Alte Objektive an neuen Kameras - Meist nur ein Kompromiss

Moderne, für die Digitalfotografie gerechnete Objektive sind die optimale Wahl, wenn es darum geht, perfekte Bildergebnisse zu erzielen. Sie sind exakt auf die in den Kameras verbauten Sensoren abgestimmt, deren interne Bildverarbeitung zudem auch eventuelle Abbildungsschwächen digital optimieren können. Die optische Konstruktion lenkt die Lichtstrahlen möglichst telezentrisch, also senkrecht und parallel auf den Sensor, so dass sie optimal auf die einzelnen Pixeln treffen. Neben den optischen Eigenschaften tragen aber zunehmend auch die mechanischen Verbesserungen moderner Objektivkonstruktionen wesentlich zur Ergebnisverbesserung aktueller Objektive bei. Die Autofokus-Antriebe und Steuerelemente sind schneller und präziser. Moderne Bildstabilisatoren minimieren die Zahl unscharfer Bilder durch Verwacklung.

Blende, Zeig\'s mir, Baby, Micaela Ortenstein

Doch nicht immer stehen dem Fotografen die neuesten und besten Objektive mit innovativer Technik für beste Bildergebnisse zur Verfügung. Manche Spezialobjektive oder extreme Weitwinkel- und Telebrennweiten gibt es für einige Kameras noch gar nicht oder man kann sie sich derzeit noch nicht leisten, da man erst in einen neuen Kamerabody investiert hat. Nicht selten liegen aber auch optische Schätze aus analogen Zeiten in den Schränken, die – meist allerdings mit Einschränkungen an Bedienungskomfort – durchaus überzeugende Ergebnisse liefern. Zu diesen Einschränkungen zählen in den meisten Fällen der Verzicht auf die automatische Scharfstellung und die automatische Blendensteuerung.

Auch besitzen ältere Objektive oder die Produkte anderer Kamerasysteme keinen passenden Anschluss, so dass sie nur über spezielle Adapter verwendet werden können. Voraussetzung für die Adaption systemfremder Objektive ist, dass sie ein größeres Auflagenmaß, darunter versteht man den Abstand zwischen Sensoroberfläche und Objektivauflage, besitzen als die Kamera, an die sie adaptiert werden sollen. Da die Objektivadapter zwischen Objektiv- und Kamerabajonett montiert werden, verlängern sie praktisch wie ein Zwischenring das Auflagenmaß. Daher sind mechanische Qualität und die Präzision der verwendeten Adapter von eminenter Bedeutung für die zu erwartenden Bildergebnisse. Schon minimale Differenzen können Qualitätseinbußen verursachen.

Kamerasysteme mit größeren Aufnahmeformaten besitzen meist ein größeres Auflagenmaß als solche mit kleineren Bildflächen. Daher ist die Adaption der Objektive von Kamerasystemen mit größeren Aufnahmeformaten an Kameras mit kleineren Aufnahmeformaten oder an spiegellosen Kameras, die ebenfalls kurze Auflagemaße besitzen meist möglich, umgekehrt jedoch nicht. Generell lässt sich daher sagen, dass sich digitale Spiegelreflexkamera-Kleinbildobjektive an kompakten Systemkameras adaptieren lassen, ebenso Mittelformatobjektive an digitalen Spiegelreflex- oder kompakten Systemkameras. Da die Lichtstrahlen konstruktionsbedingt bei Weitwinkelobjektiven schräger auf die Bildfläche des Sensors fallen als bei Teleobjektiven, sind die zu erwartenden Qualitätseinbußen bei diesen Objektivtypen größer als bei den Fernoptiken, deren Strahlen von Haus aus senkrecht auf den Sensor treffen.

