DIE ERFINDUNG DER PRESSEFOTOGRAFIE

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Pressefotografien sind immer wieder Auslöser gesellschaftlicher Debatten um Authentizität und Wirkmächtigkeit von Bildern. Die Frage nach der Veröffentlichung, dem Zeigen oder Nichtzeigen treibt Bildredakteure der Gegenwart um, beschäftigte jedoch auch Zeitungsmacher zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts.

Die Katalogpublikation „Die Erfindung der Pressefotografie“ aus der Sammlung Ullstein 1894–1945 betrachtet die mit der Wende zum 20. Jahrhundert entstandene fotografische Sammlung Ullstein sowie die von 1894 bis 1945 im gleichnamigen Verlag erschienene Berliner Illustrirte Zeitung. Im Fokus steht der Einzug der Fotografie in die Zeitungswelt, ein historischer Wendepunkt in der Entwicklung der deutschen Presselandschaft.

Mit dem von Leopold Ullstein gegründeten gleichnamigen Berliner Verlag entstand Anfang des 20. Jahrhunderts einer der größten Zeitungs- und Zeitschriftenverlage Europas: Die zu dieser Zeit veröffentlichten Fotografien dienten zunächst der Illustration von Zeitungstexten, im Laufe ihrer Wirkungsgeschichte entwickelte das junge Medium der Pressefotografie jedoch eine Vielzahl eigenständiger Positionen und Blickwinkel. Mit dem Einzug des Druckverfahrens der Autotypie Ende des 19. Jahrhunderts war eine der wichtigsten technischen Voraussetzungen für die Verbreitung von Fotografien geschaffen. Die aufstrebende illustrierte Presse sorgte für einen erhöhten Bedarf an Fotografien sowie für stabile Kooperationen zwischen Fotografen und Redaktionen. Publikationen unterschiedlicher Gattungen bildeten sich heraus und erreichten ein stetig wachsendes Lesepublikum. Neben der Berliner Illustrirte Zeitung gehörten Titel wie Die Dame, Tempo, Der Querschnitt, Uhu und viele andere mehr zum Portfolio des Verlags Ullstein.

Die Publikation „Die Erfindung der Pressefotografie“ aus der Sammlung Ullstein 1894–1945 präsentiert Werke namhafter Fotografen und renommierter Bildagenturen, aber auch Aufnahmen weniger bekannter oder namenloser Urheber. Das historisch gewachsene, einzigartige Bildkonvolut gewährt Einblicke in die Geschichte der Fotografie, der Presse und des Verlagswesens sowie in die Zeitgeschichte der abgebildeten Epochen.

Ausgehend von diesem historischen Fotomaterial will die Publikation auch dazu ermuntern, sich die in unserer Gegenwart rasant gestiegene Bedeutung von Bildern für die Wahrnehmung unserer Wirklichkeit vor Augen zu führen – angefangen von politischen Ereignissen, gesellschaftlichen Prozessen, anderen Kulturen bis hin zu den unterschiedlichen Facetten des sozialen Lebens. Denn Mithilfe von Fotografien wurden und werden Menschen unterhalten und informiert, aber auch manipuliert und getäuscht.

Hatje Cantz Verlag, 208 Seiten, 200 Abb., Broschiert 21,00 × 26,00 cm, ISBN 978-3-7757-4324-2, € 28,00.

Fotobücher 06 / 2017

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