Wolfgang Kleber - Und ewig lockt die Oberfläche

Guildas Power, 1998 © Wolfgang Kleber Bildgalerie betrachten Guildas Power, 1998 © Wolfgang Kleber

In der Galerie Klose in Essen ist noch bis zum 2. Dezember die Fotoausstellung „Und ewig lockt die Oberfläche“ mit Werken von Wolfgang Kleber zu sehen.

Kann die Fotografie das Innere eines Menschen darstellen oder nur seine Oberfläche? Das ist eine Kontroverse, die die Porträtfotografie seit ihren Anfängen begleitet. Ist ein Porträtfoto “Spiegel der Seele”, “Abbild des Charakters”? Oder gibt es nur eine äußere Erscheinung, eine angenommene Rolle, die reine Oberfläche wieder? Ist es mehr Sein oder Schein?

Wolfgang Kleber zweifelt und stellt sich diese Frage immer wieder neu. Ihn reizen Menschen mit ausdrucksstarken Gesichtern. Ob sie vor der Kamera echte Gefühle offenbaren oder sich in einer Rolle zeigen macht für ihn keinen Unterschied. Für ihn zeigt ein Bild “die momentane Stimmung des Fotografierten”. Wie weit der Blick dabei in die Tiefe führt oder nicht, lässt sich für Kleber nur im Einzelfall und keineswegs generell klären. Unter dem verheißungsvollen Titel “Und ewig lockt die Oberfläche” subsummiert Wolfgang Kleber eine Auswahl von Frauenbildern aus über fünfzig Jahren.

Es sind Akt-und Porträtfotografien von Frauen unterschiedlichster Couleur, die im eigenen oder im fremden Auftrag entstanden. Kleber inszeniert seine Bilder meist im Fotostudio, der persönliche Lebensraum ist hier bewusst ausgeblendet. Aktdarstellungen werden durch den neutralen Raum entindividualisiert, im Porträt dagegen konzentriert sich hier der Blick auf den individuellen Gesichtsausdruck. Hinter jedem Bild steht eine Entstehungs-Geschichte, stehen unterschiedlichste Orte, an denen Kleber den Modellen begegnet.

Das Titelbild von Klebers Frau Agnes Wallek könnte als programmatisches Bekenntnis zur Oberfläche verstanden werden. Die Porträtierte versteckt sich hinter einer undurchdringlich schwarzen Sonnenbrille und auf ihren Brillengläsern spiegelt sich der helle Lichtschein eines Fensters. Anstatt ihr in die Augen oder gar Seele zu blicken, verfremden die kantigen Lichtreflexe und erinnern an die schlitzförmigen Pupillen einer Katze.

Die Seiten des gleichnamigen Bildbandes sind als Dialoge angelegt und stellen die Porträts verschiedener Personen gegenüber. Die Gegenüberstellungen basieren auf Kontrasten oder Ähnlichkeiten. Es sind Porträts, die auch vom Wandel der Zeiten erzählen. Doch Kleidung und Frisuren geben nicht nur Auskunft über die Entstehungszeit. Die beiden gegensätzlichen Frauenbildnisse, die mit “Beirut 2008” bezeichnet sind, dokumentieren eindrücklich die unterschiedliche Haltung zweier Frauen zur gleichen Zeit an einem Ort.

Die Vielzahl der Porträts reicht vom Mädchen bis zur reifen Frau, umfasst Doppelbildnisse und Aufnahmen mit integriertem Selbstbildnis.

Änderungen vorbehalten. Weitere Informationen: www.galerie-klose.de

Fotoausstellungen 11 / 2016

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