Bühnenfotografie

Ralf Mohr
Ralf Mohr
Das Fotografieren im Theater, in der Oper oder im Varieté stellt an Fotografen und ihre Ausrüstung höchste Ansprüche. So nebenbei gelingen keine überzeugenden, stimmungsvollen Aufnahmen. Zudem sollte man sich als Fotograf darüber bewusst sein, dass nur eine Sache geht: entweder fotografieren oder die Aufführung genießen. Beides lässt sich nur schwer unter einen Hut bringen.

Klar im Vorteil sind jene Fotografen, die Vorstellungen mindestens zweimal besuchen, und zwar das erste Mal ohne Kamera. Hier sollte man die Aufführung einfach auf sich wirken lassen und zum Beispiel ein Gefühl für die wechselnden Farb- und Lichtverhältnisse bekommen, aber auch für Szenen, die man unbedingt fotografisch einfangen möchte. Noch besser ist es natürlich, wenn man, wie der Fotograf Ralf Mohr, abseits einer Aufführung mit ausdrucksstarken Tänzerinnen arbeiten darf. Ihm sind Momentaufnahmen von spannungsgeladenen Energiezuständen trainierter Körper mit außergewöhnlicher Schönheit gelungen. Aber nicht nur das – in seinen Fotografien lebt durch sein Einfühlungsvermögen der Tanz weiter, so dass Außenstehende durch die Fotografien von Ralf Mohr gefangen genommen werden, als wenn sie die Aufführung live miterlebt hätten. Dies ist große Kunst und für alle, die die Herausforderung der Bühnenfotografie suchen, gilt, sich langsam an den Erfolg heranzutasten.

Ralf Mohr
Ralf Mohr
Für überzeugende Bühnenfotos ist ein guter Standpunkt oberstes Gebot. Bei Schulaufführungen ist es meist kein Problem, einen Platz in der ersten Reihe zu erhalten. Eine Loge gibt es hier meist nicht, denn die Aufführungen finden bevorzugt in Aulen statt. Rücksicht sollte der Fotograf natürlich bei all seinem Engagement walten lassen und darauf achten, dass sich die übrigen Besucher durch ihn nicht gestört fühlen.

In Opern-, Schauspielhäusern oder Varietés hat man ganz andere örtliche Begebenheiten. Zunächst sollte hier im Vorfeld abgeklärt werden, ob man fotografieren und wo man sich mit seiner Kamera positionieren darf. Vielfach ist es bei Theater- und Ballettaufführungen so, dass nur im Vorfeld fotografiert werden darf. In zahlreichen Varietés ist das Fotografieren während der Vorführungen gestattet. Wer sicher gehen möchte, sollte dies aber im Vorfeld abklären. Ist der Standpunkt direkt vor der Bühne, so ist der Fotograf dem Geschehen sehr nahe, darf aber während der Aufführung oftmals seine Position nicht wechseln, um die anderen Besucher nicht zu stören. Eine Loge gegenüber der Bühne garantiert freie Sicht auf das Geschehen, aber auch, dass Entfernungen überbrückt werden müssen, was nur mit entsprechender Optik gelingt.

Prädestiniert für die Bühnenfotografie sind Spiegelreflex- und kompakte Systemkameras – mit einer Kompaktkamera kommt man in der Bühnenfotografie nicht weiter. Mit einem 80- bis 200mm-Zoomobjektiv ist man gut beraten. Sind größere Distanzen zu überbrücken, ist ein 300- oder 400mm-Teleobjektiv angesagt. Lichtstark sollten die zum Einsatz kommenden Objektive in jedem Fall sein, denn Blitzen ist ein No-Go, möchte man die Lichtstimmungen auf der Bühne wirkungsvoll einfangen. Festbrennweiten wie 35 oder 50 mm mit Blende 1,8 oder Standardzoomobjektive mit 27 bis 70 mm bei Blende 2,8 bieten sich für Fotos von der Bühnentotalen an.

Bis auf den Autofokus sollte bei der Bühnenfotografie auf alle Automatiken verzichtet werden – wie führte ein Theaterfotograf so treffend aus: „Ob mittenbetonte Integralmessung oder Matrixmessung, ob Blendenautomatik oder Zeitautomatik – die Kamera kann nicht denken und kann nicht wissen, was ich will.“ Gegen die Automatik spricht auch, dass diese zufällige Ergebnisse liefert und jeder höhere Schwarzanteil im Bühnenbild zu Fehlbelichtungen führt. Belichtungszeit und Blende gilt es, entsprechend des gewählten ISO-Wertes, manuell einzustellen. Man sollte sich nicht scheuen, auch eine höhere Empfindlichkeit (höheren ISO-Wert) zu wählen, auch, wenn dies möglicherweise Bildrauschen nach sich zieht. Sind die Bildresultate überzeugend, wird das Bildrauschen von den Betrachtern als nicht störend wahrgenommen. Sofern man über RAW-fähige Software verfügt, sollte in diesem Format fotografiert werden. Es bietet umfangreiche Korrekturmöglichkeiten, die den Aufnahme nur zugutekommen.

