Alfredo Srur - HERIDAS

© Alfredo Srur, Ezquiel at Club Atletico y Social Villa Najera Bildgalerie betrachten Alfredo Srur
Ezquiel at Club Atletico y Social Villa Najera, 2002-2010
Gelatin silver print
Ed. of 9
40.00 × 30.00 cm

Die Galerie Julian Sander in Köln präsentiert noch bis zum 17. Dezember die Fotoausstellung „HERIDAS“ mit Werken von Alfredo Srur.

Lateinamerika wird oft als eine der gewaltsamsten Regionen der Welt beschrieben. Die Ursachen für Kriminalität und Gewalt sind komplex, doch die von Regellosigkeit geprägten Stadtgebiete sind besonders anfällig für Gewaltausbrüche – von oben wie von unten. Dieses Szenario gilt auch für San Fernando, einen Stadtteil am Rand von Buenos Aires, dreißig Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Alfredo Srur wurde 2002 von einem Menschenrechtsaktivisten eingeladen, San Fernando zu besuchen. Dort ermordete die Polizei am 6. Februar 1999 einen 17jährigen Jungen. Der Junge war bekannt als „El Frente Vital“, ein Outlaw, der sich für soziale Gerechtigkeit einsetzte, um den Armen zu helfen.

Angetrieben von einer Mischung aus Neugier und Faszination entschied sich Alfredo Srur, die kommenden 8 Jahre in einer ihm vollkommen fremden Kultur zu verbringen, um die sozialen Kodizes und Verhaltensweisen dieser Gemeinschaft zu verstehen. Srur lernte Carlos, Anführer einer Gang und „Vitals“ besten Freund, kennen. Carlos ist der Protagonist von Srurs fotografischer Serie, das Alter Ego des Fotografen. Er lud Srur ein, Teil seiner Welt zu werden und diese durch seine Augen zu sehen. Srurs Fotografien untersuchen die komplexe Realität von Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, in einem Versuch, die allgemeinen Annahmen über Marginalität zu entmystifizieren. „Heridas“ ist das Resultat einer Begegnung von zwei Seiten der argentinischen Gesellschaft, die eigentlich nie zusammentreffen sollten. „Heridas“ stellt Klischees über Randexistenz in Frage. Mit seinem ungewöhnlichen Blick für Komposition und Licht erzählt Srur eine Geschichte über kaputtes Spielzeug, zerbrochene Träume und die Zärtlichkeit, die die Schatten der Barackensiedlung durchdringt.

Alfredo Srur wurde 1977 in Buenos Aires geboren. Er studierte Filmproduktion an der Universität von Kalifornien, wo er zum ersten Mal mit Fotografie in Berührung kam. 1999 bis 2001 besuchte er den Fotografie-Workshop von Jorge Saenz. 2005 nahm Srur am ›Photographic Aesthetics Workshop‹ (TEF – Talleres de Estética Fotográfica) von Eduardo Gil teil. Alfredo Srur entwickelt seit 2000 dokumentarische Projekte in Kolumbien, Honduras, Ecuador, Argentinien und Peru. Im Jahr 2013 erwarb er das Fotoarchiv von Harry Grants Olds, einer der bedeutendsten Fotografen in Lateinamerika zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Zwei Jahre später gründete er das Centro de Investigación Fotográfico Histórico Argentino (Cifha) in seiner Heimatstadt Buenos Aires, wo Srur lebt und arbeitet.

Weitere Informationen: www.galeriejuliansander.de

Fotoausstellungen 10 / 2016

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