Gesellschaft Deutscher Tierfotografen e.V. (GDT) - Siegerbilder des Wettbewerbs „Europäischer Naturfotograf des Jahres 2017“ stehen fest

GESAMTSIEGER 1, Britta Jaschinski - Großbritannien/Deutschland, Konfisziert Bildgalerie betrachten GESAMTSIEGER 1
Britta Jaschinski – Großbritannien/Deutschland
Konfisziert

Am 27. Oktober 2017 war es wieder einmal so weit: Im Rahmen des 25. Internationalen Naturfotofestivals der GDT in Lünen wurden die mit großer Spannung erwarteten Gewinner des renommierten Wettbewerbs „Europäischer Naturfotograf des Jahres“ bekanntgegeben. Fotografinnen und Fotografen aus 31 Ländern hatten nahezu 18.000 Aufnahmen eingereicht, und für die mit Kathy Moran (USA), Audun Rikardsen (NO), Isabel Díez (ES), Werner Bollmann (DE) und Jonathan Lhoir (BE) hochkarätig besetzte Jury war es angesichts der hohen Qualität der Einsendungen keine leichte Aufgabe, die 85 besten Bilder auszuwählen.

Eine kleine Sensation – erstmals in der 17-jährigen Geschichte dieses Wettbewerbs wurden zwei Gesamtsieger prämiert: Britta Jaschinski (GB/DE) und Erlend Haarberg (NO) freuen sich über den Titel „Europäischer Naturfotograf des Jahres 2017“ und das von der Firma Canon und der GDT gesponserte Preisgeld in Höhe von je 3000 Euro. Die Jury begründet ihre unkonventionelle Entscheidung mit der Tatsache, dass beide Bilder gleichermaßen höchsten fotografischen Ansprüchen gerecht werden, und darüber hinaus in ihrer so gegensätzlichen Aussage all das repräsentieren, was Naturfotografie heute sein kann und soll.

Britta Jaschinski

Geboren und aufgewachsen in Deutschland, zog Britta Jaschinski in den neunziger Jahren nach Großbritannien, um Fotografie zu studieren. In den folgenden 20 Jahren wurde sie in zahlreichen internationalen Wettbewerben für ihren besonderen fotojournalistischen Stil ausgezeichnet.

Britta Jaschinski widmet sich mit Hingabe der Dokumentation des großen Leides von Tieren, die allzu oft Opfer von Vergnügungs- und Geltungssucht, Habgier und Aberglauben sind. Ihre Arbeiten werden weltweit veröffentlicht, ausgestellt und in Galerien für zeitgenössische Kunst verkauft.

„Erschütternde Fußschemel. Einfach und unverfälscht. Es bedarf keiner weiteren Zutaten, um den Betrachter zu fesseln, zu informieren, zu schockieren und traurig zu stimmen“, so die Worte der Jury. Diese beiden Hocker stehen stellvertretend für die vielen tief verstörenden Dinge, die weltweit von Menschen geschmuggelt werden. Anderthalb Millionen beschlagnahmte Objekte dieser Art lagert der „U.S. Fish and Wildlife Service“ in einem Depot in Denver, Colorado. Jaschinski: „Ich habe diese Körperteile so positioniert, dass sie eine gewisse Würde ausstrahlen, um den Tieren Respekt zu zollen, deren Leben geopfert wurde aus Geltungssucht, Habgier und Aberglauben.“

Erlend Haarberg

Erlend Haarberg, 1966 in Trondheim (Norwegen) geboren, hat eine Ausbildung als Biologe abgeschlossen und arbeitet seit 1990 freiberuflich als Naturfotograf mit Schwerpunkt auf der Tierwelt des Nordens. Seine Bilder wurden weltweit in namhaften Wettbewerben ausgezeichnet. Zwischen 1986-2000 wurde er sechs Mal zum norwegischen Naturfotografen des Jahres gewählt. Zusammen mit seiner Frau Orsolya hat Erlend in den vergangenen zwölf Jahren an mehreren großen Fotoprojekten im Norden Europas gearbeitet. Die Bilder der beiden Fotografen wurden europaweit veröffentlicht, unter anderem in GEO und im BBC Wildlife Magazine und im National Geographic Magazine.