Fotografieren in der Praxis 02 / 2013

2 Kommentare

Hallo Herr Höhn, danke für Ihren Kommentar den wir nicht unkommentiert lassen können. Wir besitzen natürlich das Wissen, dass bei großen Aufführungen in den Hauptproben fotografiert wird und die Fotografen überwiegend mit den entsprechenden Häusern unter Vertrag stehen. Es gibt aber auch zahlreiche kleinere Häuser - mit nicht weniger interessanten Aufführungen - wo das nich der Fall ist. Sie Schreiben: Es geht ja nicht einfach darum, irgendein Foto zu machen, es geht darum, die Intentionen der Inszenierung zu folgen, die Regie "weiter zu denken" und dem Zuschauer Bilder zu zeigen, die er nicht unbedingt während der Vorstellung wahrnimmt. Ausserdem muss so ein Bild Interesse wecken und dem potentiellen Zuschauer in die "Vorstellung locken". - Hier stellen Sie in Frage, dass es nicht autorisierten oder weniger professsionellen Fotografen nicht gelingt "weiter zu denken". Sehen Sie, ambitionierte Fotografen haben das große Glück frei von Aufträgen - die mit Geldverdienen verbunden sind - fotografieren zu können. Ihnen gelingen oftmals Fotografien die in nichts nachstehen. In unserem Beitrag haben wir aufgeführt, dass ein 80 bis 200 mm Objektiv die erste Wahl ist. Es gibt aber durchaus Situationen, wo man leider um ein größeres Tele nicht umhin kommt. Denken Sie beispielsweise an die Freilichtbühnen. Wir hätten sicherlich den Artikel besser unterteilen sollen. Prophoto

Prophoto

von Prophoto
15. März 2013, 07:41:29 Uhr

Guten Tag Durch welchen Zufall auch immer bin ich auf dieser Seite gelandet. Beim Durchlesen hat mich das blanke Entsetzen gepackt. Wer hat denn, mit Verlaub, diesen Stuss verfasst? Ich fotografiere seit Jahren fast ausschliesslich professionelle Theaterproduktionen und denke, dass ich einigermassen mit der Materie vertraut bin. Das hier gepostete Thema mag für Amateur- bzw. Schülertheater zutreffen, aber Oper- und Schauspielhäuser haben ganz andere Prioritäten. Zunächst werden die Presse- und Aufführungsfotos ausschliesslich während der Hauptproben fotografiert und in den allermeisten Fällen von Fotografen, die bei den Theatern unter Vertrag stehen. In vielen Häusern im deutschsprachigen Raum wurden sogar die Presse- und Agenturfotografen aus dem Zuschauerraum verbannt. so kürzlich am Opernhaus Zürich. Fotografen stören halt. Nun stellen Sie sich mal die Shuttergeräusche in einer Opern- oder Schauspielaufführung vor. Und raten Sie mal, was das Publikum, die eine Menge Geld für den Sitzplatz ausgegeben haben, dazu sagen würden. Es gibt nicht allzu viele Fotografen. die geräuschlos arbeiten können. Selbst auf Proben muss und sollte man anstandshalber, in sensiblen Situationen, mit einem Soundblimp arbeiten. Das bei dem Fotografieren während der Vorstellungen auch einige rechtliche Probleme zu beachten sind, sei nur am Rande erwähnt. Besonders in der Oper gibt es ganz heikle Sängerinnen und Sänger, die so gar keinen Wert darauf legen, von einem Amateur fotografiert zu werden. Hinzu kommt natürlich, dass diese Bilder gar nicht autorisiert sind und somit nicht verbreitet werden dürfen. In so gut wie allen Programmheften in der Welt des Theaters kann man den deutlichen Hinweis lesen: "Bild- und Tonaufnahmen sind während der Vorstellung nicht gestattet". Das hat seinen Grund. Schlussendlich sei noch auf die Bedeutung der Theaterfotografie hingewiesen. Es geht ja nicht einfach darum, irgendein Foto zu machen, es geht darum, die Intentionen der Inszenierung zu folgen, die Regie "weiter zu denken" und dem Zuschauer Bilder zu zeigen, die er nicht unbedingt während der Vorstellung wahrnimmt. Ausserdem muss so ein Bild Interesse wecken und dem potentiellen Zuschauer in die "Vorstellung locken". Ein Wort noch zur erwähnten Technik. Ich selbst kenne keinen Theaterfotografen, der mit 300/400mm Tele arbeitet (die die Szene ohnehin flach zusammenziehen würden). Man ist selbst an grossen Häusern mit einem breiten Orchestergraben mit 70-200 gut bedient. Theaterfotografie heisst schon gar nicht, mit einem Riesenrohr die Nasenlöcher der SängerInnen zu fotografieren, sondern und vor allem, auch den Bühnenraum und die Ausstattung zu erfassen. Theater also als Ganzes zu zeigen. Natürlich werden auch Close Ups gemacht, aber das nur zur Auflockerung des Bildangebotes. Mit den besten Grüssen aus der Schweiz Ingo Höhn

Ingo Höhn

von Ingo Höhn
14. März 2013, 14:28:20 Uhr

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