Balthasar Burkhard

Balthasar Burkhard, Mexico City (Vulkan), 1999 © Estate Balthasar Burkhard, 2017 Bildgalerie betrachten Balthasar Burkhard, Mexico City (Vulkan), 1999

Die über 150 Arbeiten umfassende Ausstellung, zu sehen noch bis zum 14. Januar 2018 im Museum Folkwang (Essen) ist die erste große museale Würdigung des Schweizer Künstlers Balthasar Burkhard (1944-2010) in Deutschland. Wie kaum ein anderes Werk reflektiert Burkhards Œuvre die künstlerische Selbsterfindung eines Fotografen, und mehr noch, die künstlerische Karriere des Mediums Fotografie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Den Körper über die fotografische Darstellung ins Skulpturale zu verwandeln und die Fläche der Fotografie in das große Format eines autonomen Tafelbildes zu überführen – auf diese Weise übernimmt die Fotografie zu Beginn der 1980er Jahre eine führende Rolle in der neuen, figurativen Ausrichtung der Kunst. Balthasar Burkhard ist einer der Wegbereiter dieser Entwicklung.

Die Retrospektive zeichnet die vielfältigen Facetten von Burkhards Werdegang nach: Beginnend mit seiner Rolle als Wegbegleiter des berühmten Kurators Harald Szeemann und der Berner Bohème der 1960er und 1970er Jahre. Viele Aufnahmen der legendären Documenta von 1972 stammen von Balthasar Burkhard. Parallel hierzu arbeitet er an seiner Emanzipation als Künstler, entwickelt mit dem Freund und Kollegen Markus Raetz die ersten großen Foto-Leinwände, versucht sich als Schauspieler und Künstler in den USA, kehrt Anfang der 1980er Jahre zurück und veranstaltet seine legendären Ausstellungen in der Basler Kunsthalle (1983) und im Musée Rath (1984).

Im Laufe seiner Karriere porträtiert Burkhard immer wieder Künstlerinnen und Künstler, zunächst szenisch und in Aktion, später folgen die Bilder seiner stärker formalisierten Auffassung. In den 1990er Jahren widmet er, im enzyklopädischen Stil der Fotografie des 19. Jahrhunderts, eine eigene umfangreiche Porträtserie den Tieren. Eine weitere Facette von Burkhards Schaffen stellen seine großen Veduten der Metropolen dieser Erde dar, wie Los Angeles und Mexico City. Die Aufnahmen aus dem Flugzeug, die er mit den Wüsten der Erde fortsetzt, werden zu seiner großen Passion.

Vieles lässt in seinem Werk daran denken, dass er stets auf der Suche nach einer Morphologie, einer Formenkunde der Natur und Kultur gewesen ist. Darin finden Aufnahmen von Wellen und Wolken ebenso ihren Platz wie Schweizer Berge oder tropische Urwälder, intime Partien des Körpers, traditionelle japanische Architekturen und die Fragilität von Pflanzen. Stets gilt sein Interesse den Materialitäten des Bildes, neben der spezifisch grauen Skala seiner Abzüge experimentiert er auch mit den Edeldruckverfahren der Heliogravüre.

Die Fotoausstellung ist eine Kooperation des Museum Folkwang, des Fotomuseum Winterthur, der Fotostiftung Schweiz und des Museo d’arte della Svizzera italiana, Lugano. Unterstützt von E.ON SE, gefördert von Pro Helvetia.

Weitere Informationen: www.museum-folkwang.de

Änderungen vorbehalten.

Fotoausstellungen 10 / 2017

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