Lothar Wolleh - Portraits international bekannter Künstler

Lothar Wolleh: Heinz Mack © Oliver Wolleh, Berlin Bildgalerie betrachten Lothar Wolleh: Heinz Mack
© Oliver Wolleh, Berlin

Noch bis zum 18. März 2017 ist in der galerie ruth leuchter in Düsseldorf die Fotoausstellung „Portraits international bekannter Künstler“, mit 50 Werken von Lothar Wolleh zu sehen. Highlights sind u. a. ein Block mit 16 Arbeiten über die kaum dokumentierte Beuys Aktion “Filz-TV” und einige selten gezeigte Porträts von Man Ray und René Magritte, die kurz vor dessen Tod entstanden. Kuratiert wird die Ausstellung von Dr. Oliver Wolleh, dem Sohn und Nachlassverwalter des Fotografen, in Zusammenarbeit mit Ruth Leuchter.

Wolleh gilt als Chronist der Düsseldorfer Kunstszene der 1960er- und 1970er-Jahre. Auf Anregung seines Freundes Günther Uecker arbeitete er seit 1967 an einem Atlas der zeitgenössischen Künstlerszene. Frei, aus eigenem Antrieb und ohne Auftrag, fotografierte er zunächst die mit ihm bekannten Künstler des Düsseldorfer Kunstbetriebs, darunter u. a. Uecker selbst, Joseph Beuys, Heinz Mack, Otto Piene und Gerhard Richter, bevor er die Grenzen des Rheinlands hinter sich ließ und sein Projekt auf ganz Europa ausdehnte. Mehr als 100 Maler, Bildhauer und Aktionskünstler setzte Wolleh in Szene, bis das Vorhaben 1979 mit seinem plötzlichen und frühen Tod abrupt endete. Entstanden waren bis dahin Aufnahmen von Georg Baselitz, Joseph Beuys, Lucio Fontana, René Magritte, Henry Moore, Man Ray und vielen weiteren.

Ab 1962 lebte und arbeitete der gebürtige Berliner Wolleh in Düsseldorf. Als Freelancer der renommierten Düsseldorfer Agentur TEAM machte er sich schnell einen Namen in der Werbefotografie und avancierte mit Kampagnen u. a. für die Deutsche Bahn und Volkswagen zu einem der bestbezahlten Fotografen der Bundesrepublik. 1965 porträtierte er Ludwig Erhard für die Kampagne zur Bundestagswahl, bevor er sich weitgehend aus der kommerziellen Fotografie zurückzog, um sich ganz seinen eigenen Projekten zu widmen. Die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Künstlern bestimmten seit dieser Zeit seine Arbeit, in der Folge entstanden zahlreiche Künstlerbücher und Editionen, aber auch Reportagen wie “Das Konzil” über das II. Vatikanische Konzil (1965) oder der Bildband “UdSSR – Der Sowjetstaat und seine Menschen” (1970).

Sowohl die Erfahrungen als Werbefotograf als auch die “subjektive fotografie” seines Lehrers Otto Steinert an der Folkwangschule Essen führten zu Wollehs unverwechselbarer Handschrift. Das stets quadratische Bildformat, den integrierten schwarzen Negativrand und den Verzicht auf Blitzlicht inklusive der daraus resultierenden Bewegungsunschärfe machte Wolleh zu seinem Markenzeichen. Fast ausnahmslos arbeitete er in Schwarz-Weiß. Präzise konzipierte und inszenierte er seine Arbeiten, um einen sachlichen, authentischen Wirklichkeitsausschnitt zu erreichen.

Jeder Aufnahme ging eine intensive Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Künstler und dessen Werk voraus. Wolleh versuchte, so Uecker, “in das künstlerische Werk jedes einzelnen, dem er sich zuwandte, einzudringen, es sich vorstellbar zu machen, es zu neuen Extremen zu führen”. So fotografierte er die Künstler umgeben von ihren Arbeiten und integrierte doch seine ganz eigenen Ideen in das Portrait. In dem in der Ausstellung gezeigten dreiteiligen Portrait von Gerhard Richter wird der Maler selbst durch die von Wolleh gewählte lange Verschlusszeit Teil der eigenen Arbeit, er verschmilzt förmlich mit seiner großformatigen Leinwand.

Die entstandenen Charakterstudien mit ihrem klaren und oftmals streng symmetrischen Bildaufbau sind Kunst und Dokumentation gleichermaßen und zeugen zudem von einer Freundschaft auf Augenhöhe zwischen den Künstlern und ihrem selbstbewussten Fotografen. “Wolleh besaß die unheimliche Fähigkeit, Dingzusammenhänge wahrzunehmen. Er war, mit großer Intuition ausgestattet, eine Art Schatzsucher”, sollte Beuys später urteilen. Zwei Mal ließ er sich von Wolleh bei der Arbeit begleiten, Teile beider Serien sind in der Ausstellung zu sehen.

Weitere Informationen: www.ruthleuchter.de

Fotoausstellungen 02 / 2017

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