Blitzlicht - Ein unverzichtbares Gestaltungsmittel

© Fotograf: Ruth Lüth, Farbcocktail, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Ruth Lüth, Farbcocktail, Blende-Fotowettbewerb
Die Fotografie lebt vom Licht, wie es ja schon ihr aus dem Griechischen stammender Name andeutet. Als „zeichnen“ beziehungsweise „gestalten mit Licht“ lässt sich das Kunstwort „Photographie“ ins Deutsche übersetzen. Zu einer perfekten Aufnahme gehört eine korrekte Belichtung, zu einem guten Bild aber die optimale Beleuchtung. Viele Fotografen empfinden die Nutzung des vorhandenen Lichts als die schönste und erstrebenswerteste Form der Beleuchtung eines Motivs. Schließlich gibt es unverfälscht die Stimmung einer Situation wieder. Das war in den Zeiten der analogen Fotografie mit ihren begrenzten Filmempfindlichkeiten nicht immer leicht. Romantische Szenen in der Dämmerung, bei Schummerlicht oder Kerzenschein waren schwierig einzufangen und oftmals war der Einsatz von Blitzlicht unvermeidbar, um eine korrekte Belichtung zu erreichen. Der Eindruck entstand, der helle Blitz würde die vorherrschenden Stimmungen zerschlagen. Überbelichtete Objekte oder Personen im Vordergrund und schwarze Hintergründe wegen der geringen Blitzreichweite waren der Grund dafür. Umso willkommener waren die ständig steigenden ISO-Empfindlichkeiten der modernen Digitalkameras, die es heute ermöglichen auch bei sehr dunkler, schwacher Beleuchtung noch natürlich wirkende Fotos und Filme zu machen.

© Fotograf: Julia Fiedler, Welchen Weg wirst du wählen?, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Julia Fiedler, Welchen Weg wirst du wählen?, Blende-Fotowettbewerb
Ein weiteres Handicap, warum viele Fotografen Blitzlicht zu Zeiten der analogen Fotografie nur als notwendiges Übel ansahen, um Licht ins Dunkel zu bringen, war die schwierige Einschätzung seiner Wirkung auf das Bild. Fotografen, die wenig Erfahrung mit der Blitzbeleuchtung hatten, erkannten erst auf dem entwickelten Bild, ob der Blitz falsch oder richtig belichtet oder das Motiv sogar optimal aus- beziehungsweise beleuchtet hat. Nur zu verständlich, das alles, was die Nutzung vorhandener Lichtstimmungen in der Fotografie förderte, willkommen ist.

Doch eine ausreichende Helligkeit für eine korrekte Belichtung zu liefern, ist nur eine – und vermutlich auch die unwesentlichste – Aufgabe von Blitzgeräten. Gekonnt eingesetztes Blitzlicht ist ein wesentliches Gestaltungsmittel der Fotografie und kann sowohl die Bildaussage und -wirkung erheblich beeinflussen sowie die technische Qualität von Aufnahmen auch im Zeitalter hoher ISO-Empfindlichkeiten und leistungsstarker LED-Leuchten für Dauerlicht erheblich verbessern. Ein Grund, warum Blitzlicht heute eine Renaissance erlebt.

Blitzlicht liefert in der Regel eine Beleuchtung mit Tageslichtcharakter. Es kann das vorherrschende, zu Farbstichen führende Licht neutralisieren und so zu einer realistischen Farbwiedergabe beitragen, ohne dass der Fotograf mit dem Weißabgleich seiner Kamera herumexperimentieren muss. Ebenso lässt der Blitz bei trübem Wetter Farben leuchten. Mit ihm lassen sich Schatten aufhellen, um, etwa bei Gegenlichtaufnahmen, im Schnee Farbe in das Bild zurückzubringen. Mithilfe der extrem kurzen Leuchtzeiten der Elektronenblitzgeräte lassen sich beispielsweise bei Makroaufnahmen auch bei extrem kleinen Blenden Bewegungen von Insekten einfrieren – auch, wenn für eine optimale Auflösung und rauscharme Abbildung die niedrigste Sensorempfindlichkeit gewählt wurde. Auch in der Werbung setzen immer mehr Mode-, Action- und Sportfotografen Blitzlicht zur Gestaltung- und Qualitätsverbesserung ihrer Aufnahmen ein.

© Fotograf: Silke Kemmer, Feuertanz, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Silke Kemmer, Feuertanz, Blende-Fotowettbewerb
Kurzzeitblitzen zum Einfrieren von Bewegungen, Langzeitblitzen zum Mischen von vorhandener und Blitzbeleuchtung eines Motivs, Aufhellblitzen und Blitzen auf dem zweiten Vorhang sind wesentliche Gestaltungsmittel, die auch durch Dauerlicht oder hohe Filmempfindlichkeiten nicht ersetzt werden können. Aber sie lassen sich durch komplexe Blitzautomatiken der modernen Systemkameras immer einfacher nutzen. Spezialtechniken, wie indirektes oder entfesseltes Blitzen, lassen sich durch die Möglichkeiten der kabellosen Blitzsteuerung von Jedermann auch ohne großen technischen Aufwand für eindrucksvolle Aufnahmen nutzen.

Wie vielfältig sich Blitzlicht verwenden lässt, zeigt auch das riesige Angebot an Zubehör zur Steuerung und Lenkung von Blitzlicht. Dazu gehören vor allem spezielle Reflektoren und Halterungen, wie beispielsweise Softboxen oder Wabengittervorsätze, zur Lenkung des Lichts und der Beeinflussung seiner Charakteristik ebenso wie Steuerungen für die Auslösung durch Licht, Sound oder Bewegung.

Für viele Situationen, in denen früher für eine korrekte Belichtung noch geblitzt werden musste, ist das Blitzlicht inzwischen durch Verbesserungen der Kameratechnik und leistungsstarke Dauerlicht-Alternativen verzichtbar geworden. Seine Bedeutung als flexibel nutzbares Gestaltungsmittel und effektives Werkzeug zur Steigerung der Bildqualität und für die kreative Bildgestaltung hat es jedoch keinesfalls verloren. Im Gegenteil: Es gibt immer mehr Fotografen, die das Blitzen für die eigene Arbeitsweise und für ihren individuellen Stil für unverzichtbar halten.

Fotografieren in der Praxis 10 / 2013

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