„Erlends Hasen sind pure Magie, der entscheidende Moment, dem Dunkel der Nacht entlockt, der Zeit, in der diese Tiere kämpfen. Durch seine Wahl für eine Schwarz-Weiß-Aufnahme, können wir uns auf die Form konzentrieren, die Energie, die Explosion von Schnee.“, so die Jury fasziniert. Haarberg: „Während der letzten 25 Jahre habe ich sehr viel Zeit damit verbracht, im Frühling Schneehasen in den Berg-Birkenwäldern von Zentral-Norwegen zu fotografieren. Diese Tiere sind nachtaktiv – auch zur Paarungszeit finden die meisten Aktivitäten im Schutz der Dunkelheit statt. Ich habe sehr lange versucht, ein Bild wie dieses zu machen, bei dem alles stimmt: Die Hasen nehmen eine perfekte Position ein, und leichter Schneefall unterstreicht die Magie dieses Augenblicks.“

Schirmherrin Prof. Dr. Beate Jessel vom Bundesamt für Naturschutz (BfN)

Schirmherrin Prof. Dr. Beate Jessel vom Bundesamt für Naturschutz (BfN): „In diesem Jahr wurden zwei Siegerfotografien ausgewählt, die einerseits in Inhalt und Ausdruck völlig unterschiedlich sind, jedoch in ihrer Dualität sehr gut miteinander harmonieren. Gerade in ihrem Zusammenwirken führen uns die beiden Siegerfotografien die Lebendigkeit und Kraft, aber auch die Verletzlichkeit unserer Natur vor Augen. Sie unterstreichen so die Verantwortung, die wir für den sorgsamen Umgang mit der Natur tragen, damit auch unsere Kinder ihre Vielfalt erleben können.“

Über den Wettbewerb

Im Jahr 2001 zunächst als einmalig stattfindendes Ereignis geplant, entwickelte sich der Wettbewerb „Europäischer Naturfotograf des Jahres“ in den folgenden Jahren schnell zu einer festen Größe von internationalem Rang. Stetig steigende Teilnehmerzahlen und ein ebenso kontinuierlich wachsendes öffentliches Interesse an den Resultaten dieses Wettbewerbs bestätigten den Veranstaltern, auf dem richtigen Weg zu sein.

Sein anhaltender Erfolg erklärt sich vor allem aus der Bestrebung, jedes Jahr von neuem den Ansprüchen moderner Naturfotografie gerecht zu werden – Innovation und Kreativität, seien es der Einsatz neuer Techniken oder der Mut zu ungewöhnlichen Kompositionen, waren von Anfang an die erklärten Zielsetzungen dieses Wettbewerbs.

Neben dem Anspruch, zugleich die große Bandbreite naturfotografischer Themen in zeitgemäßer Weise widerzuspiegeln, von ungesehenen Verhaltensweisen, seltenen Arten, intimen Tierportraits, verträumten Pflanzenbildern bis hin zur kritischen Auseinandersetzung mit den Belangen des Natur- und Artenschutzes. Zudem legen die Organisatoren größten Wert darauf, die Einhaltung ethischer Standards bei der Entstehung der Bilder zu gewährleisten, und durch ein strenges Regelwerk und lückenlose Kontrolle dafür Sorge zu tragen, digitale Manipulationen auszuschließen.

Kommentar der Jury

Jury-Mitglied Kathy Moran: „Es gibt in diesem Jahr zwei Gesamtsieger. – Was hat uns zu dieser unkonventionellen Entscheidung bewogen, die einmalig ist in der Geschichte dieses Wettbewerbs? Naturfotografen und Foto-Wettbewerbe verfolgen zeitgleich zwei Zielsetzungen: Zum einen honorieren sie Aufnahmen von Tieren oder Landschaften, die durch ihre Schönheit bestechen, zum anderen würdigen sie Bilder, die Fragen aufwerfen, die kontrovers diskutiert werden können, oder, was vielleicht am wichtigsten ist, dazu beitragen, ein Bewusstsein für die immense Bedrohung von Arten und Lebensräumen zu wecken.

