Leica European Publishers Award for Photography 2008

Die europäischen Fotobuch-Verlage Actes Sud (Frankreich), Apeiron Photos (Griechenland), Dewi Lewis Publishing (Großbritannien), Edition Braus im Wachter Verlag (Deutschland), Lunwerg Editores (Spanien), Peliti Associati (Italien) und Mets & Schilt (Niederlande) haben in Zusammenarbeit mit der Leica Camera AG, Solms, den „Leica European Publishers Award for Photography 2008“ vergeben. Neben der Realisierung seines Buchprojektes wird der dänische Photograph Jacob Aue Sobol mit einem Preisgeld von € 10.000,-- und einer digitalen Messsucherkamera Leica M8 ausgezeichnet. Die Preisverleihung findet im Rahmen des Fotofestivals in Arles vom 8. bis 13. Juli 2008 statt.

Jacob Aue Sobol kam im Frühjahr 2006 zum ersten Mal nach Tokio. Die Bilder seines prämierten Buchprojektes sind eine Sammlung dessen, was er in der Metropole gesehen und welche Menschen er dort getroffen hat. Er begann, in den Straßen zu photographieren und war von der dichten und beengten Realität, die dort vorherrschte, fasziniert. Anstatt die Skyline und den nicht enden wollenden Schwarm von Menschen zu bewundern, machte er sich auf die Suche nach den schmalen Pfaden und den Individuen, in einer Stadt, die auf ihn anziehend und abstoßend zugleich wirkte. Jacob Aue Sobol legte seinen Fokus auf die individuellen und emotionalen Aspekte der Bevölkerung; sein Ziel war die Erstellung von ganz persönlichen Bildern aus dem Leben in Tokio. Das Interesse galt dabei vor allem den Gesellschaftsschichten, die nicht auf den ersten Blick sichtbar sind, dennoch aber ihre Umgebung mitformen und dem Leben Substanz geben.

Der 1976 in Kopenhagen geborene Jacob Aue Sobol lebt seit 2006 in Tokio. Nach seinem Studium an der Europäischen Filmhochschule besuchte er ab 1998 die Dänische Hochschule für Dokumentar- und Kunstphotographie, Fatamorgana, wo er seine photographische Sprache entwickelte, die sich erstmals in seinen Aufnahmen über Tiniteqilaaq in Ost-Grönland zeigte. Dort war er ab 1999 für drei Jahre, die er hauptsächlich mit seiner grönländischen Freundin Sabine und ihrer Familie verbrachte, das Leben der Fischer und Jäger kennen lernte und photographierte. Das daraus resultierende Buch "Sabine" wurde 2004 veröffentlicht und 2005 für den Deutsche Börse Photography Prize nominiert. Im Sommer 2005 reiste er mit einem Filmteam nach Guatemala und drehte dort einen Dokumentarfilm über ein junges Maya-Mädchen und ihre erste Reise zum Ozean. Mit seiner Photoserie, die im darauf folgenden Jahr in den Bergen von Guatemala entstand und das Leben der Eingeborenenfamilie Gomez-Brito dokumentiert, gewann er den ersten Preis in der Rubrik Daily Life Stories beim World Press Photo 2006. Seit 2007 ist Jacob Aue Sobol Mitglied der Agentur Magnum.

Der „Leica European Publishers Award for Photography“ gehört seit seiner Gründung 1994 zu den Kulturprojekten der Leica Camera AG. Die photographische Auszeichnung zählt zu den bedeutendsten Photobuchpreisen in Europa und wird jährlich vergeben. Teilnahmeberechtigt sind beendete und unveröffentlichte Photoprojekte in Buchform. Das Projekt des Gewinners wird von den teilnehmenden Verlagen in dem jeweiligen Land und der jeweiligen Sprache in einer Auflage von 5.000 Exemplaren veröffentlicht.

Der „Leica European Publishers Award for Photography“ wurde in diesem Jahr zum 15. Mal ausgeschrieben. Die bisherigen Preisträger waren Dario Mitidieri - „Die Kinder von Bombay“ (1994), Shanto Rao – „Bilder von Frauen“ (1995), Bruce Gilden – „Haiti“ (1996), Tony Catany „Fotografien“ (1997), Dean Chapman „Karenni - Guerilla in Burma“ (1998), Jeff Mermelstein – „Sidewalk“ (1999), Alfons Alt „Bestiae“ (2000), David Farrell „Innocent Landscapes“ (2001), Simon Norfolk „Afghanistan“ (2002), Haris Kakarouhas „Buena Vista Cuba“ (2003), Harri Kallio‚ „The Dodo & Mauritius Island: IMAGINARY ENCOUNTERS’ (2004)“, Lorenzo Castore „Paradiso“ (2005), Ambroise Tézenas „Peking“ (2006) und Paolo Pellegrin „As I Was Dying“ (2007).
 

Fotonachrichten 07 / 2008

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