Welche Bilder darf man verbreiten und welche nicht?

© Fotograf: Heinz Bönte, Schatten, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Heinz Bönte, Schatten, Blende-Fotowettbewerb
Eine Welt ohne Fotos ist genauso undenkbar wie die Kommunikation ohne Fotos. In Windeseile ist es heute zur Selbstverständlichkeit geworden, Fotos auf die weltweite Datenautobahn zu schicken und andere an dem Gesehenen teilhaben zu lassen. Aus Unwissenheit, Unbedachtheit oder einfach weil man sich in solch einem Glücksrausch befindet – wir denken positiv -, werden vielfach Fotos in soziale Netzwerke gepostet, die lieber niemals den ganz persönlichen Raum hätten verlassen sollen. Immer häufiger sind Fotos im Netz anzutreffen, die gegen das Recht am eigenen Bild sowie gegen das Persönlichkeitsrecht verstoßen. Sehr beliebt ist auch, sich mit fremden Federn zu schmücken und einfach Aufnahmen von dritten unter seinem Namen oder ohne Angabe eines Namens zu verbreiten. Erst kürzlich regte sich im Netz jemand auf – und erntete dafür sehr viel Zustimmung – dass Fotobegeisterte wie die großen Fotomeister ihre Aufnahmen kunstvoll signieren. Unter dem Gesichtspunkt des immer weiter verbreiteten Bilderklaus können wir diese Schutzmaßnahme mehr als nachvollziehen.

Recht am eigenen Bild

Wir haben heute viele Rechte – auch wenn wir dies das ein oder andere Mal möglicherweise anzweifeln. Ein Recht, und daran gibt es keinen Zweifel, ist das Recht am eigenen Bild. Wenn jemand von einem ein Bild macht, dann kann er dieses Bild für sich privat nutzen und beispielsweise eine Vergrößerung für die eigenen vier Wände in Auftrag geben. Wird diese Aufnahme aber in soziale Netzwerke gepostet oder dient sie als Ausstellungsbild und hängt in einer Galerie oder in einem Museum, dann betritt die Fotografie den öffentlichen Raum. Möchte man als Fotobegeisterter auf der sicheren Seite sein, dann fragt man um Erlaubnis. Bei Fremden würden wir uns diese immer schriftlich geben lassen – sicher ist sicher. Als Erlaubnis soll es aber auch reichen, wenn derjenige sein Einverständnis stillschweigen signalisiert und der Veröffentlichung nicht widerspricht. Wir finden dies etwas schwammig.

Ist die Person, die abgelichtet wurde, nur Beiwerk – also nicht das Hauptmotiv – dann braucht man keine Erlaubnis einholen. Als Faustformel gilt: Könnte man die betreffende Person aus dem Bild nehmen, ohne das die Fotografie dadurch ihren Charakter verliert, dann braucht man kein Einverständnis.

Auf der ganz sicheren Seite ist man bei Großveranstaltungen wie Konzerten, Demonstrationen oder beispielsweise Straßenfesten. Laut Gesetz muss man damit rechnen, fotografiert zu werden und das diese Aufnahmen über das Netz oder die Printausgaben der Tageszeitungen verbreitet werden. Als Fotograf benötigt man keine Erlaubnis. Als Faustregel gilt: Von Gruppen mit mehr als zehn Personen dürfen Aufnahmen ohne deren Einwilligung verbreitet werden wenn sie nicht das Persönlichkeitsrecht verletzen.

Persönlichkeitsrecht

Ausnahmen bestätigen die Regel – wer kennt dieses Sprichwort nicht. Bleiben wir bei unserem letzten Beispiel. Wird eine Gruppe mit mehr als zehn Personen fotografiert und ist eine davon Betrunken, dann darf diese Aufnahme nicht verbreitet werden. Grund dafür ist das Persönlichkeitsrecht. Wird diese Aufnahme verbreitet dann kann der betrunkenen Person Schaden im Ansehen entstehen – dies gilt es in jedem Fall zu vermeiden, denn hier greift das Persönlichkeitsrecht. Unzulässig ist es in diesem Zusammenhang auch, Bilder zu posten, die in einem geschützten Bereich wie beispielsweise in einer Wohnung unbefugt entstanden sind.

Fremde Bilder veröffentlichen kann teuer werden

Derjenige, der eine Aufnahme macht ist der Urheber. Die Bilder dürfen verbreitet werden, wenn man die Einwilligung des Fotografen einholt. Berichtet man beispielsweise wie wir über eine Fotoausstellung, dann können wir natürlich nicht die Einwilligungen von jedem Fotografen einholen. In dem Moment, in dem wir uns aber an die genannten Bedingungen des Urhebers halten, dürfen die Fotos auch ohne Rücksprache veröffentlicht werden.

Sehr beliebt ist bei eigenen Online-Verkaufsaktionen die Nutzung von Produktfotos der Hersteller. Davon sollte man in jedem Fall Abstand nehmen, denn die Schadensersatzforderungen können sich schnell im vierstelligen Bereich bewegen.

Fotos von den eigenen Kindern verbreiten

Initiative der Polizei NRW
Als Eltern steht dem prinzipiell nichts im Wege, Aufnahmen im Netz von seinen Kindern zu verbreiten. Wir raten jedoch davon ab und unterstützen solche Initiativen wie von der Polizei NRW. Kinder haben eine Privatsphäre die es zu schützen gilt. Wir möchten nicht wissen, wie viele Kinder sich in vier, fünf und mehr Jahren über ihre Eltern ärgern, weil Aufnahmen von ihnen im Netz verbreitet wurden, die dank Bilderkennung immer noch auffindbar sind.

Fotografische Anwendungen 11 / 2015

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1 Kommentare

Ein sensibles Thema passend dargestellt. Danke!

von Klaus
23. November 2015, 10:09:28 Uhr

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