Analogfotografie - Günstig zum eigenen Heimlabor

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Ein eigenes Labor, das war früher der Traum eines jeden Fotografen. Dann kam die Digitalfotografie und plötzlich wollte niemand mehr eine Dunkelkammer im Keller haben. Aber wie das so ist, die guten Sachen kommen immer wieder und so richten sich heute viele Fotografen wieder ein eigenes Heimlabor ein. Wer sich auf dem Gebrauchtmarkt umschaut, kann die nötigen Gerätschaften recht günstig erstehen. Ein Leitfaden.

Bevor es auf die Jagd nach Gebrauchtgeräten geht, sollte natürlich erst einmal klar sein, was man damit machen möchte. Wer nur Filme entwickelt und anschließend die Negative auf den Scanner legt, braucht natürlich keine Entwicklungsschalen für Fotopapiere und auch keinen Vergrößerer. Nachdem in den vergangenen Jahren zahlreiche Schulen und Clubs ihre Labore aufgelöst haben, gibt es inzwischen nur noch wenige Kompletteinrichtungen auf dem Markt. Dann bleibt nur noch die Möglichkeit, alles einzeln zu kaufen. Hier ist die Checkliste.

Für das Entwickeln von Filmen wird gebraucht:

  • Entwicklungsdose mit Spulen
  • Ein Thermometer
  • Chemie für die Filme, also Entwickler, Fixierer, Netzmittel
  • Vorratsflaschen für Chemie und Trichter
  • Ein Messbecher
  • Idealerweise auch noch eine Mensur für die Feinabstimmung
  • Eine Stoppuhr

Für Schwarzweißabzüge auf Papier muss die Liste um einige Punkte erweitern werden:

  • Ein Vergrößerer samt Vergrößerungsobjektiv und Timer
  • Ein Satz Gradationsfilter (für Multigradationspapier)
  • Drei Schalen für Chemie
  • Drei Zangen, um die Papiere in die Chemie hinein zu legen und wieder heraus zu nehmen
  • Ein Vergrößerungsrahmen – macht das Leben einfacher
  • Dunkelkammerbeleuchtung
  • Entsprechende Chemie

Zwar ist das Angebot im Gebrauchtmarkt in den vergangenen Jahren ein bisschen dünner geworden, die Vielfalt ist dennoch enorm. Deshalb hier ein paar Tipps, auf was man beim Kauf der Laborausrüstung achten sollte. Bei der Hardware, und vor allem bei Gebrauchtwaren, sollte der Fokus in jedem Fall auf Markenware gelegt werden. Das ist nicht unbedingt nur eine Frage der Qualität, sondern auch eine Frage der Ersatzteilbeschaffung. Gut etablierte Marken sind in der Regel mit einer großen Anzahl von Produkten auch auf dem Gebrauchtmarkt erhältlich. Wer das beachtet, kann bei den Entwicklungsdosen beispielsweise kaum etwas falsch machen. Da bleibt dann nur noch die Frage, wie groß die Dosen eigentlich sein sollen. Es gibt sie in den unterschiedlichsten Größen. Die Frage, welche die richtige ist, lässt sich mit einem Blick auf das verwendete Filmmaterial leichter beantworten. Wer üblicherweise Kleinbildfilme entwickelt, kommt mit einer mittelgroßen Dose gut zurecht. Denn auch, wenn die nur zu einem kleineren Teil gefüllt ist, bleibt der Chemie-Einsatz bei der Kippe Entwicklungen gleich. Besonders kleine Dosen sind deshalb in der Regel nicht nötig. Wer Rollfilme entwickelt, also die Formate 110 und 220, und dies in großer Zahl, braucht eventuell von Anfang an eine größere Entwicklungsdose.

Beim Thermometer kann man kaum etwas falsch machen. Quecksilberthermometer sind nur noch auf dem Gebrauchtmarkt zu haben. Wir sicher gehen will, besorgt sich im Laborhandel ein modernes Thermometer, das mit einer ungefährlichen Flüssigkeit gefüllt ist. Labormaterial bekommt man übrigens im Fachhandel, ein netter Apotheker kann dies ebenfalls bestellen. Diese Quelle ist vor allem dann hilfreich, wenn man einen Entwickler, wie beispielsweise Rodinal, verwendet, der nur in geringen Mengen dosiert wird. Dann kann eine Pipette aus der Apotheke die Arbeit sehr erleichtern. Ansonsten ist eine Mensur das Mittel der Wahl.

Den Messbecher gibt es entweder in „Mamas“ Küche (bitte nach Gebrauch im Labor belassen und nicht wieder zurücktragen) oder im passenden Fachgeschäft. Die Stoppuhr muss nicht unbedingt das teure Tischmodell sein, da reicht auch ein kleiner Timer aus dem Discounter. Bleiben noch die Vorratsflaschen für die Filmchemie. Auch diese sind gebraucht in großer Anzahl auf den Markt. Auf keinen Fall sollten dafür Getränkeflaschen verwendet werden, zu groß ist die Gefahr, dass ein Durstiger daraus mal einen großen Schluck nimmt. Dann bleibt eigentlich nur noch das Problem mit dem Verdunkeln des Labors. Wer nur Filme entwickelt, kann diese in einem Wechselsack, der möglichst groß sein sollte, auch im hellen Zimmer machen. Denn dunkel muss es nur sein, wenn die Filme aus der Filmdose in die Entwicklungsdose kommen. Das hantieren mit Chemie und alle weiteren Arbeitsschritte können im Hellen erfolgen.

