Kamera-Aufnahmemodi - Der Chef sein

© Fotograf: Jonas Oelke, 15, Im Advent, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Jonas Oelke, 15, Im Advent, Blende-Fotowettbewerb
Eure Kamera kann sehr viel mehr als Ihr denkt und somit könnt auch Ihr sehr viel mehr als Ihr denkt. Berührungsängste müsst Ihr keine haben – Euch liegt mit den Features, die Euch aktuelle Kameramodelle bieten, eine grenzenlose Welt der fotografischen Entfaltung zu Füßen, und die garantiert einen noch größeren Spaß an der Fotografie. Ja, und wer will nicht gern Chef sein – eigentlich doch jeder. In Bezug auf den Umgang mit Eurer Kamera bedeutet dies, dass Ihr Euch mit den unterschiedlichsten Features vertraut macht. Dazu gehört natürlich auch, den Automatikmodus zu verlassen, auch, wenn Ihr Euch hier zu Hause fühlt. Natürlich ist der Automatikmodus bequem, denn die Kamera übernimmt für Euch alle Einstellungen. Aber ist das nicht auch langweilig und liegt nicht der große Reiz in der Fotografie im kreativen Spiel mit den Möglichkeiten? Eure Kamera kann sehr viel mehr und darin liegt auch der große Vorteil gegenüber der Fotografie mit dem Smartphone.

Bedienungsanleitung

Das Angebot an Kameras ist riesengroß. Kompaktkameras mit fest eingebautem Objektiv und Kameras mit Wechseloptik, das heißt solche wo das Objektiv gewechselt werden kann, sind am weitesten verbreitet. Je nach Kameramodell variieren die Ausstattung und mitunter auch die Abkürzungen. Möchtet Ihr Eure Kamera besser kennenlernen, hilft ein Blick in die Bedienungsanleitung. Nur so erfahrt Ihr, was Eure Kamera alles kann und was beispielsweise die Abkürzungen auf dem Wählrad bedeuten. Damit Ihr die Bedienungsanleitung besser nachvollziehen könnt, empfehlen wir Euch, die Kamera parallel zur Hand zu nehmen und das Beschriebene einfach gleich nachzuvollziehen.

Einstellrad und Abkürzungen

Je nach Kameramodell gibt es ein Einstellrad mit Abkürzungen wie A, M, Av, Tv, P … Diese Einstellräder sind bei aufwändigeren Kompaktkameras ebenso zu finden wie bei Kameras mit Wechseloptik, also den sogenannten kompakten System- und Spiegelreflexkameras. Bei den Kompaktkameras gibt es auch zahlreiche Modelle ohne Einstellrad. Hier verbergen sich die Aufnahmemodi im Kameramenü.

Automatik-Modus (A)

Der Automatikmodus ist mit A gekennzeichnet. Die Kamera nimmt alle Einstellungen (Belichtungszeit, Blende, ISO) selbstständig vor – Ihr müsst also nichts machen, außer Euer Motiv anvisieren und den Auslöser betätigen. Natürlich ist das die bequemste Art der Fotografie, die aber, je nach Situation, den fotografischen Gestaltungsspielraum nicht zur Entfaltung kommen lässt.

Intelligente Automatik (iA)

© Fotograf: Leonie Heidmann, 14, Kaviar zum Frühstück, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Leonie Heidmann, 14, Kaviar zum Frühstück, Blende-Fotowettbewerb
Viele aktuelle Kompaktkameras bieten eine intelligente Automatik. Das Motiv wird analysiert und einem der verschiedenen Szenenprogrammen zuordnet. Der Vorteil gegenüber der „normalen“ Automatik ist, dass in der Regel mehr Aufnahmeparameter auf das Motiv hin angepasst werden. Die intelligente Automatik bietet sich dann an, wenn Ihr keine Zeit habt, das zum Motiv passende Szenenprogramm auszuwählen, oder nicht wisst, welcher Modus jetzt der Beste ist. Alternativ schaut mal nach, ob Eure Kamera über die Modi „Porträt“, „Landschaft“, „Makro“, „Nacht“ oder beispielsweise „Schnee“ verfügt.

Wenn das Motiv in eine der drei Schubladen „Porträt“, „Landschaft“ oder „Makro“ passt, gibt es hier in der Regel zuverlässig gute Ergebnisse. Manche Kameras können zwischen Tag und Nacht und zwischen ruhigen Erwachsenen und herumspringenden Kindern unterscheiden und passen die Aufnahmeparameter entsprechend an.

Belichtungskorrektur (+/-)

Bei der Belichtungskorrektur handelt es sich um keinen Kameramodus, sondern um eine Einstellungsmöglichkeit, die sehr hilfreich ist. Im Automatik-Betrieb versucht Eure Kamera, Blende und Verschlusszeit so anzupassen, dass das Bild nicht zu hell und nicht zu dunkel gerät. Allerdings liegt Eure Kamera insbesondere bei Motiven mit hohen Helligkeitsunterschieden gelegentlich daneben. Mithilfe der Belichtungskorrektur verschiebt Ihr die Helligkeit in die gewünschte Richtung und müsst Euch nicht um Blende und Belichtungszeit kümmern.

Programm-Modus (P)

Wenn Ihr Euch für diese Einstellung entscheidet, dann bestimmt Eure Kamera Belichtungszeit, Blende, ISO selbstständig. Für Euch der große Vorteil liegt darin, dass Ihr Euch in Bezug auf den Weißabgleich, der Belichtungskorrektur und dem Blitz einbringen könnt.

Zeitpriorität (Blendenautomatik, S, Tv)

In diesem Modus legt Ihr die Belichtungszeit fest, und die Kamera passt die Blende dementsprechend an. Wenn die Empfindlichkeit auf “Auto” gestellt ist, hilft die Kamera auch mit dem ISO-Wert nach. Dieser Modus eignet sich für alle Situationen, in denen besonders lange oder besonders kurze Verschlusszeiten erforderlich sind – etwa bei Langzeitaufnahmen vom Nachthimmel oder bei Actionfotos.

Blendenpriorität (Zeitautomatik, A, Av)

© Fotograf: Lara Amann, 17, Bärliner Cannelloni-Lasagne Tor (Original oder Fälschung?), Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Lara Amann, 17, Bärliner Cannelloni-Lasagne Tor (Original oder Fälschung?), Blende-Fotowettbewerb
In diesem Modus legt Ihr die Blende fest, und die Kamera passt die Belichtungszeit dementsprechend an. Wenn die Empfindlichkeit auf „Auto“ gestellt ist, hilft die Kamera auch mit dem ISO-Wert nach. Diesen Modus wählt Ihr, wenn Ihr die Schärfentiefe aktiv beeinflussen möchtet. Wenn Ihr beispielsweise Euren Freund/Eure Freundin fotografiert, dann lassen kleine Blendenzahlen den Hintergrund unscharf erscheinen. Bei Architekturfotos sorgen hohe Blendenzahlen hingegen für eine große Schärfentiefe – dann ist vom Vorder- bis zum Hintergrund alles scharf.

Manuell (M)

In diesem Modus habt Ihr komplett freie Hand und damit auch die meisten fotografischen Freiheiten. Natürlich lässt dieser Modus auch Raum für Fehler – aber bekanntlich lernt man aus diesen auch. In der Regel zeigt die Kamera an, ob die gewählten Aufnahmeparameter eine korrekte Belichtung ergeben oder nicht. Im Zweifelsfall kann man immer auf einen der drei vorherigen Modi umschalten, sich die Aufnahmeparameter ansehen, die die Kamera wählen würde, und den manuellen Modus dann dementsprechend anpassen.

Bulb

Bulb ist eine Variation des manuellen Modus, bei der der Verschluss genauso lange offen bleibt, wie Ihr den Auslöser gedrückt hält. Bei Langzeitbelichtungen solltet Ihr eine Kabelfernbedienung nutzen, denn die erspart Euch Fingerkrämpfe. Gelegentlich hat der Bulb-Modus einen eigenen Auswahlpunkt auf dem Moduswahlschalter, manchmal lässt er sich durch Aufdrehen der Belichtungszeit auf den maximalen Wert aktivieren. Bulb bietet sich bei Langzeitbelichtungen an oder auch bei Aufnahmen vom Feuerwerk, denn hier ist es von Vorteil, den Verschluss zum exakt richtigen Zeitpunkt wieder zu schließen und so eine Reihe von Effekten punktgenau aufs Bild zu bringen.

Porträt-Modus

Wenn Ihr beispielsweise Euren Freund beziehungsweise Eure Freundin ablichtet, dann führt der Porträt-Modus zu überzeugenden Aufnahmen, weil die Person scharf und der Hintergrund unscharf abgebildet wird. In der Regel kommen bei dieser Aufnahmesituation üblicherweise große Blendenöffnungen zum Einsatz. Bei kompakten Digitalkameras werden diese teilweise simuliert, das heißt, die Kamera zeichnet den Hintergrund künstlich weich, um die Augen des Betrachtes auf die Person auf dem Foto zu lenken. Außerdem wird in der Regel die Gesichtserkennung aktiviert.

