THOMAS WREDE - MODELL LANDSCHAFT. FOTOGRAFIE

Thomas Wrede, Drive-In Theatre Bildgalerie betrachten Thomas Wrede: Drive-In Theatre, 2009, C-Print, aus der Serie: Real Landcapes ©VG-Bildkunst, Bonn 2017

Das Museum Sinclair-Haus in 61348 Bad Homburg präsentiert noch bis zum 5. Juni 2017 die FotoausstellungMODELL LANDSCHAFT. FOTOGRAFIE“ mit Fotoarbeiten von Thomas Wrede. Hierbei handelt es sich um die erste umfassende Werkübersicht, die mit Fotografien von den frühen 1990er Jahren bis zu den aktuellen Werkgruppen erstmals die Zusammenhänge und künstlerischen Entwicklungen der Arbeiten von Thomas Wrede dokumentiert. Sein Ausgangspunkt ist dabei immer wieder die Sehnsucht nach der Natur und die Frage nach ihrer medialen Vermittlung und ihrem Abbild.

Auf der dänischen Insel Samsø entstehen Anfang der 1990er Jahre Fotografien einer sterbenden Landschaft, deren Oberfläche von landwirtschaftlich genutzten Kunststoffbahnen entstellt wurde. Wrede zeigt hier gleichermaßen das Hässliche und das Pittoreske dieser von Plastikfolien durchwirkten Landschaft. 1994 hält er in großformatigen Schwarz-Weiß-Arbeiten die Abdrücke des Aufpralls von Vögeln auf Fensterscheiben fest, die wie Geister zwischen dem Hier und dem Jenseits, zwischen dem Moment und der Unendlichkeit zu schweben scheinen.

Schließlich beginnt Wrede zunehmend die Grenze zwischen Abbild und Wirklichkeit zu suchen. Die Welt wird in seinem Werk mehr und mehr als eine Art Modellbausatz wiedergegeben, als eine große Inszenierung im kleinen Maßstab, zwischen Idyll und Katastrophe.

In seinen “Real Landscapes” werden etwa Spielzeugautos und kleine Modellhäuser auf den Stränden der Nordseeinseln und Sandgruben so platziert, dass aus einer Pfütze ein See und aus einem Erdhaufen ein Gebirge entsteht. Die fotografische Täuschung seiner Scheinwelten wird nicht durch digitale Bearbeitung, sondern durch das Fehlen von Größenverhältnissen in der realen Landschaft hervorgerufen.

In weiteren fotografischen Serien zeigt Thomas Wrede den Versuch des Menschen, in Freizeitparks „realistische“ Landschaften zu bauen und alltäglichem Wohnraum durch Naturtapeten Weite zu geben. Die “Seascapes” schließlich, Fotografien von sommerlichen Strandszenen, wirken irritierend inszeniert und unwirklicher als die „Real Landscapes“. Und genau durch dieses verwirrende Wechselspiel von “Schein” und “Sein” weist Thomas Wrede mit seinem Werk sukzessive darauf hin, dass unser stets individuelles Bild von der Realität letztlich von der jeweiligen Perspektive abhängt.

Thomas Wrede (geb. 1963) studierte an der Kunstakademie Münster (Meisterschüler 1991) und bei Dieter Appelt in Berlin. Seit 2015 lehrt er als Professor für Fotografie und Medien an der Hochschule der bildenden Künste in Essen.

Zur Ausstellung erscheint ein 72-seitiger Katalog “Modell Landschaft. Thomas Wrede. Fotografie” mit Texten von Matthias Harder.

Änderungen vorbehalten. Weitere Informationen www.museum-sinclair-haus.de

Fotoausstellungen 03 / 2017

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