Filme ermöglichen den kulturellen Dialog

Bundesfestival Video bildet Einsichten und Perspektiven junger und älterer Nachwuchsfilmemacher ab, über 750 Produktionen wurden 2009/2010 eingereicht

„Von den über 750 in diesem Jahr eingereichten Filmen gleicht keiner dem anderen – jede Produktion ist so individuell wie ihr Macher“, so Christian Exner, Koordinator des Bundesfestivals Video, das vom 11. bis 13. Juni in Ludwigsburg stattfindet. Zwar lassen sich in jedem Jahrgang einzelne inhaltliche und technische Tendenzen ablesen, die jeweils Spiegelbild sozialer, kultureller und/oder wirtschaftlicher Realität sind. Gleichzeitig aber entsteht aus dem fast grenzenlosen kreativen Spielraum, den die Preisstifter und Veranstalter der beiden Filmwettbewerbe „Deutscher Jugendvideopreis“ und „Video der Generationen“ anbieten, eine faszinierende Vielfalt von Themen und Formen.

Neben der Freude am experimentellen Umgang mit dem Film haben die Teilnehmer an beiden Wettbewerben wieder das Medium intensiv genutzt, um eigene Sichtweise zu erklären, persönliche Wahrnehmungen zu deuten und aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen zu kommentieren. So wird in den Filmen zum „Deutschen Jugendvideopreis“ beispielsweise immer wieder das Thema Freundschaft und Liebe aufgegriffen. Dieser entwicklungspsychologisch nachvollziehbare Trend wird aber unterschiedlich aufgelöst und reicht bei den aktuellen Einsendungen von Verlust-Szenarien bis zum klassischen Happy End. Mit zunehmender Tendenz wird in den letzten Jahren zudem die Beschäftigung mit Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes sichtbar. Die Umsetzung dieses Stoffes erfolgt dabei sowohl im Rückgriff auf konkrete politische Debatten als auch durch Fokussierung auf das private Umfeld – etwa mit der Inszenierung eigener Haustiere im Filmprojekt.

Als prägender Lebensraum für Kinder und Jugendliche taucht die Schule zudem folgerichtig in vielen Filmen als dramaturgischer Rahmen oder als inhaltlicher Fokus auf. Die Amokläufe Jugendlicher, eine diffuse Bildungs- und Ausbildungsplatzdebatte oder Mobbing-Erfahrungen unter Heranwachsenden werden in den Filmen zum Gegenstand von Dokumentationen oder fiktionalen Umsetzungen. Geprägt sind diese Produktionen in der Regel durch starke Angstgefühle und der zukunftsentscheidenden Frage nach dem eigenen Platz in der Gesellschaft.

Gängige Rollenklischees werden in den Filmen im Wettbewerb „Video der Generationen“ aufgegriffen. Gleichzeitig zeigt sich aber eine Varianz bekannter Themen und Sujets. Kamen beispielsweise in der Vergangenheit bei Zeitzeugen-Porträts in der Regel Überlebende des Holocaust zu Wort, rücken jetzt verstärkt Menschen ins Blickfeld, die über ihre Erfahrungen in und mit der DDR berichten.

Auch die Beiträge dieses Wettbewerbs, der sich an ältere Filmemacher und Generationen übergreifende Teams richtet, spiegeln die gesellschaftliche und individuelle Wirklichkeit wider. So ist die Finanz- und Wirtschaftskrise jetzt in den Produktionen angekommen und wird in Bezug zu eigenen Erfahrungen und/oder Ängsten gesetzt.

Christian Exner: „Interessant für uns ist, dass Technik nur in wenigen Filmen die inhaltliche Kreativität beeinflusst oder gar steuert. Das eigene Thema ist allemal wichtiger als das Kopieren der gängigen Filmsprache, denn einige Werke präsentieren Sichtweisen von Realität, die im filmischen Mainstream so nur sehr selten zu beobachten sind. Der kreativen Begeisterungsfähigkeit von Filmemachern unterschiedlicher Generationen begegnen unsere Festivalbesucher mit viel Empathie für die frischen und ungewöhnlichen Filme. Gerade das macht das Finale der beiden Filmwettbewerbe so einzigartig und spannend.“

Am Festivalwochenende sind die besten 50 Filme zu sehen, die die beiden Fachjurys für das Finale in Ludwigsburg nominiert haben. Das Bundesfestival Video ist eine öffentliche Veranstaltung – der Eintritt ist kostenlos.

Das Bundesfestival Video findet vom 11. bis 13. Juni 2010 in Ludwigsburg statt. Partner des Festivals sind: die Stadt Ludwigsburg, die Filmakademie Baden-Württemberg, die Pädagogische Hochschule Ludwigsburg, das Evangelische Medienhaus, das Landesmedienzentrum sowie die Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg.

Festivalinformationen:

Kinder- und Jugendfilmzentrum in Deutschland (KJF), Christian Exner, fon: 02191 – 794232, exner@kjf.de

Fotonachrichten 05 / 2010

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