Robert Lebeck - Romy in Quiberon, 1981

Weit mehr als das sensible Porträt einer großen Schauspielerin

Bilderbogen zu einer deutschen Nachkriegsgeschichte

© Robert Lebeck: 'Romy', Quiberon 1981 Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST
© Robert Lebeck: ‘Romy’, Quiberon 1981
Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

Noch bis zum 11. Juni 2018 präsentiert Johanna Breede PHOTOKUNST in Berlin die Fotoausstellung „Romy in Quiberon (1981)“ mit Werken von Robert Lebeck. Eine Frau. Ein Mann. Ein Hotel. Eine Landschaft. Es ist Anfang April 1981. Im französischen Seebad Quiberon, einer verschlafenen Hafenstadt auf einer Halbinsel im Atlantik, trifft Romy Schneider den Fotografen Robert Lebeck. Sie scheinen sich seit langem zu kennen. Er hat sie portraitiert. Vor Jahren schon. Es wird nicht das letzte Mal sein, dass die beiden aufeinandertreffen. Doch nirgendwo mehr wird es intensiver als hier: Quiberon. April 1981.

© Robert Lebeck: 'Romy', Quiberon 1981 Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST
© Robert Lebeck: ‘Romy’, Quiberon 1981
Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

Quiberon. Eine schroffe Landschaft zwischen steilen Felsen und rauem Meer. Robert Lebeck fotografiert sie, wie sie über Klippen springt. Ein Kinderspiel. Leicht sieht es aus und unverkrampft: Einen Fuß stellt sie in die Leere des Raumes, einen anderen auf harten Grund. Wenige Tage später schon werden diese Aufnahmen im Magazin Stern erscheinen; dazu ein Interview mit Michael Jürgs – damals Chef-Reporter am sogenannten Hamburger “Affenfelsen”, später Romy Schneiders wichtigster Biograph.

© Robert Lebeck: 'Romy' Quiberon 1981 Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST
© Robert Lebeck: ‘Romy’ Quiberon 1981
Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

Es ist die Geschichte einer Krise. In ihr redet Romy Schneider über das “was sie bedrückt, krank macht und voller Hilflosigkeit zur Flasche greifen lässt.” So zumindest wird es in Jürgs Text zu lesen sein – in einem Interview zu einer historischen Begegnung. Derart tragisch, verworren und intensiv nämlich müssen diese Tage in der Bretagne gewesen sein, dass sie die Filmemacherin Emily Atef jüngst zu dem Spielfilm “3 Tage in Quiberon” inspiriert haben. Es ist die kurze Geschichte eines langsamen Abschieds. Eine Verdichtung über Vorahnungen, Rückblicke und Photographien, die auf immer unvergessen bleiben werden.

© Robert Lebeck: 'Romy tanzend mit Barde Glenmor', Quiberon 1981 Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST
© Robert Lebeck: ‘Romy tanzend mit Barde Glenmor’, Quiberon 1981
Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

Unter dem Titel “Romy in Quiberon” wird die Ausstellung ca. 25 schwarzweiße Aufnahmen über das Leben und Sterben einer Legende vereinen: Romy Schneider. Das ewige Rätsel. Kaum jemand hat das vielschichtige und wechselhafte Wesen dieser wohl wichtigsten deutschen Nachkriegsschauspielerin derart tiefgründig in Bilder übersetzt wie der unvergessen Stern-Fotograf Robert Lebeck – kein Regisseur, kein Kameramann, nicht einmal die vielen Ehemänner und Liebhaber. Denn mit diesen ungemein ehrlichen Fotografien aus Quiberon hat es Lebeck geschafft, weit hinter die zerbrechliche Fassade eines Mythos zu blicken. Zwar streift seine Kamera gelegentlich auch das mädchenhafte und unschuldige Lächeln, auf das die einstige Sissi-Darstellerin ihren Ruhm aufgebaut hat; dahinter aber macht Lebeck verborgene Ängste, menschliche Abgründe sowie eine unnachahmliche Sinnlichkeit sichtbar. Es ist diese Vielschichtigkeit, die das Gesicht Romy Schneiders zur Projektionsfläche einer ganzen Generation werden ließ. Und so ist „Romy in Quiberon, 1981“ weit mehr als das sensible Porträt einer großen Schauspielerin; es ist der Bilderbogen zu einer deutschen Nachkriegsgeschichte: einer über hochgelobte Prinzessinnen, verfolgte Hexen und über das unerträgliche Zerreißen dazwischen.

© Robert Lebeck: 'Romy & Bob', Quiberon 1981 Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST
© Robert Lebeck: ‘Romy & Bob’, Quiberon 1981
Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

Gut ein Jahr später schon wird sie tot sein. “Herzversagen” wird in ihrem Totenschein stehen. Romy Schneider: Die Tragische. Die, die über Jahrzehnte zu den erfolgreichsten Darstellerinnen Europas zählte, und die dennoch das Unglück anzog wie der Mond die Gezeiten.

Weitere Informationen: www.johanna-breede.com

Fotoausstellungen 04 / 2018

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