11 Fototipps - So gelingen tolle Aufnahmen vom Feuerwerk

© Fotograf: Tobias Neubert, Fireworks over Weiden, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Tobias Neubert, Fireworks over Weiden, Blende-Fotowettbewerb
Der Jahreswechsel ist gekennzeichnet von zahlreichen Vorsätzen sowie Bräuchen und dazu gehört nicht nur, dass Landauf und -ab die Sektkorken knallen, sondern ebenso die Raketen, die gen Himmel geschossen werden. Im Schnitt werden allein in Deutschland übrigens seit 1999 jährlich über 100 Millionen Euro für Feuerwerkskörper ausgegeben – das ist schon eine Hausnummer. Feuerwerke faszinieren Groß und Klein gleichermaßen und selbst all jene, die kein Geld für Feuerwerkskörper ausgeben, zieht es nach draußen, um das Himmelsspektakel in Augenschein zu nehmen und es auch zu fotografieren – damit hat man dann auch gleich die erste Aufnahme für das Fotojahrbuch 2015. Nachstehend 11 Tipps, damit Ihre Feuerwerksaufnahmen zu Volltreffern werden.

  1. Für überzeugende Feuerwerksaufnahmen muss das Wetter mitspielen. Wenn es neblig und/oder der Himmel tief wolkenverhangen ist, so sind das keine guten fotografischen Voraussetzungen für brillante Aufnahmen. Regnet es gar würden wir das Fotografieren lassen.

  2. © Fotograf: Reyhan Sanda, Feuerwerk, Blende-Fotowettbewerb
    © Fotograf: Reyhan Sanda, Feuerwerk, Blende-Fotowettbewerb
    Früh dran sein sollte man zudem, denn mit jeder Rakete die gen Himmel geschossen wird, steigt der Dunst am Himmel. Dies hat natürlich – wie der bereits angesprochene Nebel – Einfluss auf die geschossenen Bilder.

  3. Der fotografische Standpunkt entscheidet wie so oft in der Fotografie über die Bildwirkung. Dieser sollte beim Ablichten von Feuerwerken möglichst erhöht sein. Das kann ein Balkon im vierten Stock ebenso sein wie die Dachterrasse in 20. Stock. Je höher der Standpunkt gewählt wird, desto näher ist man als Fotograf am Feuerwerk und das verschafft einem schlichtweg mehr Zeit. Ratsam ist es, sich schon vor dem Feuerwerk Gedanken über einen möglichen Standpunkt zu machen.

  4. Der Akku der Kamera gehört im Vorfeld geladen – ratsam ist ein Ersatzakku, denn in der kalten Jahreszeit verlieren Akkus bekanntlich schneller an Leistung. Auch an eine Ersatzspeicherkarte ist zu denken, denn möglicherweise hat man schon im Vorfeld ganz viele Bilder geschossen beziehungsweise Videossequenzen gedreht, so dass es mit dem Speicherplatz knapp werden könnte.

  5. © Fotograf: Silvia Schmitz, Feuerwerk Annakirmes, Blende-Fotowettbewerb
    © Fotograf: Silvia Schmitz, Feuerwerk Annakirmes, Blende-Fotowettbewerb
    Prädestiniert für überzeugende Feuerwerksaufnahmen sind Kameras mit Wechseloptik, also kompakte System- und Spiegelreflexkameras. Diese gilt es, mit einem Weitwinkelobjektiv zu bestücken, denn das garantiert mit seinem größeren Bildausschnitt eine höhere Ausbeute an brillanten Aufnahmen. Fällt die Wahl auf ein Zoomobjektiv, so lässt sich mit ihm der Bildausschnitt umgehend ändern und so zwischen Detail und Umgebung schnell wechseln. Teleobjektive setzen ein großes Gespür für die Flugbahn der Feuerwerkskörper voraus. Wenn Teleobjektive zum Einsatz kommen, dann sollten es leichte sein, denn aus unserer Sicht hat man mit einem Supertele mit Brennweiten von mehr als 600 mm verloren. Kompaktkameras, gerade die Superzoomkameras – auch als Bridgkameras bezeichnet – liefern mit ihrem Zoombereich auch überzeugende Aufnahmen, erst recht dann, wenn man als Fotograf auch manuell Einfluss nehmen kann. Feuerwerke mit Smartphones einzufangen, kann man sich aus unserer Sicht ersparen, außer man ist im Besitz eines Gerätes mit hochwertiger Fotofunktion – und davon gibt es derzeit nur wenige Modelle.

