Bruno Barbey - PASSAGES

Demonstration against the construction of the Narita Airport and the war of Vietnam, Tokyo, Japan, 1971 © Bruno Barbey / Magnum Photos Bildgalerie betrachten Demonstration against the construction of the Narita Airport and the war of Vietnam, Tokyo, Japan, 1971

Ob Momente unbeschwerter Kindheit, der respektvolle Blick in fremde Kulturen oder Aspekte des Menschlichen in politischen Konflikten und Kriegen: Die Vielfalt seiner Themen und seine einfühlsame Bildsprache machen Bruno Barbey (*1941) zu einem der erfolgreichsten Fotojournalisten der Gegenwart. Mit BRUNO BARBEY „PASSAGES“ zeigt das Fotografie Forum Frankfurt noch bis zum 14. Januar 2018 eine Retrospektive des französischen Fotografen. Zu sehen sind 100 Schwarzweiß- und Farbfotografien der frühen 1960er Jahre bis heute. Zusätzliche Einblicke in Barbeys besondere Arbeitsweise vermitteln Filme von Caroline Thiénot-Barbey, Filmemacherin und Ehefrau des Fotografen.

Die Ausstellung präsentiert Bilder und Fotoreportagen von Bruno Barbey aus aller Welt. Den zeitlichen Anfang markieren Schwarzweißbilder aus „Les Italiens“, Barbeys erstem Fotoessay (1961–1964). Als Student reiste Barbey immer wieder nach Italien, beeindruckt von der lebendigen Atmosphäre in den Städten, von den Menschen, die sich vor seiner Kamera gleich wohl zu fühlen schienen und ihr Leben auf den Straßen inszenierten, als sei es ein Theater. Den Geist dieser Nation mit der Kamera einzufangen, wurde sein Ziel. Fasziniert vom neorealistischen Film, von Begegnungen mit dem Schriftsteller Alberto Moravia oder dem Maler Carlo Levi und geleitet von seiner jugendlichen Unbekümmertheit machte Barbey mehr als 10.000 Aufnahmen in ganz Italien. Die Serie „Les Italiens“ brachte ihm erste Veröffentlichungen in den großen Magazinen Du und Camera – und mit 25 Jahren die Mitgliedschaft bei Magnum Photos.

Zum Pionier der journalistischen Farbfotografie wurde der Franzose 1966 mit einem Fotoauftrag für Vogue in Brasilien. Begeistert von den intensiven Farben und Kontrasten des Landes arbeitete er dabei erstmals mit Farbfilm, „obwohl die Qualität der Reproduktionen in den Magazinen schlecht war“. Barbey bereiste den Amazonas, fotografierte Menschen und Alltag am Wasser. Weltbekannt sind seine Aufnahmen von fröhlich badenden Kindern in Belém oder das Bild der Jungen, die bei Leticia übermütig in den Fluss springen.

Seinen meisterhaften Umgang mit Farben belegen später vor allem vielfältige Aufnahmen aus Marokko, der Heimat seiner Kindheit. Immer wieder zieht es Barbey in das Land, wo er die ersten zwölf Jahre seines Lebens verbrachte. Der Ruf des Muezzins, der Wellenschlag des Meeres, die Gerüche der Gewürze haben sich tief in seine Erinnerung gegraben, das Blau der Keramik, das Ocker der Wände, das Spiel von Licht und Schatten seine Wahrnehmung geprägt. Und doch sei die Arbeit mit der Kamera in Marokko aus kulturellen Gründen schwierig gewesen, berichtet der Künstler im Gespräch mit der Autorin Carole Naggar in seinem Buch „Passages“ (Edition La Martinière, 2015). Bilder mussten entweder sehr schnell entstehen – oder mit langem Warten: „Marokko bedeutete Jahre Geduld“, so Barbey.

Jahre, in denen der Fotojournalist auf allen fünf Kontinenten unterwegs war. Intuitive Neugier, Offenheit und ein feines Gespür für historische Entwicklungen führten ihn mitten in die Brennpunkte, oft vor anderen Kollegen. Seine Dokumentationen großer politischer Weltereignisse bilden einen Schwerpunkt der Schau im FFF: Sechstagekrieg im Nahen Osten, Vietnamkrieg, die 1968er Studentenunruhen, Polen zur Zeit von Solidarność oder der Irak-Krieg Anfang der 1990er Jahre.

Brennende Ölfelder, Rauchsäulen nach Bombenangriffen: Trotz zahlreicher Kriegsbilder versteht Barbey sich nicht als Kriegsfotograf. “Ich verweigere mich der Ästhetik von Wahnsinn und Schrecken”, schrieb er in einem seiner Bücher. Stattdessen interessierten ihn die Auswirkung von Konflikten auf Zivilisten, vor allem auf Frauen, Kinder und Flüchtlinge. Sie sieht und zeigt er als die wahren Opfer des Krieges – ebenso wie die Kindersoldaten, die er in Afrika, Kambodscha und bei den Palästinensern fotografierte. Als „Chronist des Wandels und einer verletzlichen Welt“, wie es einmal über ihn hieß.

Die Ausstellung „PASSAGES“ illustriert Bruno Barbeys einzigartige Position in der Geschichte der jüngeren Fotografie: Präzise in der Arbeitsweise, poetisch in der Sicht. Seine Bilder berichten von großer Empathie für die Schönheit und die Zerbrechlichkeit des Seins. „Ob bei der Dokumentation des Weltgeschehens oder zeitgenössischen Beobachtungen: Bruno Barbeys künstlerischem Ansatz ist immer eine intuitive und poetische Zeitlosigkeit zueigen“, sagt Celina Lunsford, künstlerische Leiterin des Fotografie Forum Frankfurt, „und das von Beginn seiner Karriere an.“

Als „Rendezvous with history“ hat Barbey seine Arbeit mit der Kamera selbst einmal charakterisiert. Ebenso spürbar ist immer auch sein Rendezvous mit dem Leben.

Das FFF zeigt BRUNO BARBEY „PASSAGES“ in Kooperation mit Bruno Barbey (www.brunobarbey.com) und dem Maison Européenne de la Photographie, Paris. Die Ausstellung ist zugleich Beitrag des FFF zum Ehrengastprogramm „Frankfurt auf Französisch“ der Frankfurter Buchmesse 2017.

Weitere Informationen: www.fffrankfurt.org

Änderungen vorbehalten.

Fotoausstellungen 09 / 2017

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