Das eigene Fotostudio: Kleine und große Helfer

Die Grundausstattung eines eigenen Fotostudios besteht im Prinzip aus zwei Elementen: Licht und Hintergrund. Einfache Einsteiger-Sets bieten alles, um einfach mal loszulegen und Bilder zu schießen. Doch „einfach mal“ entspricht nicht dem Wesen der Studiofotografie. Exaktheit, Planbarkeit, Reproduzierbarkeit, Effizienz und Komfort, um nur einige Vorzüge des Studios zu nennen, hängen von der Erfahrung des Fotografen ab – aber auch von kleinen Helferlein, die das Arbeiten erleichtern. So wie die Erfahrung mit der Zeit kommt, werden Studiobesitzer nach und nach auch das Zubehör erweitern. Manches ist „nice to have“, aber die eine oder andere Anschaffung eilt unter Umständen sogar sehr.

Zum Beispiel könnte der Fotograf in seinem nagelneuen Studio feststellen, dass er seine Kamera und die Blitzanlage irgendwie nicht zusammengestöpselt bekommt. Das liegt an der klassischen Ausführung eines Blitzkabels der Studioanlage, das eine 3,5-Millimeter-Blitzbuchse an der Kamera benötigt. Diese seit Jahrzehnten bewährte Buchse, auch Prontor-Compur-Buchse oder kurz PC-Buchse genannt, war einstmals Standard in Kameras. Allerdings ist sie zugunsten eines Blitzschuhs mit entsprechenden Mittenkontakten mehr und mehr verschwunden. Überwiegend professionelle und semiprofessionelle Spiegelreflexkameras besitzen – parallel zum Mittenkontakt – immer noch einen klassischen Blitzanschluss.

Wer die kleine Buchse nicht am Fotoapparat hat, dem hilft ein Blitzadapter. Im Prinzip handelt es sich um einen Aufsatz auf den Blitzschuh, in den mindestens eine PC-Buchse eingebaut ist. Wer auf Nummer sicher gehen will, nimmt einen Blitzadapter mit einem eingebauten Überspannungsschutz. Dieser soll verhindern, dass allzu hohe Zündspannungen, gerade auch von älteren Blitzgeräten, die Kameraelektronik schädigen.

Man kann sich die Verkabelung auch sparen und gleich in einen Blitzfernauslöser für das Studio investieren. Dieser überbrückt kabellos die Distanz zwischen der Kamera und der Blitzanlage. Der Komfortgewinn ist nicht zu unterschätzen. Mit einem Blitzkabel fühlt man sich immer etwas an die kurze Leine gelegt. Auch, wenn die Länge ausreicht, besteht stets die Gefahr, dass man irgendwo hängen bleibt oder auf das Kabel tritt. In der Folge kann die Kamera zu Boden fallen oder ein Blitzgerät umgerissen werden. Oder die Kabelkontakte nehmen Schaden.

In die Kategorie Komfort fällt auch eine weitere Fernsteuerung: Ein angenehmes Zubehörteil ist ein kabelloser Fernauslöser für die Kamera selbst. Das hilft zum Beispiel ungemein, wenn der Fotograf bei einem Familienfoto selbst mit aufs Bild möchte. Zwar klappt das auch mit dem Selbstauslöser (Timer) der Kamera, aber etwa nach dem dritten Hin-und-her-Laufen lässt erfahrungsgemäß die Begeisterung der übrigen Fotomodelle nach. Da ist ein lockeres Auslösen, etwas versteckt aus dem Handgelenk, schon zielführender.