Zurückhaltend würden wir mit den diversen Beauty-Effekten umgehen, denn hier zeichnet die Kamera häufig auch die Gesichter weich, um Hautunreinheiten verschwinden zu lassen.

Nachtporträt-Modus

© Fotograf: Jan Kniel, 18, Drop, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Jan Kniel, 18, Drop, Blende-Fotowettbewerb
Wenn Ihr Freunde draußen in der Dunkelheit fotografiert, dann ist der Nachtporträt-Modus ratsam. Die Person wird durch Auslösen des Blitzes korrekt belichtet, während der Hintergrund durch die Kombination aus langer Belichtungszeit und angehobener ISO-Empfindlichkeit hell eingefangen wird. Aktuelle Kameras setzen in diesem Modus auf Mehrfachbelichtungen.

Landschafts-Modus

Wie der Name schon verrät, wird dieser Modus gewählt, wenn Ihr Landschaften fotografiert. Damit die Aufnahme weiträumig scharf ist, wird die Blende geschlossen. Einige Kameramodelle verstärken in diesem Modus zudem die Sättigung von Grün- und Blautönen und manche Kameras bieten mit „Herbst“ oder „Herbstlaub“ einen Modus an, in dem die Rottöne stark gesättigt abgebildet werden.

Makro-Modus

Wenn Ihr Blumen oder kleine Tiere, wie beispielsweise Schnecken, fotografiert, so empfiehlt sich der Makro-Modus. In diesem bekommt Ihr auch bei kürzestem Aufnahmeabstand Euer Objekt noch scharf abgebildet. In Eurer Kameraanleitung könnt Ihr nachlesen, wie groß die Distanz minimal sein darf. Je nach Kameramodell wird der Blitz automatisch behutsam eingesetzt, wodurch Überbelichtung verhindert wird.

Nacht-Modus

Diesen Modus solltet Ihr in der Dämmerung oder wenn Ihr in der Nacht fotografiert wählen. Eure Kamera versucht, mit einer möglichst günstigen Kombination aus mittleren ISO-Empfindlichkeiten und halbwegs langen Belichtungszeiten die bestmöglichen Bildergebnisse zu erzielen. Der Blitz ist deaktiviert. Scharfe Aufnahmen setzen voraus, dass Ihr mit Stativ fotografiert, denn ansonsten sind Eure Aufnahmen durch Eure Verwacklungen unscharf.

Kerzenlicht-Modus

Denken wir an Weihnachten oder an Situationen, wo Kerzen eine große Rolle spielen, dann sollte der Kerzenlicht-Modus gewählt werden, denn nur so bleibt die Lichtstimmung in Euren Bildern erhalten. Die Kamera verzichtet in diesem Modus auf die Zuschaltung des Blitzes – der würde die Stimmung nur zerstören. Stattdessen hebt die Kamera den ISO-Wert an und wählt eine mittlere Belichtungszeit. Je nach Kameramodell kann es durch die ISO-Erhöhung zu Bildrauschen kommen. In jedem Fall gehört Eure Kamera auf ein Stativ.

Sport-Modus

© Fotograf: Neela Buchholz, 15, Kartoffelkäfer mit Kind, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Neela Buchholz, 15, Kartoffelkäfer mit Kind, Blende-Fotowettbewerb
Diesen Modus solltet Ihr wählen, wenn Action angesagt ist – also beim Sport oder wenn Ihr Euren Hund in Aktion ablichtet. Die Kamera wählt eine kurze Belichtungszeit. Wenn die Lichtverhältnisse nicht ausreichend sind, erhöht die Kamera die ISO-Empfindlichkeit. Einige Kameramodelle aktivieren im Sport-Modus den Serienbildmodus für viele Aufnahmen in kurzer Zeit.

Feuerwerk-Modus

Um Feuerwerk stimmungsvoll festzuhalten, sind lange Belichtungszeiten notwendig – dann bekommt Ihr auch die Spuren der am Himmel explodierenden Effekte mit auf Eure Bilder. Pflicht ist in diesem Modus ein Stativ, denn sonst sind Eure Bilder verwackelt.

Es gibt, je nach Kameramodell, noch weitaus mehr Motiv-Programme. Welche das sind, sagt Euch die Bedienungsanleitung Eurer Kamera.

Foto Jugend Ratgeber 12 / 2014

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