Leica Galerie Wetzlar präsentiert „Leica Oskar Barnack Award 2016 - Gewinner & Finalisten“

© Scarlett Coten, Mectoub Bildgalerie betrachten © Scarlett Coten, Mectoub

Neben den beiden Gewinnerserien der Kategorien „Leica Oskar Barnack Award 2016“ und „Leica Oskar Barnack Award Newcomer 2016“ sind bis zum 11. Juni 2017 zehn Fotoprojekte aus der Finalistenrunde zu sehen, die im Rahmen des traditionsreichen und internationalen Fotowettbewerbs für Berufs- und Nachwuchsfotografen im vergangenen Jahr ausgezeichnet wurden.

Die beeindruckende SerieMectoub“ von Scarlett Coten belegte den ersten Platz in der Kategorie „Leica Oskar Barnack Award 2016“ und beleuchtet die Rollen- und Männlichkeitsbilder in der arabischen Welt. Die Aufnahmen lenken den Blick auf die Brüche zwischen gesellschaftlicher Konformität und individueller Sehnsucht. Aus der Perspektive eines weiblichen Kamerablicks gelang es der Fotografin, sehr direkte Porträts der von ihr fotografierten Männer zu inszenieren. Mit „Mectoub“, einem Wortspiel aus dem arabischen „maktub“, das für das schicksalhafte „Es ist geschrieben, …“ steht, und dem französischen „mec“, das umgangssprachlich freundlich „den Macker“ bezeichnet, gelingt es Coten, das traditionelle Männerbild der arabischen Welt subtil zu hinterfragen.

The Unbearable, the Sadness and the Rest“ ist der Titel des Fotoprojektes von Clémentine Schneidermann, das mit dem „Leica Oskar Barnack Award Newcomer 2016“ ausgezeichnet wurde. Die in Paris geborene Fotografin dokumentiert darin die Lebenssituation in Südwales. Landschaftlich zwar äußerst reizvoll, belasten die Gegend enorme wirtschaftliche und soziale Probleme. Nach dem Ende des Kohlebergbaus stecken die Gemeinden der South Wales Valleys in einer postindustriellen Krise. Das Fotoprojekt zeigt die schwierigen Lebensbedingungen auf und verbindet in sehr ungewöhnlicher Weise die Stilmittel von Dokumentar-, Porträt- und Modefotografie.

Zu den weiteren zehn Fotoprojekten der aktuellen Ausstellung gehören:

Juan Pablo Bellandi, Venezuela: „Chasing HAMPA“

Venezuelas Hauptstadt Caracas hat die höchste Mordrate weltweit. Für die Bewohner des Landes sind Kriminalität und Gewalt trauriger Alltag geworden. Zehn Monate lang hat Juan Pablo Bellandi die Polizei in seiner Heimatstadt Mérida bei ihren lebensgefährlichen Einsätzen begleitet. Mit „Chasing Hampa“ ist eine Serie entstanden, die in starkem Schwarzweiß Schmerz, Angst, Gewalt in Bilder bannt.

Fulvio Bugani, Italien: „Soul y Sombras“

„Soul y Sombras“ – Seele und Schatten. Der Titel der Serie des italienischen Fotografen Fulvio Bugani mag düster klingen, doch seine Bilder vermitteln das Gegenteil: kräftige Farben, helles Licht und entsprechende Schatten – Bilder so kontrastreich wie die kubanische Seele, nach der er gesucht hat.

William Daniels, Frankreich: „C.A.R.“

Seit dem Sturz von Präsident François Bozizé im März 2013 durch die Rebellen-Allianz Séléka versinkt die zentralafrikanische Republik (ZAR) in einem Strudel der Gewalt. Was als Putsch gegen die Regierung begonnen hatte, eskalierte zu einem blutigen Konflikt zwischen Christen und Muslimen. William Daniels hat das Land bereist und dokumentiert in seiner Serie „C.A.R.“ die Zustände vor Ort.

Vincent Delbrouck, Belgien: „New Paintings“

Der belgische Fotograf Vincent Delbrouck versteht sich nicht als Teil der fotojournalistischen Traditionen: Er arbeitet in „Bildarchiven“, in denen er seine Fotografien mit Skizzen und Kollagen kombiniert und so dem archivierten Moment der Erinnerung weitere Ebenen hinzufügt. Wie die Schichten eines Gemäldes bilden sich aus diesen verschiedenen Ebenen die Fragmente und die Widersprüche als lebendiger Prozess, der weit über eine Momentaufnahme hinausweist.

Guillaume Herbaut, Frankreich: „Ukraine: Maidan to Donbass“

Zwischen 2014 und 2016 verfolgte Guillaume Herbaut die Auseinandersetzungen in der Ukraine, ein Land, das er seit 15 Jahren bereist. Sein Bilderzyklus zeigt das marode Innenleben eines Staates und dessen Konstitution zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Stéphane Lavoué, Frankreich: „The North East Kingdom“

Vor fünf Jahren entdeckte der französische Fotograf Stéphane Lavoué eine besondere Landschaft in den USA: das Northeast Kingdom. Es liegt im Bundesstaat Vermont und bezaubert durch seine raue Wildheit. Ein König herrscht dort zwar nicht, dafür haben sich aber Menschen eines ganz eigenen Schlags in dem kleinen Königreich niedergelassen.

Max Pinckers, Belgien: „Two Kinds of Memory and Memory itself“

Der belgische Fotograf porträtiert in seiner Serie Japan – auf der Suche nach dem Bekannten entdeckte er, dass sich wenig aus der kollektiven Wahrnehmung des Westens im wahren Alltag Japans wiederfand. So kreierte Pinckers eigenwillige Momente zwischen Inszenierung und Klischee und entwarf sein persönliches zeitgenössisches Japanbild.

Giulio Piscitelli, Italien: „Informal facilities in the Jungle“

In seiner Bildserie „Informal facilities in the Jungle“ hat Giulio Piscitelli „Calais“ abgelichtet. Die Stadt in Frankreich beherbergt eines der größten Flüchtlingscamps in Europa. Was einst als Übergangslösung fungieren sollte, ist zu einer dauerhaften Realität geworden – einer Flüchtlingsunterkunft mit Geschäften, Bars, Restaurants und einer Moschee – sozusagen zu der Realität einer dauerhaften Krise.

Sadegh Souri, Iran: „Waiting Girls“

Bereits im Alter von neun Jahren können Kinder im Iran für Verbrechen wie Mord, Drogenhandel oder bewaffnete Raubüberfälle zum Tode verurteilt werden. Die Kinder sitzen in Jugendstrafanstalten ein – nach Erreichen des 18. Lebensjahrs werden sie je nach Schwere des Verbrechens freigelassen oder gehängt. Die Bildserie „Waiting Girls“ von Sadegh Souri zeigt junge, zum Tode verurteilte Mädchen in einem Gefängnis in Teheran – Zeugnisse einer unzumutbaren Situation in hartem Schwarzweiß.

Esther Teichmann, Deutschland: „Mondschwimmen“

Esther Teichmann erzählt in ihrer Arbeit von der Sehnsucht nach dem Paradies und einer Rückkehr zum Ursprünglichen. Teichmanns utopische Inselwelt liegt irgendwo zwischen den schwarzen und blauen Meeren, dem Hier und Jetzt, und der Fantasie, wo man hingehen könnte oder vielleicht schon gewesen ist.

Weitere Informationen: leica-camera.com

Änderungen vorbehalten.

Fotoausstellungen 04 / 2017

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