Himmel, ein Häuschen, das einen großen Schatten wirft, eine Glühbirne, eine Neonröhre. Und es gibt den voreingestellten Menüpunkt AWB („automatic white balance“), der automatische Weißabgleich. Damit versuchen Kameras, selbst zu erkennen, auf welche Farbtemperatur sie sich einstellen sollen, was meistens auch gut klappt.

Wenn Ihr nun im Menü eines der Symbole auswählt, könnt Ihr sehen, wie sich das Bild auf dem Display verändert. Es wirkt vielleicht wärmer, also rötlicher, oder kälter, mit etwas mehr Blau. Es gibt auch noch eine genauere Möglichkeit, den Weißabgleich einzustellen. Ein Unterpunkt beim manuellen Weißabgleich verlangt eine kurze Messung. Dazu müsst ihr dann nur eine neutral weiße oder graue Fläche – ein DIN-A4-Blatt Druckerpapier reicht – anvisieren und bestätigen. Dann kann die Kamera sich perfekt auf die Umgebung einstellen. Probiert das mal aus, den Weißgleich braucht man öfter als man denkt.

An einem klaren Wintertag wirkt Schnee oft nicht schneeweiß, sondern hat einen Blaustich vom blauen Himmel. Und unter einem roten Sonnenschirm sieht auch das Zitroneneis plötzlich nicht mehr richtig weiß aus. Ihr wisst ja jetzt, wie Ihr das hinbekommt. Und wenn Ihr es mal vergesst: Bildbearbeitungsprogramme für Computer und Smartphones können die Farbtemperatur auch später noch hinbiegen.

Foto Jugend Ratgeber 10 / 2012

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