LIFE IN THE BUBBLE - Die Zerbrechlichkeit unseres Alltags in der Videokunst

Pernilla Zetterman, Exercise No 4, 2013 Bildgalerie betrachten Pernilla Zetterman, Exercise No 4, 2013

Das Alltagsleben der Menschen wird von individuell geschaffenen „Lebens-Blasen“ bestimmt, in der jeder im Kontext zu seinem gewünschten sozialen Umfeld steht und sich dabei mit ähnlich denkenden und handelnden Personen verbündet – besonders deutlich wird das bei der Auswahl der Freunde, ob in realer oder virtueller Welt. In unserer globaler werdenden Gesellschaft wird dieser vermeintlich geschützte Raum immer stärker von außen bedroht und es kommen Ängste auf, die zu Verhaltensänderungen führen.

Mit der Ausstellung „LIFE IN THE BUBBLE“ in der Grundemark Nilsson Gallery in Berlin setzen sich neun internationale Video-Künstler – Yvon Chabrowski, Olivier Cheval, Björn Drenkwitz, Clare Langan, Martin Mlecko, Daragh Reeves, Julia Charlotte Richter, Annegret Soltau, Pernilla Zetterman – in zwölf Werken mit diesem gesellschaftlichen Phänomen aus unterschiedlichen Perspektiven und auf verschiedenen Meta-Ebenen auseinander: Angst als Herausforderung für den geschützten Raum des Einzelnen. Die Ausstellung ist bis zum 4. März 2017 zu sehen.

Eine „Bubble“ konstituiert sich seit der Geburt durch unser nächstes Umfeld (wie etwa die eigene Familie), durch äußere Umstände (wie unsere Bildung, unseren Beruf) und durch die (Sozialen-) Medien. (Vgl. Yvon Chabrowski, An Interview With H.R.H The Princess Of Wales, 2008). Gleichzeitig erfordert die Gesellschaft, dass sich jeder im Verlaufe seines Lebens von einer „Bubble“ in die nächste bewegt und in diesen funktioniert. (Vgl. Julia Charlotte Richter, Promised Land I, 2013).

Nur ein Thema, das wir in diesen Blasen nicht ausklammern können, ist die Angst, die von außen einwirkt. Was passiert, wenn wir auf ewig in unserem Umfeld gefangen bleiben? (Vgl. Pernilla Zettermann, Exercise No 4“, 2013) Ist ein Ausbrechen überhaupt möglich? (Vgl. Martin Mlecko, Die Unzertrennlichen, 2004) Was wenn wir plötzlich um unsere persönliche, eigens konstruierte „Bubble“ fürchten müssen? Das Zerplatzen unserer „Bubbles“ und der damit verbundenen Strukturen, Ziele und Träume, ist eine der schlimmsten und massivsten Ängste des Menschen. (Vgl. Julia Charlotte Richter, Promised Land II, 2013) Unsere Blasen bilden dadurch ein paradoxes Konstrukt, in dem der Mensch einerseits verbleiben, aber anderseits diesem auch entkommen möchte.

Angst spielt in unserem Alltagsleben und in der globalen Gesellschaft eine große und wichtige Rolle. Dabei kommt Angst, ein überwiegend unangenehmes, beunruhigendes Gefühl, in vielen Formen und Varianten vor. Vor allem in der heutigen Welt, die zunehmend von Terror, Krieg und Tod durchdrungen ist, haben wir Menschen Angst, ob real oder irreal. Doch Angst kann auch ein schönes und motivierendes Gefühl sein, das uns animiert, unter Druck weiterzuarbeiten oder Energie freisetzt, um beispielsweise ein Scheitern zu verhindern. Unsere Blasen können in diesem Zusammenhang ein Refugium, ein sicherer Rückzugsort sein. Sie können uns beschützen oder gar abschotten, uns aber auch gefangen halten. “Our world is a lot less painful then the real world.” (Aus dem Film Nocturnal Animals, 2016)

Über die Galerie:

Grundemark Nilsson Gallery wurde 2007 in Stockholm, Schweden gegründet und ist seit 2010 auch in Berlin vertreten. Die Galerie bietet ein vielfältiges und internationales Portfolio mit besonderem Schwerpunkt auf der neuen Generation foto- und videobasierter Gegenwartskünstler aus Nordeuropa. Das Ausstellungsprogramm wird durch Buchveröffentlichungen, Künstlergespräche und Portfolio-Rezensionen erweitert. Grundemark Nilsson Gallery präsentiert sich außerdem auf internationalen Kunstmessen u.a. in Basel, Paris und New York.

Die Ausstellung ist eine Kooperation mit Galerie Anita Beckers, Frankfurt am Main.

Weitere Informationen: www.grundemarknilsson.se

Änderungen vorbehalten.

Fotoausstellungen 01 / 2017

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