Michael Runkel - Reisen zu den Enden der Welt

Sing Sing Fest, Enga, Papua Neuguinea © Michael Runkel
Sing Sing Fest, Enga, Papua Neuguinea © Michael Runkel

Noch bis zum 1. Juli 2018 ist im Museum Industriekultur in Nürnberg die Fotoausstellung „Reisen zu den Enden der Welt“ mit Werken des Fotografen Michael Runkel zu sehen. Seit 30 Jahren reist der Fotograf um die Welt, von den Gletschern im hohen Norden bis zu den Eismassen am Südende des Planeten, von den heißen Wüsten bis zu den feuchten Urwäldern am Äquator, von abgelegenen Inseln im Südpazifik hinein in Europas Metropolen. Ursprünglich hatte der gebürtige Nürnberger gar nicht vor, die ganze Welt zu bereisen. Doch je öfter Michael Runkel unterwegs war, desto deutlicher wurde ihm bewusst, dass viele der schönsten, interessantesten und aufregendsten Orte jenseits der ausgetretenen Touristenpfade zu finden sind. Orte, die kaum bekannt sind, (noch) nicht im Fokus der allgemeinen Aufmerksamkeit stehen, die teils abgeschieden und relativ unzugänglich in den entferntesten Winkeln der Erde oder in politisch instabilen Regionen liegen und deshalb nur von wenigen Fremden besucht werden.

Himba Mädchen, Namibia © Michael Runkel
Himba Mädchen, Namibia © Michael Runkel

Michael Runkel besuchte über 1.000 Provinzen

Seit 1988 besuchte Michael Runkel alle Länder dieser Welt und mehr als 1.000 von weltweit insgesamt 1285 Provinzen. Damit gehört er laut Nomad Mania, einem Verbund von zahlreichen Extrem- und Vielreisenden, derzeit zu den zehn meistgereisten Menschen der Welt. Das Reisen beinhaltet für den Fotografen jedoch nicht nur eine geografische, sondern auch eine zeitliche Komponente: “In den letzten Jahrzehnten konnte ich auf meinen Fahrten beobachten, wie ökologische, technische, politische und wirtschaftliche Entwicklungen unsere Welt drastisch verändert haben – zum Guten wie auch zum Schlechten. So sind beispielsweise unsere Ozeane dramatisch leergefischt, und zahllose Menschen haben dadurch ihre Lebensgrundlage verloren”, berichtet Michael Runkel. Andererseits nimmt er vor allem in Asien zum Teil erstaunlich positive Veränderungen wahr. Nach der Rückkehr von seiner ersten Indienreise 1991 war er noch der festen Überzeugung, die Menschheit werde bald untergehen. Das Elend dort überwältigte ihn, Unzählige lebten unter entsetzlichen Bedingungen, angefangen bei den katastrophalen sanitären Einrichtungen bis hin zur teils drangvollen Enge. Seitdem war Michael Runkel sieben Mal in Indien, und stellte zusehends positive Veränderungen fest: “Ohne die noch immer schwierige Situation auf dem Subkontinent beschönigen zu wollen: “Auf jeder Reise sah ich weniger Leid und Armut, dafür vielerorts wesentlich verbesserte Lebensverhältnisse”.

Danakil-Senke, Äthiopien © Michael Runkel
Danakil-Senke, Äthiopien © Michael Runkel

Er erzählt von ähnlich positiven Entwicklungen in vielen anderen Ländern rund um den Globus, mit Ausnahme des afrikanischen Kontinents. Dort hat sich die Situation, einige wenige Regionen ausgenommen, aus seiner Sicht in den letzten Jahrzehnten eher verschlechtert. Zu sehr verhinderten Bürgerkriege und ethnische Konflikte, ökologische Katastrophen, Bevölkerungswachstum und die allgegenwärtige Korruption eine Veränderung zum Besseren. “Und nicht zuletzt spielt dabei die Ausbeutung durch die heimischen Eliten eine entscheidende Rolle. Diese werden zudem von westlichen Industrienationen, aber auch von China in ihrer Position gestärkt, indem sie die Rohstoffe der afrikanischen Länder abbauen, ohne dass die Mehrheit der Menschen am Gewinn partizipieren kann”, so der Fotograf.

Berbera © Michael Runkel
Berbera © Michael Runkel

Ausstellungsbesucher gehen auf Weltreise

Die Ausstellung nimmt den Besucher auf vielen Wegen mit zu den unterschiedlichsten Zielen weltweit. Sie folgt damit jenen 7 “Destinationen”, die schon im kürzlich erschienenen Bildband „Meine Reisen an die Enden der Welt. Geschichten eines Globetrotters“ den Rahmen bilden für eine kaum zu fassende Fülle an atemberaubenden Eindrücken: Ewiges Eis, Adrenalin, Gestrandet, Verwurzelt, Versandet, Ostwärts und Hoch hinaus, heißt es da. Gemeint sind Ziele wie die Dächer der Welt, endlose Wüsten, tiefste Dschungel, einzigartige Naturphänomene und kulturelle Hinterlassenschaften, einsame Eis- und Inselwelten oder die gefährlichsten Orte des Planeten. Darüber hinaus ist ein eigener Ausstellungsbereich den Menschen gewidmet, denen der Globetrotter auf seinen zahlreichen Trips um die Welt begegnet ist. Seine Portraits sind ein bildgewordenes Plädoyer für Respekt und Bewunderung gegenüber der Schönheit der Erde und der Vielfalt ihrer Kulturen.

Virunga National Park Congo © Michael Runkel
Virunga National Park Congo © Michael Runkel

Weitere Informationen: www.museum-industriekultur.de

Fotoausstellungen 04 / 2018

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