Wie sollten wir als Fotografen, Redakteure und vor allem als Juroren mit der Herausforderung umgehen, das Für und Wider abzuwägen zwischen einzigartiger Ästhetik und inhaltlicher Botschaft? Es bestand nie ein Zweifel daran, dass die Bilder von Erlend und Britta innerhalb ihrer Kategorien – „Säugetiere“ und „Mensch und Natur“ – wohlverdient den ersten Platz belegten.

Erlends Hasen sind pure Magie. Die Aufnahme ist aus technischer und ästhetischer Sicht perfekt – ein Moment, der alle Aspekte herausragender Fotografie beinhaltet. Anders als Erlend hatte Britta die Situation fotografisch vollständig unter Kontrolle. Indem sie die Füße auf einen Rollwagen vor einem farblich ausgewählten Hintergrund stellte, hoffte Britta, ein Gefühl von Respekt zu erwecken, und jenen Tieren ihre Würde zurückzugeben.

Stellt man die beiden Aufnahmen nebeneinander, fallen mehrere Aspekte sofort ins Auge: Beide Bilder sind schwarz-weiß. Beide haben zwei „Akteure“. Beide stammen ganz offensichtlich von Fotografen, deren Arbeit im Hinblick auf Technik und Bildsprache höchsten Ansprüchen gerecht wird. Und dann gibt es da noch eine überraschende Symmetrie zwischen den Aufnahmen: Zwei Hasen und zwei Füße, ein Bild entzückend, das andere erschreckend, zwei Seiten derselben Münze.

Wir diskutierten. Sollten wir den Moment auszeichnen oder die Aussage? Keiner von uns hatte Einwände oder Bedenken, beide Bilder gleichberechtigt als Sieger zu präsentieren. Ganz im Gegenteil waren wir alle der Auffassung, dass die Prämierung zweier so unterschiedlicher, hervorragender Bilder ganz dem Grundgedanken dieses Wettbewerbs entspricht: Die Schönheit der Natur in atemberaubenden Bildern hervorzuheben, und zugleich mit der Präsentation dokumentarischer Aufnahmen auf die Notwendigkeit des Natur- und Artenschutzes hinzuweisen.“

Die Sieger der einzelnen Kategorien

In der Kategorie „Vögel“ gewann Klaus Tamm aus Deutschland mit seiner faszinierenden „Abendstimmung am Moorsee“. Sarah Skinner aus Großbritannien konnte sich mit ihrem Bild „Im Schatten der Giganten in der Kategorie „Säugetiere“ durchsetzen. „Folgen sie der gelben Linie“ heißt das Siegerbild des aus Spanien stammenden Fotografen Cristobal Serrano in der Kategorie „Andere Tiere“. Theo Bosboom aus den Niederlanden siegte mit seinem Bild „Wimpern“ in der Kategorie „Pflanzen und Pilze“. Die Kategorie „Landschaften“ entschied ebenfalls Theo Bosboom mit „Treppe zum Himmel“ für sich, in der Kategorie „Unter Wasser“ gewann Greg Lecoeur aus Frankreich mit „Grindwale“. „Ist jemand da?“ nannte Carsten Ott aus Deutschland sein Siegerbild in der Kategorie „Mensch und Natur“ und mit dem Portrait von “Miss Marble“ konnte der Deutsche Konrad Funk die Kategorie „Atelier Natur“ für sich entscheiden. In der Jugendkategorie bis 14 Jahre siegte Carlos Perez-Naval aus Spanien mit „Wir sind gar nicht so verschieden“. Bei den 14 bis 17-jährigen konnte Simon Johnsen die Jury mit dem Bild „Wasseramsel“ überzeugen.

Änderungen vorbehalten.

Fotonachrichten 11 / 2017

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden