Regina Schmeken - Blutiger Boden - Tatorte des NSU

Noch bis zum 14. Oktober 2018 ist in der Rathausgalerie Kunsthalle, München, die Fotoausstellung „Blutiger Boden – Tatorte des NSU“ der Fotografin Regina Schmeken zu sehen. “Das Beklemmendste an diesen Fotografien ist, dass auf ihnen weder die Mörder noch die Mordopfer zu sehen sind. An Schmekens Aufnahmen wirkt gerade das Unauffällige, Banale und Gewöhnliche unheimlich.” (Hans Magnus Enzensberger)

Theodoros Boulgaridis (41), 15.06. 2005, München, Trappentreustraße © Regina Schmeken, 2015
Theodoros Boulgaridis (41), 15.06. 2005, München, Trappentreustraße © Regina Schmeken, 2015

Als Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) bezeichnete sich eine rechtsextreme terroristische Vereinigung. Innerhalb von sieben Jahren ermordeten Mitglieder des NSU zehn Menschen in verschiedenen deutschen Städten. Die Getöteten waren neun Männer türkischer und griechischer Herkunft, die in Deutschland lebten und arbeiteten, sowie eine Polizistin. Weitere Menschen wurden bei zwei Sprengstoffanschlägen des NSU zum Teil schwer verletzt. Am 4. November 2011 wurde die Gruppe aufgedeckt. Angehörige der Mordopfer, Betroffene der Anschläge und die Öffentlichkeit erfuhren erstmals von der Existenz des NSU.

Mehmet Turgut (25), 25.02. 2004, Rostock, Neudierkower Weg © Regina Schmeken, 2013
Mehmet Turgut (25), 25.02. 2004, Rostock, Neudierkower Weg © Regina Schmeken, 2013

Die großformatigen Schwarzweißaufnahmen Regina Schmekens nehmen uns mit an die Tatorte. Sie zeigen die verstörende Normalität der Schauplätze von Hass und Gewalt inmitten deutscher Städte. Der Ausstellungstitel bezieht sich auf diese Orte, aber auch auf die nationalsozialistische Propagandaformel “Blut und Boden” und damit auf die Überzeugung der Nationalsozialisten, dass sich ein “gesunder Staat” auf der Einheit von Volk und Boden gründet. Die Verbrecher des NSU beriefen sich auf diese Ideologie und hielten sich für berechtigt, Menschen zu töten.

Enver Şimşek (38), 09.09.2000, Nürnberg, Liegnitzer Straße © Regina Schmeken, 2015
Enver Şimşek (38), 09.09.2000, Nürnberg, Liegnitzer Straße © Regina Schmeken, 2015

Die Ausstellung versucht das Ungeheuerliche der Taten zu reflektieren und macht deutlich: Die Attentate waren nicht allein Angriffe auf unsere Mitbürger, es waren Angriffe auf universelle Menschenrechte und damit auf unsere gesamte Gesellschaft. Nachdem die Fotoarbeiten in 2016 im Militärhistorischen Museum in Dresden und in Berlin in 2017 im Martin-Gropius-Bau zu sehen war, ist die Rathausgalerie Kunsthalle München die erste Station in einer Stadt in der der NSU zwei Menschen ermordete, 2001 Habil Kiliç und Theodoros Boulgaridis in 2005.

22 Verletzte und Schwerverletze, 09.06.2004, Köln, Keupstraße © Regina Schmeken, 2015
22 Verletzte und Schwerverletze, 09.06.2004, Köln, Keupstraße © Regina Schmeken, 2015

Regina Schmeken, geboren 1955, fotografiert seit Mitte der siebziger Jahre. Seit 1980 werden ihre Fotografien ausgestellt. Sie erhielt nationale und internationale Auszeichnungen, u.a. den Dr.-Erich-Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie, sowie den “Prix de la Critique” der Rencontres Internationales de la Photographie in Arles. Schmeken gehört zu den renommiertesten deutschen Fotografinnen der Gegenwart.

Weitere Informationen: www.muenchen.de/rathausgalerie

Änderungen vorbehalten.

Fotoausstellungen 08 / 2018

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