Blitzgeräte - Die Würfel sind gefallen

Maria Gans - Schuhkult Bildgalerie betrachten

Blende ,“Schuhkult”
Maria Gans

Ein kleiner geschichtlicher Abriss

Photographieren heißt in seiner ursprünglichen Bedeutung: Zeichnen mit Licht. Erst ab einer bestimmten Helligkeit können wir Objekte erkennen und erst dann ist es möglich, sie mit Hilfe einer Kamera als Photographie aufzuzeichnen. Nicht immer sind die Lichtbedingungen ausreichend. Die Photoindustrie hat deshalb schon früh mit transportablen Lichtquellen experimentiert, mit denen sich Motive für den kurzen Augenblick der Belichtung hell beleuchten lassen.

Um eine korrekte Belichtung zu erhalten, muss eine bestimmte Menge Licht auf den Sensor oder Film fallen. Diese wird durch die Dauer der Lichteinwirkung und die Größe der Blendenöffnung in Abhängigkeit von der Film- oder Sensorempfindlichkeit bestimmt. Die hohe Leuchtkraft moderner Blitzgeräte liefert in ihrer extrem kurzen Leuchtzeit genügend Licht, um auch bei schwacher Beleuchtung oder völliger Dunkelheit photographieren zu können.

Die Würfel sind gefallen
Schon in der Frühzeit der Photographie haben sich Tüftler darum bemüht, Photoleuchten zu konstruieren. Die ersten künstlichen Sonnen für die Photographie waren Lampen mit Magnesiumlicht, wie sie in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts von dem Photochemiker Paul Eduard Liesegang vorgeschlagen wurden. Die von ihm gegründete Firma Ed. Liesegang existierte bis 2002. Später nutzten Photographen das deutlich preisgünstigere Blitzpulver, eine Magnesium-Mischung, die sich einfach entzünden ließ und mit ihrer Flamme ein klares, brillantes Licht lieferte. Allerdings war die Verwendung des Blitzpulvers, das es abgepackt in Beutelchen bis Anfang der 60er Jahre noch von Agfa zu kaufen gab, nicht ganz ungefährlich. Viele Unfälle durch Explosionen und Brände, hervorgerufen durch unsachgemäße Behandlung, waren zu beklagen.

Sehr viel komfortabler waren schließlich die später auf den Markt kommenden Blitzgeräte, die mit Blitzbirnen bestückt und direkt durch die Kamera gezündet wurden. Gleich bis zu vier Aufnahmen hintereinander lieferten die auf die Kameras aufsteckbaren Blitzwürfel, die von der Kamera elektrisch oder mechanisch gezündet wurden. Eine Weiterentwicklung waren die für die Sofortbildkameras von Polaroid geeigneten Flashbars, die mit fünf nacheinander nutzbaren Blitzen bestückt waren. Alle diese Blitzlichtquellen waren nur für die einmalige Benutzung geeignet.

Erst mit der Erfindung der Elektronenblitzentladungsröhren kamen batteriegespeiste Blitzgeräte auf den Markt, die nicht nach einmaligem Einsatz erneuert werden mussten und eine größere Anzahl an Blitzaufnahmen in Folge und mit hoher Lichtausbeute möglich machten.

Heute verfügen die meisten Kameras über eingebaute Blitzgeräte, deren Blitzleistung sich von der internen Belichtungsautomatik präzise den herrschenden Lichtbedingungen anpassen lässt. Spiegelreflexkameras können sogar mit einer Blitzautomatik aufwarten, die gleich mehrere Blitzgeräte, teilweise sogar kabellos, für eine optimale Belichtung steuern können.

Von der Kamera steuerbare, externe Blitzgeräte sind für Photographen, die unabhängig vom vorhandenen Licht durch eine individuelle Lichtführung ihre Kreativität zum Ausdruck bringen möchten, unverzichtbar geworden. Sie dienen längst nicht mehr nur zum Ersatz oder zur Unterstützung des Sonnenlichts. Sie sind ebenso kreative Werkzeuge zur Optimierung der technischen Bildqualität wie auch flexible Hilfsmittel für die Bildgestaltung geworden.

Welche Neuheiten die Photo- und Imaging-Industrie im Bereich der künstlichen Sonnen für die Photographie plant und bereit hält wird die diesjährige photokina vom 23. bis 28. September 2008 in Köln in aller Fülle zeigen.

 

Fotografieren in der Praxis 08 / 2008

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