Bildgestaltung - Quer- & Hochformat & Motiv als Punkt

© Fotograf: Kister Josef, Orang Utan, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Kister Josef, Orang Utan
Originalbild, Blende-Fotowettbewerb
Entscheidend für die Bildwirkung ist das Bildformat. Das Querformat entspricht unseren Sehgewohnheiten, weswegen man es vielfach als das normale Format ansieht. Betrachtet man Bildeinsendungen zu Wettbewerben, so sind bestimmt 80 Prozent der Motive im Querformat festgehalten. Das Hochformat – es kommt natürlich auch auf das Motiv an – wird von Fotografen bevorzugt dann eingesetzt, wenn eine auffälligere Wirkung gewünscht ist, da es aus dem Gewohnten heraussticht.

Fotografen verbinden mit jedem Format bestimmte Begriffe. Ferne, Weite, Ruhe, ruhend, beruhigend, Stille, normal und passiv treten oftmals in Verbindung mit dem Querformat auf, während es beim Hochformat Begriffe wie Nähe, nah, Aktion, aktiv, nervös, laut, außergewöhnlich und aggressiv sind. Je extremer bei einem Rechteck – unabhängig ob Quer- oder Hochformat – das Seitenverhältnis ausfällt, desto intensiver ist die Grundaussage. Als ruhiges und ausgeglichenes Format gilt das Quadrat mit seinem starren und gleichbleibenden Seitenverhältnis.

Blende, Kister Josef, Orang Utan
Bildbestimmend und blickführend ist die Positionierung des Motivs als Punkt. Durch seine Platzierung lassen sich unterschiedliche Bildteile betonen, ausgleichen und/oder verstärken. Befindet sich das Motiv/der Punkt in der Bildmitte, so ist es bildbestimmend und die umliegenden Bereiche verlieren an Bedeutung. Die Aufnahme wirkt ausgewogen. Es besteht aufgrund dessen die Gefahr, dass die Aufnahme dadurch sogar langweilig dem Betrachter erscheint. Positioniert man das Motiv, zum Beispiel in der unteren linken Ecke, also asymmetrisch, so gewinnt dieser Bereich an Bedeutung. Sehr beliebt ist die harmonische Bildaufteilung nach den Gestaltungsregeln des Goldenen Schnitts. Je nach Motiv und gewünschter Bildaussage ist es sinnvoll, mit der Positionierung von Motiven im Bild zu spielen und Aufmerksamkeit dadurch zu erzeugen, indem die allgemein üblichen Sehgewohnheiten des Betrachters durchkreuzt werden.

Gerade Einsteiger in die Fotografie, die sich mit dem Bildaufbau und der Positionierung von Motiven noch nicht so intensiv auseinandergesetzt haben, können die Wirkungsweise ganz einfach nachstellen. Man nehme ein Blatt Papier und beispielsweise eine Tomate. Diese wird auf dem weißen Blatt unterschiedlich positioniert. Das hält man mit der Kamera fest und schon weiß man bei der anschließenden Bildbetrachtung, von welcher elementaren Bedeutung die Positionierung eines Motivs ist.

Fotografieren in der Praxis 08 / 2012

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