Ursula Schulz-Dornburg - The Land In-Between

Im Städel Museum in Frankfurt am Main ist noch bis zum 9. September 2018 die Fotoausstellung „The Land In-Between“ mit Werken der Fotografin Ursula Schulz-Dornburg zu sehen. Seit über 40 Jahren befasst sich die Fotografin Ursula Schulz-Dornburg (*1938) mit Grenzlandschaften, Transitorten und Relikten vergangener Kulturen. Anhand von 13 umfangreichen Werkgruppen und insgesamt rund 250 Arbeiten gewährt das Städel Museum in der Ausstellung erstmals einen umfassenden institutionellen Gesamtüberblick über das Schaffen der Künstlerin.

Ursula Schulz-Dornburg, Everan – Gyumri
Ursula Schulz-Dornburg
Everan – Gyumri (aus der Serie: Transit Orte, Armenien), 2004
Bartyabzug, 44,7 × 34,8 cm
Archiv der Künstlerin
© Ursula Schulz-Dornburg

Die in Berlin geborene und in Düsseldorf lebende Schulz-Dornburg widmet sich in ihren Bildern Kult- und Kulturstätten in Europa, Asien und dem Nahen Osten, vor allem aber den sichtbaren und unsichtbaren Grenzen dieser Kontinente und Regionen. Ihre analogen Schwarz-Weiß-Fotografien sind Zeugnisse verschwundener Landschaften, vergangener politischer Systeme, sich im Auflösen befindlicher Kulturkreise und erlischender Gesellschaften. Geprägt von ethnologischer Neugierde und einem archäologischen Blick, sind die Aufnahmen an den Schnittstellen von Dokumentarismus und politischer Fotografie, von Konzeptkunst und aufklärerischem Verantwortungsgefühl angesiedelt. Schulz-Dornburgs Interesse gilt sowohl den Spuren, die Menschen im Laufe lange währender historischer Prozesse in der Landschaft hinterlassen haben, als auch jüngsten politischen Veränderungen, wie sie beispielsweise durch die Golfkriege (zwischen 1980 und 2003) bewirkt worden sind.

Ursula Schulz-Dornburg, 15 Kilometer entlang der georgisch-aserbaidschanischen Grenze
Ursula Schulz-Dornburg
15 Kilometer entlang der georgisch-aserbaidschanischen Grenze 1998-99
(aus der Serie: 15 Kilometer entlang der georgisch-aserbaidschanischen Grenze 1998-99), 1998/99
Bartyabzug, 23 × 25 cm
Städel Museum, Frankfurt am Main
© Ursula Schulz-Dornburg

“Es zeichnet Schulz-Dornburgs Werk aus, dass sie schon früh an Orte reiste, die erst in jüngerer Zeit auf der Landkarte unseres westlichen Kulturbetriebs aufgetaucht sind. Manchmal treten uns Oase und Wüste, Krieg und Antike, vergangene Schönheit und gegenwärtige Zerstörung aus ein und demselben Bild entgegen. Es ist diese oftmals unerträgliche Ambivalenz, die das Werk von Schulz-Dornburg ebenso einzigartig wie bildmächtig macht: wenn sie in ihren Fotografien scheinbar unvereinbare Gegensätze – ästhetische wie inhaltliche – zusammenführt, ohne sie zu versöhnen”. (Dr. Martin Engler, Sammlungsleiter Gegenwartskunst am Städel Museum)

Ursula Schulz-Dornburg, Von Medina an die jordanische Grenze
Ursula Schulz-Dornburg
Von Medina an die jordanische Grenze
(aus der Serie: Von Medina an die jordanische Grenze), 2003
Bartyabzug, 31,3 × 25,3 cm
Archiv der Künstlerin
© Ursula Schulz-Dornburg

“The Land In-Between” vereint zwischen 1980 und 2012 entstandene Fotografien aus der Städelschen Sammlung, aus dem Archiv der Künstlerin sowie von privaten Leihgebern und thematisiert Schulz-Dornburgs ästhetisches Dazwischen: Mit ihrer Kunst beschreitet sie den schmalen Grat zwischen Konzept und Reportage, zwischen Politik und Ästhetik. Eine ihrer bekanntesten Werkgruppen belegt dies in der Ausstellung eindrücklich: Transit Orte, Armenien (1997–2011). Die Aufnahmen rücken Bushaltestellen im postsowjetischen Armenien in den Fokus. Hier isoliert die Fotografin die Objekte aus ihrer Umgebung und lenkt so die ganze Aufmerksamkeit auf sie. Verfallene modernistische Gebäude zeugen von verlorenen Utopien.

Ursula Schulz-Dornburg, Echiniadzin – Erevan
Ursula Schulz-Dornburg
Echiniadzin – Erevan (aus der Serie: Transit Orte, Armenien), 2002
Bartyabzug, 44,7 × 34,8 cm
Städel Museum, Frankfurt am Main
© Ursula Schulz-Dornburg

Die Serie Verschwundene Landschaften, Irak, Marsh Arabs (1980) zeigt Architekturen, die dem Untergang geweiht sind; von den Lehmbauten am Shatt al-Gharraf reiste Schulz-Dornburg zu den Schilfbauten im Marschland. Verschwundene Landschaften, Irak, Mesopotamien (1980) verbindet historische Orte mit der unmittelbaren Gegenwart der Kriege der jüngeren Zeit.

Ihr zentrales fotografisches Interesse erstreckt sich auf vom Menschen gebaute Architekturen. Für Verschwundene Landschaften, Palmyra, Syrien (2005/2010) etwa fotografierte sie reduzierte Grabstätten, kurz bevor der sogenannte Islamische Staat die größeren Bauten zerstörte. Wüsten stehen sinnbildlich für Transiträume – Schulz-Dornburg hat genau dort Station gemacht, sie präsentiert uns in 15 Kilometer entlang der Georgisch-Aserbaidschanischen Grenze (1998/99) eine unendlich fern scheinende Welt.

Ihr feines Gespür für Hell und Dunkel findet auch in der Serie Ararat (2004–2006) – im steten Wechsel von Sonne und Wolken, von Regen und Dunst – seinen Ausdruck.

Weitere Informationen: http://www.staedelmuseum.de/de

Änderungen vorbehalten.

Fotoausstellungen 07 / 2018

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