Fototipp: Eine runde Sache – 360 Grad Panoramas

Marcus Scholz, Eine Runde um das Schloss Hundisburg, Blende-Fotowettbewerb
Marcus Scholz, Eine Runde um das Schloss Hundisburg, Blende-Fotowettbewerb
Die Technik sowohl im Aufnahme- als auch im Softwarebereich macht die sogenannten 360 Grad Panoramas, die gern auch als Little Planet oder Kugelpanoramas bezeichnet werden, für jedermann möglich. Dem „Blende“-Teilnehmer Marcus Scholz ist mit seinem Wettbewerbsbeitrag „Eine Runde um das Schloss Hundisburg“, eingereicht zur diesjährigen thematischen Vorgabe „Schätze der Region“, eine sehenswerte und nicht alltägliche Ansicht des Schlosses Hundisburg gelungen. Er führt zu seiner Aufnahme, die aus vielen Einzelaufnahmen mit Hilfe von Software zusammengesetzt wurde, aus: „Der regionale Schatz, das Schloss Hundisburg mit dem bekannten Barockgarten, der Obstplantage und seinen inneren Schätzen, wie z.B. der Apel Kunstsammlung, ist wohl weit über die Region hinaus bekannt. Zur Erstellung dieser etwas ungewöhnlichen Ansicht habe ich eine Digitalkamera an einem Multicopter genutzt. Aus 54 einzelnen Aufnahmen entstand dann am PC diese Fotografie. Abgesehen von der Zusammensetzung der Aufnahme habe ich bewusst keine weiteren drastischen Bildbearbeitungen vorgenommen.“

In Zeiten von Virtual Reality werden 360-Grad-Panorama-Aufnahmen immer populärer. Sie gestatten eine ganz andere Sicht auf Motive. Solche Aufnahmen beispielsweise auch in XXL als Wandbild ausgegeben, sind ein Blickfang der besonderen Art. Nicht jeder hat, wie der „Blende“-Teilnehmer Marcus Scholz, die Gelegenheit, mit dem Aufnahmegerät unter zu Hilfenahme eines Multicopters abzuheben, weshalb der überwiegende Teil der aktuell zu sehenden 360-Grad-Panoramen von der Erde aus entstehen.

Ungleich aufwändiger sind 360-Grad-Panoramas aus der Luft. Hier hat man nicht die Option, dem Aufnahmesystem einen festen Stand zu bieten und es absolut in Waage auszurichten – erst das gewährleistet nämlich, dass alle Aufnahmen der Rundumsicht waagerecht und auf der gleichen horizontalen Ebene liegen, was die Zusammenführung der Einzelaufnahmen zu einer Rundumansicht deutlich vereinfacht. Ein weiterer Punkt, der 360-Grad-Aufnahmen aus der Luft erschwert ist die Tatsache, dass die Aufnahmeeinheit bestehend aus Multicopter und Kamera, auch Luftturbulenzen ausgesetzt ist. Daher müssen die Witterungsbedingungen hinsichtlich der Winde ebenfalls mitspielen.

Wichtig für brauchbare Einzelbilder aus der Luft, die zu einem 360-Grad-Panorama zusammen verschmelzen ist, dass der Multicopter an der gleichen Position am Himmel steht. Aus diesem Grund empfiehlt es sich, im GPS Modus zu fliegen. Ist man im Besitz eines älteren Copters, bei dem das Auslösen der Fotos in der Regel nicht automatisch geschieht, muss man die Intervall-Foto-Funktion nutzen und zwar im Abstand von 2-5 Sekunden. Die Steuerung erfolgt über eine App. Eine weitere Option ist der Fotomodus „Zeitintervall“. Dieser sollte auf 5 Sekunden eingestellt sein, da man, wenn man mit FPV fliegt, bei einem Zeitintervall von 2 Sekunden (oder weniger) kein FPV Bild mehr auf dem Monitor / der FPV Brille angezeigt bekommt. FPV führt, hervorgerufen durch kurze Ausfälle oder schlechte Signalstärke, immer wieder zu Streifen in Bildern. Diese können mit einem LC Filter beseitigt werden.

Ist der Multicopter in der Luft, dann ist es für 360-Grad-Panoramen wichtig – ohne ihn sonst zu bewegen – gleichmäßig in eine Richtung im Kreis (360 Grad) zu drehen. Die einzelnen Aufnahmen sollten sich immer ca. 1/4 bis 1/3 überlappen. Je nach Intervallgeschwindigkeit muss die Drehgeschwindigkeit angepasst werden. Wird mit FPV geflogen, so gelingt die Positionierung gut. Sobald eine Aufnahme im Kasten ist, wird der Copter ein Stück weiter im Uhrzeigersinn gedreht. Ratsam für den horizontalen Ausgleich ist ein Gimbal. Hat man diesen nicht, so muss darauf geachtet werden, dass der Copter gerade in der Luft steht und der Horizont eine waagrechte Linie bildet. Die Praxis zeigt, dass es Ratsam ist, zwei, drei Bilder aus der gleichen Position aufzunehmen und den Copter dann in die nächste Aufnahmestellung zu bringen. So kann man später aus den Bildern, aufgenommen aus der gleichen Perspektive, das Beste heraussuchen. Kommt ein extremes Weitwinkelobjektiv zum Einsatz, so kommt es zum sogenannten Fisheye-Lense-Effect. Die Aufnahme wirkt verzerrt und gerade Linien, wie der Horizont, werden gekrümmt abgebildet. Würde man diese Einzelaufnahmen, ohne sie zu korrigieren, zu einem Panorama vereinen, dann kommt es zu einem welligen Horizont. Vermeiden lässt sich dieser, wenn der Horizont während der Aufnahme möglichst mittig platziert wird.

Sind alle Aufnahmen im Kasten müssen sie am Rechner anschließend zu einem 360-Grad-Panorama zusammengeführt werden. Hierfür gibt es spezielle Softwareprogramme. Mit Adobe Photoshop gelingt dies auch perfekt.

Fotografieren in der Praxis 12 / 2016

1 Kommentare

"Panoramas"? -> sollte man eigentlich wissen... -> http://www.duden.de/rechtschreibung/Panorama

Henning Sauer

von Henning Sauer
08. Dezember 2016, 07:39:28 Uhr

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