DONAUREISE. AUF DEN SPUREN VON INGE MORATH

Inge Morath. Österreich. Bei Wien. 1958. © Inge Morath Bildgalerie betrachten Inge Morath
Österreich. Bei Wien. 1958
© Inge Morath

Neun Frauen, acht Länder, ein Fluss: Unter dem Titel DONAUREISE. AUF DEN SPUREN VON INGE MORATH präsentiert das Fotografie Forum Frankfurt noch bis zum 28. Mai 2017 einen fotografischen Roadtrip quer durch Europa. Und es feiert zugleich die Rolle der Frauen in der zeitgenössischen Dokumentarfotografie. Die Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit der Fundación Telefónica Madrid entstanden ist, zeigt mehr als 100 Arbeiten der acht internationalen Fotografinnen Olivia Arthur (GB), Lurdes R. Basolí (E), Kathryn Cook (USA/CH), Jessica Dimmock (USA), Claudia Guadarrama (MEX), Claire Martin (AUS), Emily Schiffer (USA) und Ami Vitale (USA). Alle acht sind Preisträgerinnen des „Inge Morath Awards“, der jährlich von der Magnum Foundation und der Inge Morath Foundation an herausragende junge Fotojournalistinnen vergeben wird. Ergänzt wird die Schau mit Originalfotografien von Inge Morath (1923–2002) selbst.

Die gebürtige Österreicherin gilt als Pionierin des Fotojournalismus. 1951 begann sie ihre Laufbahn als Fotografin, von 1953 bis 1954 arbeitete sie als Assistentin für Henri Cartier-Bresson, 1955 wurde sie als erste Frau Mitglied in der Agentur Magnum Photos. Für ihre Fotodokumentationen, Bücher und Aufträge reiste sie in zahlreiche Länder der Welt – und immer wieder auch an die Donau. 1958 unternahm sie eine erste fotografische Expedition entlang der Donau, scheiterte jedoch am Eisernen Vorhang. Auch später, als sie längst mit ihrem Mann, dem US-Schriftsteller Arthur Miller, in den USA lebte, zog es sie fotografisch immer wieder an »ihre« Donau. Anfang der 1990er Jahre entstanden während verschiedener Aufenthalte auf Einladung der Galerie Fotohof Salzburg einzigartige Aufnahmen vom Fluss und dem Leben an seinen Ufern, auch in den Ländern des ehemaligen Ostblocks.

Moraths Antrieb in all diesen Jahren war die Frage: „Auf wie viele Arten kann man Wasser fotografieren, und was können solche Bilder vermitteln?“ Ihre Antwort: „Ein Fluss hat eine Geschichte, an seine Ufer geschrieben von Generationen von Menschen, die uns im Grunde ihre Geschichten dort hinterlassen haben.“

Moraths Geschichten-Sehnsucht folgten Jahrzehnte später die acht jungen preisgekrönten Fotografinnen, deren Arbeiten nun in Frankfurt zu sehen sind. Ihr Plan: Sich auf den Spuren der großen Wegbereiterin von der Donau inspirieren lassen zu fotojournalistischen Geschichten. Nach Tausenden von E-Mails, stundenlangen Online-Gesprächen und einer Crowd-Funding-Kampagne entstand „Danube revisited. The Inge Morath Truck Project“. Die vier Initiatorinnen des Projekts waren Lurdes R. Basolí, Olivia Arthur, Claire Martin und Emily Schiffer.

2014 ging die Reise los – von der Quelle im Schwarzwald bis zur Mündung ins Schwarze Meer. 34 Tage lang, 2800 Kilometer, 19 Städte. Unterwegs dokumentierten die Fotografinnen ihre Sicht auf Menschen, Natur und Lebensthemen am Fluss. Entstanden sind ganz unterschiedliche fotografische Positionen: dokumentarische, konzeptionelle, interaktive und abstrakte Fotografien, die ein facettenreiches Bild der Kulturregion Donau formen. Auf allen Zwischenstopps wurden Fotografien von Inge Morath gezeigt – in einem Truck, der zur mobilen Galerie umgebaut worden war. Als Flaggschiff der Reise lud er die Menschen da, wo die Bilder einst entstanden waren, zur Neuentdeckung von Moraths Donau-Ansichten ein.

2016 hat Celina Lunsford, künstlerische Leitung des Fotografie Forum Frankfurt, die Arbeiten dieser Donaureise zu einer Ausstellung für die Fundación Telefónica in Madrid kuratiert. Nun kommt die Donau an den Main. Neben allen Werken zeigt in Frankfurt der Film „Diary of a Journey: A tribute to Inge Morath“ Aufnahmen der Reise und Interviews mit den Protagonisten.

„DONAUREISE. AUF DEN SPUREN VON INGE MORATH ist eine Hommage an die Ikone der weiblichen Dokumentarfotografie“, erklärt Kuratorin Celina Lunsford zur Eröffnung in Frankfurt. „Inge Morath hat vielen Bildjournalistinnen den Weg bereitet in diesem bis dahin überwiegend männlich geprägten Bereich der Fotografie.“ Daneben berichtet die Ausstellung in ganz unterschiedlichen Bildsprachen vom Wandel der Zeit und von dem, was bleibt, über alle Zeiten hinweg – an der Donau, in der Fotografie und in der Arbeit als Fotografin. „Die Fotografinnen der Donaureise gehören zur ersten Generation der Digital Natives,“ sagt Celina Lunsford. „Ohne den selbstverständlichen Einsatz des Internets und verschiedener digitaler Kommunikationskanäle hätte dieses Projekt nicht realisiert werden können.“

Weitere Informationen: www.fffrankfurt.org
Änderungen vorbehalten.

Fotoausstellungen 03 / 2017

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