Wer allerdings auf Papier Abzüge machen möchte, der braucht tatsächlich eine Dunkelkammer – denn schließlich darf das Fotopapier auf keinen Fall Tageslicht ausgesetzt werden. Aber auch da gibt es die günstige Variante. So lassen sich Fenster mit Teichfolie aus dem Baumarkt (doppelt legen) wirkungsvoll verdunkeln. Dann bleibt vielleicht nur noch das Licht, das unter der Türe durchscheint. Aber da kann ja ein kleiner Teppich oder ein Handtuch Abhilfe schaffen.

Was die Auswahl an Markengeräten angeht, gibt es beim Vergrößerer kaum Probleme. Denn was gebraucht angeboten wird, ist meist ein Markenprodukt. Auch hier stellt sich die Frage, welches Modell es denn sein soll. Das ist vor allem abhängig von der Größe der Negative. Kleinbildnegative lassen sich in einem Gerät mit einem 50-mm-Objektiv problemlos vergrößern. Wer dagegen Mittelformatnegative zu Papier bringen möchte, sollte zu einem Objektiv mit mindestens 80 mm Brennweite greifen, da es sonst zu Abschattungen an den Rändern kommt. Alternativ kann auch ein spezielles Weitwinkelobjektiv eingesetzt werden, das allerdings ist vergleichsweise teuer. Gleichzeitig braucht deshalb eine Vergrößerung von einem Mittelformatnegativ viel mehr Platz – man möchte ja nicht nur im Postkartenformat Abzüge machen. Entsprechend sollte der Vergrößerung hier eine Nummer größer ausfallen. Auf jeden Fall sollte der Vergrößerer eine Filterhalterung oder -schublade haben. Beim Timer, also der Zeitschaltuhr für den Vergrößerer, sollte darauf geachtet werden, dass dieser einen separaten Schalter für den Fokus hat. Sonst muss zum Scharfstellen und Belichten immer an der Zeit gedreht werden. Digitale Geräte sind da sehr komfortabel zu bedienen.

Kaum etwas falsch machen kann man bei der Dunkelkammerbeleuchtung. Rote, rotbraune oder gelbbraune Beleuchtung ist für die meisten PE-Papiere in Ordnung. Wird Spezial- oder Barytpapier eingesetzt, sollte man die Empfehlungen des Papierherstellers beachten.

Ist der Gebrauchtkauf der Hardware im Prinzip problemlos möglich, sollte man beim Kauf von Chemie und Papier schon vorsichtiger sein. Denn Chemie hält sich nur eine gewisse Zeit lang, es sei denn, sie liegt als Pulver vor. Heikel ist auch Fotopapier, da es mit den Jahren an Qualität verliert, vor allem, wenn es nicht sachgerecht gelagert wird. Wenn dann ein unbedarfter Verkäufer sein Papier auch noch auf dem Küchentisch ausbreitet, um es für eine Auktion zu fotografieren, dann ist dieses Fotopapier ohnehin hinüber. Das hört sich absurd an, kommt aber immer wieder vor. Gerade Anfänger sollten hier lieber ein paar Euro mehr investieren und neue Ware im Fachhandel kaufen. Denn wenn etwas schief geht, wer weiß dann schon, wo der Fehler lag? Am Ende sucht man ewig bei seiner Arbeitsweise, nur um dann herauszufinden, dass das Papier vorher schon teilbelichtet war.

Gar nichts falsch machen kann man dagegen bei den Entwicklungsschalen. Idealerweise kauft man diese in drei verschiedenen Farben, um immer wieder die gleichen Schalen für Entwickler, Stoppbad und Fixierer verwenden zu können. Und auch bei den Zangen sollte man nicht sparen, sondern drei verschiedene einsetzen. Die werden dann immer nur in eine Richtung bewegt, vom Entwickler ins Stoppbad, vom Stoppbad in den Fixierer und vom Fixierer zur Schlusswässerung. Wer nämlich sein Stoppbad in den Entwickler verschleppt, kann ganz schnell sein blaues Wunder erleben, wenn der Entwickler umkippt.

Und wie ist das eigentlich mit dem Trocknen von Filmen? Auch dafür gibt es eine günstige Lösung. Entweder man kauft gebrauchte Filmklammern oder aber man greift zu Wäscheklammern. Allerdings rutschen nasse Filme gerne aus Plastikklammern heraus, deshalb hier der ultimative Tipp: Wäscheklammern aus Holz benutzen.

Fotografieren in der Praxis 12 / 2013

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