  6. Wichtigstes Zubehör für die Feuerwerksfotografie ist das Stativ. Wichtig ist, dass Kamera und Stativ eine Einheit bilden. Das heißt, dass die Traglast des Stativs auch auf die Kameraausrüstung ausgelegt ist. Ist dem nicht so, kann das Stativ schnell in die Knie gezwungen werden, was die Beschädigung der Ausrüstung nach sich ziehen kann. Um Erschütterungen durch das Auslösen der Kamera zu verhindern, ist ein Fernauslöser empfehlenswert. Ob man sich für einen Kabel- oder Funkfernauslöser entscheidet, ist egal. Erstgenannte gelten als „ausfallsicherer“.

  7. © Fotograf: Elena Martin, When dreams come true, Blende-Fotowettbewerb
    © Fotograf: Elena Martin, When dreams come true, Blende-Fotowettbewerb
    Am Objektiv ist der AF auszuschalten und der Fokus manuell auf unendlich zu stellen. Der ISO-Wert sollte gerade bei älteren Kameramodellen so niedrig wie nur möglich gewählt werden. Dies reduziert mögliches Rauschen, wodurch die Bildqualität erhöht wird. Neuere Kameramodelle zeichnet aus, dass mit höheren ISO-Einstellungen fotografiert werden kann, ohne dass die Aufnahmen verrauschen.

    Ratsam ist der Base ISO-Wert der Kamera, da hier der maximale Kontrastumfang genutzt werden kann. Über das Internet kann dieser in Erfahrung gebracht werden – einfach das Kameramodell eingeben.

  8. Da es beim Fotografieren von Feuerwerken darum geht, Schweife abzulichten, ist eine längere Belichtungszeit erforderlich, weshalb man mit einer Blende zwischen 8 und 16 fotografieren sollte. Die Belichtungszeit wird dann bei rund drei Sekunden liegen. Es empfiehlt sich, die Blende eher geschlossen zu halten, um die Schärfentiefe zu erhöhen und, falls es die Explosionen am Himmel erlauben, lieber etwas länger zu belichten. Probieren geht bekanntlich über Studieren und dazu zählt auch die Wahl einer optimaler Zeit- und Blendekombination, die nicht zu weißen Flächen führt.

  9. © Fotograf: Thomas Appel, Miltenberg in Love, Blende-Fotowettbewerb
    © Fotograf: Thomas Appel, Miltenberg in Love, Blende-Fotowettbewerb
    Manche Fotografen stellen die Blende im Vorfeld ein, drehen die Belichtungszeit so lange hoch, bis die Kamera „Bulb“ anzeigt. In diesem Modus wird der Verschluss geöffnet, sobald man den Fernauslöser/Auslöser das erste Mal gedrückt hat. Wird dieser erneut gedrückt, schließt sich der Verschluss. Der Fotograf hat so die Möglichkeit, ganz genau die Dauer seiner Belichtung zu bestimmen und kann natürlich auch entsprechend auf die unterschiedlichen Feuerwerkskörper reagieren.

  10. Mit der Belichtung sollte man im besten Fall beginnen, bevor die Raketen abgeschossen werden. Das Glück entscheidet über die Bildausbeute. Nicht jeder „Schuss“ wird also zu einem Volltreffer. Sehr viele Fotografen greifen zur Serienbildfunktion, wählen kürzere Belichtungszeiten und kombinieren die Einzelaufnahmen zu einer eindrucksvollen Collage.

  11. Aktuelle Kameramodelle verfügen vielfach über den Menüpunkt „Feuerwerk“. In diesem Modus sind vom Werk aus die Einstellungen so gewählt, dass die Aufnahmeparameter optimiert für Feuerwerksaufnahmen sind.

Und nun noch zur Geschichte des Feuerwerks: Nach Informationen von Wikipedia gab es die ersten Feuerwerke wahrscheinlich in China während der Song-Dynastie, die sich jedoch nicht durch einen Licht-, sondern durch einen Knalleffekt auszeichneten. Im späten 14. Jahrhundert entwickelte sich in Italien (erste Nennung in Vicenza, 1379) aus dem Gebrauch des Schwarzpulvers eine eigenständige Feuerwerkskunst, die sich dann in ganz Europa verbreitete. Zur Kunstform wurde es insbesondere in Japan weiterentwickelt. Dort „Blumen aus Feuer“ genannt und diente religiösen Zwecken. Feuerwerke dienten in Europa seit der frühen Neuzeit – wichtige Namen hierzu waren Amédée-François Frézier (1682–1773) und Perrinet d’Orval – der höfischen Repräsentation und wurden im Barock zu einer eigenen Art von Veranstaltung weiterentwickelt. Hierbei stand immer der politische Charakter im Vordergrund.

Fotografieren in der Praxis 12 / 2014

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