Architekturfotografie - Die Wahl der Optik

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© Blende, Norbert Well, Living in a Box

Stellt man sich der Architekturfotografie, so mangelt es einem an Motiven wahrlich nicht, denn Bauwerke gibt es wie Sand am Meer. Aber nicht nur das – Bauwerke laufen nicht weg und man hat quasi alle Zeit der Welt, sie ins rechte Licht zu rücken und die künstlerische Tätigkeit zu dokumentieren. Mit dem reinen Ablichten ist es natürlich nicht getan. Als Fotograf hat man die Option, sich ebenso als Künstler mit einzubringen, das macht die Architekturfotografie so spannend und lässt Bauwerke immer wieder in einem ganz anderen Licht erscheinen.

Spiegelreflex- und kompakte Systemkameras sind für die Architekturfotografie durch die Option des Objektivwechsels prädestiniert. Als Optik bieten sich Ultraweitwinkelobjektive aber auch Fisheye-Objektive an. Im Gegensatz zu konventionellen Nicht-Fischaugen-Objektiven ist seine Projektionsweise nicht gnomonisch. Gerade Linien, die nicht durch die Bildmitte laufen, werden gekrümmt abgebildet; die Abbildung ist stark tonnenförmig. Es bildet Flächenverhältnisse meist getreuer ab als ein gewöhnliches, gnomonisch projizierendes Weitwinkelobjektiv und besitzt einen sehr großen Bildwinkel (meist 180° in der Bilddiagonalen, im Extremfall sogar bis zu 220°), der mit einer kurzen Brennweite und der speziellen Projektionsweise erreicht wird; Bildwinkel von 180° oder mehr sind mit der konventionellen gnomonischen Projektionsweise nicht erreichbar. Trotz der außergewöhnlich großen Bildwinkel ist der Helligkeitsabfall zum Bildrand hin relativ leicht korrigierbar, weil der Abbildungsmaßstab zum Bildrand immer kleiner wird und sich das Licht somit auf eine kleinere Fläche konzentriert. Beim Einsatz von Fisheye-Objektiven gilt es darauf zu achten, dass der Horizont durch die Bildmitte läuft. Sehr beliebt in der Architekturfotografie ist auch der Einsatz sogenannter Shift-Objektive mit denen sich stürzende Linien vermeiden lassen. Hierbei handelt es sich um Spezialobjektive. Die Shift-Funktion verschiebt das gesamte Linsenpaket parallel zur Film- beziehungsweise Sensorebene. Dabei rückt die Mitte der optischen Achse vom Film- beziehungsweise Sensorfenster weg, das den Bildausschnitt definiert. Die klassische Anwendung findet das Shift-Verfahren in der Architekturfotografie. Wird das Objektiv nach oben verschoben, lässt sich eine Hausfassade vom Boden aus ohne stürzende Linien fotografieren, weil die Objektivebene parallel zum Motiv steht. Möglich wird das durch einen größeren Bildkreis als bei den sonst üblichen Linsen. Innerhalb dieses Bildkreises kann durch das Verschieben des optischen Apparats der für die Aufnahme genutzte Bildausschnitt frei gewählt werden. Mit der Anschaffung eines Shift-Objektivs sollte man dann liebäugeln, wenn die Architekturfotografie der Schwerpunkt ist. Diese Objektive sind recht kostspielig und stürzende Linien lassen sich auch dadurch minimieren, dass man so weit wie möglich zurücktritt und heranzoomt. Die stürzenden Linien sind umso geringer ausgeprägt, je länger die Brennweite gewählt wird. Eine weitere Option ist es, einen erhöhten Standpunkt einzunehmen – zum Beispiel vom gegenüberliegenden Gebäude aus. Verfügt die Kamera über einen Panoramaassistenten, so hat man die Option, das Gebäude mit drei oder mehr Einzelbildern einzufangen die – je nach Fotoapparat – automatisch zu einer Aufnahme vereint werden. Bietet die Kamera diese Möglichkeit nicht, so muss auf ein Bildverarbeitungsprogramm zurückgegriffen werden.

Ein Stativ ist in der Architekturfotografie ebenso Pflicht wie ein hochwertiger Kopf mit einer Wasserwaage. Betrachtet man die unzähligen Architekturaufnahmen auf diversen Portalen so ist immer wieder festzustellen, dass sie an Brillanz gewinnen würden, wenn sie gerade ausgerichtet worden wären. Das beste Licht für Architekturaufnahmen ist am Morgen und am Abend weil dann die Strukturen an den Fassaden besser herausgearbeitet werden können.

Fotografieren in der Praxis 10 / 2013

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