Mehr Frauen auf Bäumen

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Mit „Mehr Frauen auf Bäumen“ erscheint im September der zweite Band des Erfolgsbüchleins, das 2016 mit einem Augenzwinkern den internationalen Buchmarkt eroberte und die Presse verzückte. Die Fortsetzung steht seinem Vorgänger in nichts nach: Die einzigartige Sammlung historischer Amateurfotografien, zusammengetragen und kuratiert von Künstler Jochen Raiß, zeigt ein gleichermaßen humorvoll wie liebenswürdig inszeniertes Phänomen: junge Frauen, die auf Bäumen posieren.

„Man kann es drehen und wenden, wie man will, Frauen auf Bäumen ist einfach ein verdammt guter Titel für einen Bildband, in dem genau das zu sehen ist, also Frauen auf Bäumen, und nur das“, so Journalistin Johanna Adorján. Angefangen hat alles mit einem Zufall. Der Herausgeber, Jochen Raiß (47), der den Beruf des Fotoredakteurs mit so viel Leidenschaft ausübt, dass er sogar in seiner Freizeit ständig auf der Jagd nach guten Bildern ist, fand vor 25 Jahren zufällig auf einem Flohmarkt in Frankfurt am Main ein Foto einer Frau auf einem Baum, das ihm auf Anhieb gute Laune machte. Er kaufte es, benutzte es eine Weile als Lesezeichen und freute sich jedes Mal, wenn er es sah: „Die Frau darauf sah einfach so glücklich aus.“ Dann entdeckte er auf einem seiner Beutezüge durch Trödelläden und Flohmärkte irgendwann ein weiteres Foto einer Frau auf einem Baum. Und dann noch eins. Seither sucht er, wo immer er Kartons voller alter, aussortierter Fotos sieht, gezielt nach diesem Motiv. Mittlerweile zählt seine Sammlung von Frauen auf Bäumen 140 Fotografien, die er in alten Holzkisten aufbewahrt.

Entstehungsorte und -umstände der Schwarzweißaufnahmen sind meist unbekannt. Hin und wieder ist eine handschriftliche Jahreszahl auf der Rückseite vermerkt, manchmal ein Vorname – mehr weist nicht auf die Identität der Abgebildeten hin. „Ich liebe Bilder, die nicht perfekt sind und von denen ich nichts weiß. Dann entwickeln sich sofort Geschichten in meinem Kopf“, so Raiß. Im nun erscheinenden zweiten Band „Mehr Frauen auf Bäumen“ posiert das weibliche Geschlecht sportlich im Badeanzug, rittlings mit Cowboy-Hut, auch mal an der Bierflasche nippend oder lässig über dem See thronend – jedes Bild hat seine eigene Anmutung und Geschichte, die zum Entdecken einlädt. Zahlreiche denkbare Deutungsmuster hat Jochen Raiß bereits durchgespielt: „Für mich sind die Frauen gerade auf einem Sonntagsspaziergang unterwegs, zusammen mit ihrem Partner“, so sein Erklärungsversuch. „Sie sind gut angezogen, wirken glücklich und manche scheinen richtig verliebt. Das sind junge Menschen, die mit der Kamera losgezogen sind, Quatsch gemacht und ihr Glück mit einem Schnappschuss festgehalten haben.“ Ganz so, wie es heute millionenfach auf Facebook, Instagram & Co zelebriert wird. Weshalb kaum Bilder von männlichen Baumbesteigern zu finden sind, kann Raiß nur vermuten: „Die meisten Bilder stammen aus den Anfängen der Amateurfotografie, damals war die Kamera noch fest in Männerhand“.

Rund 2.300 historische Amateurfotos mit ungewöhnlichen Bildinhalten umfasst der Gesamtfundus von Jochen Raiß. Mit seinen Sammlungen hat der Künstler einen Weg gefunden, das Schöne und Flüchtige festzuhalten und längst vergangenen Momenten ein zweites Leben einzuhauchen.

Verlag Hatje Cantz, 112 Seiten, 50 Abb., gebunden, 12,80 × 17,60 cm, ISBN 978-3-7757-4314-3, € 15,—.

Fotobücher 08 / 2017

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