Sebastião Salgado: Kuwait - Eine Wüste in Flammen

Sebastião Salgado: Kuwait - Eine Wüste in Flammen
Im Jahre 1991, als die antiirakische Koalition unter Führung der Vereinigten Staaten begann, die irakischen Streitkräfte aus dem besetzten Kuwait zu vertreiben, setzten Saddam Husseins Truppen Hunderte von Ölquellen in Brand. Diese Quellen bildeten die Ölreserven Kuwaits. Ihr Flächenbrand verursachte in dem winzigen Golfstaat eine wirtschaftliche, ökologische und menschliche Katastrophe.

Der 1944 in Aimorés (Brasilien) geborene, promovierte Ökonom Sebastião Salgado, der 1973 seine berufliche Karriere als Fotograf in Paris begann, reiste während dieser dramatischen Tage nach Kuwait, um die verzweifelten Bemühungen der Löschtrupps, die den Kampf gegen dieses Inferno aufgenommen hatten, zu dokumentieren. Die Szenerie war apokalyptisch: In der Gluthitze der Wüste standen fast tausend Ölquellen in Flammen – und das in einem Gelände, das großräumig mit Landminen verseucht war. Dicke schwarze Sand- und Rußwolken waberten über der Region und trugen die Luftverschmutzung bis nach Kaschmir und Ostafrika. Mitte 1991 waren nach damaligen Schätzungen 40 Millionen Tonnen Rohöl verbrannt und hatten dabei 250.000 Tonnen Stickoxide und 30 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre abgegeben. Salgados charakteristisch monochrome, wegen der großen Hitze mit vollmechanischen Leica R6-Kameras aufgenommenen Schwarzweißbilder geben die ganze Unbarmherzigkeit der Szenen wieder, die er beobachtete: die verheerte Landschaft, die verkohlten Kadaver von Kamelen, das Inferno der Flammen und die den Himmel verfinsternden Rauchwolken, neben denen die ölgetränkten Feuerwehrleute wie Zwerge wirken.

Seine Reportage wurde zuerst im Juni 1991 im ‚New York Times Magazine‘ unter der Überschrift “The Eye of the Photojournalist” veröffentlicht und anschließend von zahlreichen europäischen Publikationen nachgedruckt. Als Salgado sich die Veröffentlichungen jetzt erneut ansah, wurde ihm bewusst, dass viele der Fotografien bisher nie veröffentlicht worden waren. Zudem stellte er fest, dass die Bilder etwas Zeitloses hatten. Das jetzt im Taschen-Verlag erschienene neue Buch ist ein schonungsloses Statement zur menschlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Katastrophe dieses Konflikts, vor allem aber eine Hommage an den Einsatz der Feuerwehrmänner. Salgado schreibt dazu in seinem Vorwort: „Ich hatte die Bilder 1991 aufgenommen, doch würde sich ein ähnliches Desaster ereignen, könnten sie so auch heute oder morgen entstehen.“ 1992 gewann Salgado, der bereits 1988 mit dem Dr.-Erich-Salomon-Preis der DGPh ausgezeichnet worden war, für die Reportage von den brennenden Ölquellen den Leica Oskar-Barnack-Preis. (H. – G. v. Zydowitz)

Taschen-Verlag, Sebastião Salgado, Kuwait – Eine Wüste in Flammen, Hrsg.: Lélia Wanick Salgado

Text: Englisch, Deutsch, Französisch, 208 Seiten, mit 83 Fotos, Format: 32×30 cm, Hardcover, ISBN 978-3-8365-6125-9; € 49,99

Fotobücher 01 / 2017

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