Die meisten Adapter für Fremdobjektive ermöglichen nur eine mechanische Verbindung zwischen Objektiv und Kamerasystem. Der elektronische Informationsaustausch, wie er zwischen modernen Kameras und Objektiven stattfindet, ist also nur mit wenigen Adaptern möglich, die wegen der zusätzlichen Elektronik auch entsprechend teurer sind. Stehen Adapter zur Verfügung, die auch die elektronische Kommunikation zwischen Kamera und Objektiv gewährleisten, so sind keine oder nur minimale Qualitätseinbußen zu befürchten. Dabei ist allerdings auch anzunehmen, dass es sich bei einem Objektiv mit integrierter Elektronik für den Datenaustausch mit der Kamera zur Blenden- und Schärfensteuerung um eine modernere Konstruktion handelt.

Manche modernen Objektive mit elektronischer Blendensteuerung besitzen keine Möglichkeit der Blendenwahl am Objektiv. Diese lassen sich entweder nur mit offener Blende oder gar nicht adaptieren und verwenden oder sie besitzen einen Blendenmitnehmer am Bajonett, über den manche Adapter die Blende variieren können. Belichtet wird dann entweder mit Zeitautomatik oder manuell.

Grundsätzlich ist die Verwendung älterer Objektivkonstruktionen an modernen Kameras ein Kompromiss hinsichtlich Bildqualität und Bedienkomfort. Für manche hochwertige Objektivkonstruktion aus analogen Zeiten gibt es jedoch für einige Digitalkamerasysteme noch keine Alternative. Hier erweist sich die Verwendung mit einem hochwertigen Adapter als die einzige Möglichkeit und als ein sinnvoller Weg.

Fotografieren in der Praxis 07 / 2012

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5 Kommentare

Habe auch "nur" ein ALPHA 290 und daran einen RICHTIG alten "Scherben" (Soligor 70-300), der ursprünglich an einer analogen Minolta seine Dienste verrichtet hat. Ich hab eher das umgekehrte Problem wie fotohorst; der AF funktioniert (okay manchmal ist er ein wenig langsam), im manuellen Modus hingegen "hängt" er manchmal... und man bekommt die Einstellringe nicht ohne rohere Gewalt bewegt. Ich denke, solange man keine Profi-Ambitionen hat, und solange die analogen Objektive ohne Adapter auf die DSLR passen... Why not... VG

von DJohnny79
25. Juli 2012, 17:50:10 Uhr

An der alpha 55v habe ich sowohl ein Sigma 28-300 als auch ein Tamron mit 28-300 verwendet. Die Ergebnisse waren zufriedenstellend hinsichtlich Schärfe und Brillanz.Allerdings "hakten" beide schon nach relativ kurzer Zeit bei Autofokusbetrieb. Manuell noch bedingt verwendbar. Verschiedene weitere Objektive aus Minolta-zeiten lassen sich mit ähnlichen Ergebnissen verwenden.Bisher ohne Beeinträchtigung.

von fotohorst
20. Juli 2012, 10:56:00 Uhr

Ich besitze u.a. ein Minolta 1,4/50mm alter Art. Im vergleich mit einem SONY DT 18-70 ist dieses bei 50mm eine Glasscherbe. Selbst bei über 200 Testaufnahmen an einer A77 hat es sich im direktem Vergleich mit einem 800€ teurem Zeis objektiv wacker geschlagen.

von Peter Köhler
18. Juli 2012, 17:54:54 Uhr

Ich habe Minolta MD 70-200 an der Lumix G2 mit Novoflex-Adapter mit bescheidene Erbnissen erzielt.

von Welfi
18. Juli 2012, 17:08:58 Uhr

Ich habe einige alte Objektive probiert, aber sogar Leica M Weitwinkel haben mich an meiner Olympus MFT/FT nicht überzeugt. Tele (90mm & 135mm) sind prima, allerdings beim Scharfstellen trotz Lupenfuktion der Kamera schwierig. Auch das Nikon 2,8/80-200 liefert gute Ergeblisse. Was ich an Nikon D80 und D700 erlebt habe, ist beschämend. Auch AF-D Objektive sind teilweise eine Zumutung, an der D700 sind aber ja auch ganz aktuelle Nikon-Objetive teilweise wenig brauchbar. Wer mit dieser Arroganz leben kann........

von Pete
18. Juli 2012, 11:05:52 Uhr

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