ROCK.FUNK.PUNK.

Hayley Williams, Paramore, bei Rock im Park, Nürnberg 2013 © Felix und Günter Pfannmüller Bildgalerie betrachten Hayley Williams, Paramore, bei Rock im Park, Nürnberg 2013

Noch bis zum 27. August lassen mehr als 150 Arbeiten von zehn internationalen Fotografen im Fotografie Forum Frankfurt die Zeit von Rock, Funk und Punk lebendig werden. Außerdem zu sehen sind Plattencover, Fotografien von Fashion-Statements und Publikationen der Zeit.

Emotionen, Eskapaden, Exzesse: Mehr als 150 Fotografien, Plattencover und Fanzines lassen im Fotografie Forum Frankfurt (FFF) das Lebensgefühl und die Wirkungsgeschichte der drei titelgebenden Musikgenres ROCK.FUNK.PUNK. gegenwärtig werden. Präsentiert werden Arbeiten von zehn international renommierten Fotografen, entstanden seit den späten 1960er Jahren bis heute. Die Bilder zeigen berühmte Clubs und Bühnen, von der alternativen Punk-Club Szene San Franciscos in den 1970er Jahren bis zu „Rock am Ring“, dem alljährlichen Open-Air-Festival am Nürburgring. Und sie zeigen die Akteure. Dem Betrachter begegnen mehr als 100 Ikonen der Musikgeschichte, darunter Iggy Pop, Janis Joplin, David Bowie, Dead Kennedys, The Rolling Stones, Motörhead, Coldplay, Beth Ditto, Jay Z, Deichkind, Udo Lindenberg und die Toten Hosen.

Die Bands und Musiker sind on stage zu sehen, in teilweise weltberühmten Posen, aber auch backstage, intim und unmittelbar. Ob farbiger Rauch, jubelnde Massen, Glamour oder Ekstase der Stars: „Diese Fotografien vermitteln die Intensität der Musikszene“, sagt Celina Lunsford, künstlerische Leiterin des FFF und Kuratorin der Schau. „Und sie vermitteln das Erlebnis, das uns die Musiker bieten: Leidenschaft und die Freiheit, sie zu leben.“

Die Bilder in ROCK.FUNK.PUNK. gehen gleichsam ins Ohr und unter die Haut: Die Arbeiten bestechen durch extreme Emotion und dichte Atmosphäre. Die Ekstase auf der Bühne, das Kreischen der Groupies, die Leidenschaft der Fans werden spürbar, ebenso Verletzlichkeit und Brüchigkeit hinter der Glamour-Fassade. Das Rohe, Intuitive und Unperfekte des Punk illustrieren typische Fanzine-Publikationen. Ein Teil der Fotografien sind auf Affichenpapier direkt auf die Wand plakatiert, wie einst die Selfmade-Poster der Punks an Bauzäune oder Häuserwände. Dazu bietet die Ausstellung eine Auswahl von Plattencovern aus Privatsammlungen. Und natürlich Musik.

Die zehn Fotografen der Schau ROCK.FUNK.PUNK. unterscheiden sich durch Stil und Bildsprache. Zugleich lassen ihre Arbeiten erkennen, wer sie waren, was sie interessierte und was sie mit ihren Bildern einfangen wollten.

Stanley Greene, der am 19. Mai 2017 im Alter von 68 Jahren gestorben ist, zog es nach seinem Fotografie-Studium in New York ans San Francisco Art Institute, den Mittelpunkt der gerade entstehenden Punk-Szene. Greene, der sich früh politisch engagiert hatte, war fasziniert von der Andersartigkeit dieser Protestbewegung. “This white noise, it just grabbed me and wouldn’t let me loose”, sagt der Gründer der Fotoagentur NOOR in seinem Buch „The Western Front“ (2013). In ROCK.FUNK.PUNK. zeigen seine Bilder die Mischung aus Kunst, Musik und Performance, die den Punk und seine Provokation ausmachten. „Es waren vor allem Stanleys Greenes Arbeiten, die mich zu dieser Ausstellung inspirierten“, sagt Celina Lunsford.

Mit Gespür für den Moment hielt die deutsche Fotografin Barbara Klemm als junge Pressefotografin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) das „verrückteste Konzert“ ihres Lebens fest, als Janis Joplin in einer Nacht und auf einer Bühne praktisch zwei Konzerte gab – aus Liebe zu ihren Fans und zu ihrem Tequila. Klemm fotografierte in den 1970/80er Jahren eine Vielzahl weltberühmter Rockstars bei Konzerten in Frankfurt, darunter Mick Jagger, Tina Turner, Bob Dylan und Joe Cocker. Außerdem dokumentierte sie das Nightlife in den legendären Frankfurter Clubs Dorian Gray und Omen.

Die Vintage-Fotografien des niederländischen Fotografen Gijsbert Hanekroot entstanden vor der Kommerzialisierung der Musikindustrie, ohne Barrieren wie Body Guards oder Bühnenabsperrungen. Hanekroots Studioaufnahmen, Konzertbilder und Schwarz-Weiß-Porträts von Frank Zappa, David Bowie oder Neil Young faszinieren durch ihre Direktheit und ihre große Nähe zu den Stars.

Daneben präsentiert ROCK.FUNK.PUNK. zwei neue, sehr unterschiedliche Serien. Der spanische Fotograf Pep Bonet, Mitglied der Fotografen-Gruppe NOOR (Amsterdam) bekam 2008 vom Musikmagazin “Rolling Stone” den Auftrag, eine Band seiner Wahl fotografisch zu begleiten – und damit die Chance, mit seiner langjährigen Lieblingsband Motörhead während ihrer Welttourneen zu reisen. Die Frankfurter Günter & Felix Pfannmüller erhielten von der Konzertagentur Lieberberg, Organisator von „Rock am Ring“ den Auftrag, das Musikfestival kontinuierlich zu fotografieren. Seit 2009 haben Vater und Sohn Pfannmüller hunderte Bands, zehntausende Fans und den Alltag hinter den Kulissen des weltberühmten Spektakels in Fotos festgehalten und in dem Buch „25 Jahre Rock am Ring“ (2011) publiziert. Ihre Arbeiten vermitteln die Begeisterung der Musiker, des Publikums – und nicht minder der beiden Fotografen.

Wie sehr Rock, Funk und Punk auch Kleidungsstil und Identität der Fans prägten, zeigen insbesondere die Arbeiten der US-amerikanischen Fotografin Susan Barnett. Ihre Fotos zeigen Fashion-Statements von Musik-Fans: textile Bekenntnisse zu ihren Idolen und zur Welt der Bühne – zur Schau getragen auf dem Rücken ihrer T-Shirts. Fotograf Michael L. Abramson verbrachte seine Nächte in Chicagos Blues-, R&B- und Funk-Clubs und dokumentierte die Szene in Chicago-South mit Aufnahmen von Tänzern, Sängern und ihrer Mode. Der britische Fotograf Derek Ridgers gilt mit seinem Buch „London Youth 1978–87“ als maßgeblicher Chronist des Punk und seiner stilprägenden Wirkung auf die Jugend in Großbritannien. Auch seine eigene erfolgreiche Modefotografie ist bis heute stilistisch von der Punk-Zeit beeinflusst.

Zwei Lichtgestalten des Rock vervollständigen die FFF-Show im Bild: John Lennon, großformatig porträtiert von seinem Freund Bob Gruen, und Nirvana-Frontman Kurt Cobain, verewigt vom fotografischen Multitalent Anton Corbijn.

Weitere Informationen: www.fffrankfurt.org

Änderungen vorbehalten.

Fotoausstellungen 06 / 2017

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