Nicht auf das Studio beschränkt, aber dort sehr hilfreich ist die Möglichkeit, Fotos schnell und kabellos auf einen Computer zu übertragen. Ein Vorteil dabei ist die pure Zeitersparnis. Das Anstöpseln an einen Rechner entfällt ebenso wie das paketweise Übertragen der Fotos. Nach dem Shooting sind bereits alle Bilder dort, wo man sie gern hätte. Zudem kann man selbst und können auch die Mitwirkenden im Studio noch während der Arbeit die aktuellen Ergebnisse an einem großen Bildschirm verfolgen. Immer mehr Kameras haben bereits die technischen Voraussetzungen an Bord, um Bilder direkt nach der Aufnahme auf einem Speicherplatz auf einem Rechner, einem Netzlaufwerk oder einem Online-Speicher, zum Beispiel über WLAN abzulegen. Wer diese Möglichkeit künftig nutzen möchte, sollte bereits bei einer Neuanschaffung den Fotohändler gezielt danach fragen.

Es gibt auch die Möglichkeit, Kameras aufzurüsten und so ins Netz eingebunden zu bekommen. Für manche Spiegelreflexkameras sind ansteckbare WLAN-Adapter erhältlich, die zum Beispiel an einem Gürtelclip getragen oder an das Gehäuse montiert werden. Eine kompakte Lösung für viele Fotoapparate sind Speicherkarten, die einen Miniatursender eingebaut haben. Diese werden wie eine normale Speicherkarte verwendet, besitzen einen ausreichend großen Speicher und bauen zudem eine Verbindung ins Heimnetzwerk auf, um die Bilder hochzuladen. Verschiedene Hersteller bieten unterschiedliche Features an. Es lohnt sich zu vergleichen, weil nicht jeder Fotograf die Funkkarten für den gleichen Einsatzzweck nutzen möchte.

Unentbehrliche Helfer im Studio sind die mannigfaltig erhältlichen Vorsätze, Aufsätze und Filter, die dazu dienen, das Licht von Lampen oder aus Blitzgeräten nach den Wünschen des Fotografen zu formen. Allein die klassischen Softboxen gibt es in unterschiedlichsten Ausführungen, von nahezu quadratisch bis zu den schmalen Striplights, die Modele von Kopf bis Fuß im Profil ausleuchten sollen. Das Format hängt vom Aufnahmezweck, vor allem den Dimensionen des Motivs, ab. Eine interessante Alternative zu rechteckigen Softboxen sind runde oder achteckige Softboxen. Ihr Vorteil: Bei Porträtaufnahmen erzeugen sie keinen rechteckigen Reflex in der Pupille, sondern einen rundlichen, der als natürlicher wahrgenommen wird. Für Leuchten wie auch Blitzgeräte sind Lichtklappen eine sinnvolle Ergänzung. Sie ermöglichen es, bestimmte Bereiche bei einer ansonsten flächigen Ausleuchtung auszublenden. In manche Lichtklappen lassen sich Farbfilterfolien einsetzen, die wiederum dazu dienen, einen Hintergrund farblich aufzupeppen. Zubehör, insbesondere für Studioblitzgeräte, wird über die entsprechenden Anschlüsse der Hersteller angeschlossen. Ähnlich wie bei Objektiven, der passende Bajonettanschluss sollte bei diesem Anschluss bei der Kaufentscheidung mitbedacht werden. Einige Anbieter von Softboxen bieten allerdings auch Adaptionsmöglichkeiten auf verschiedene gängige Systeme an.

Easy Softbox

Bisweilen hat man im Studio, vor allem, wenn es etwas eng im Raum zugeht, mehr Farbe auf dem Motiv und im Hintergrund als einem lieb ist. Das liegt an Reflexionen in der Umgebung. Wenn beispielsweise eine rote Ledercouch am Rande des improvisierten Studios im Wohnzimmer steht, muss man damit rechnen, dass sich durch zurückgestrahltes Licht ein Hauch Rot in die Lichtstimmung mischt. Diesen Farbstich kann man entweder später in der Bildbearbeitung entfernen oder gleich unterbinden – und zwar durch ein so effektives wie billiges Hilfsmittel: weiße oder schwarze Laken. Damit deckt man alle größeren farbigen Gegenstände am Rand des Sets ab, die auf das spätere Bild abfärben könnten.

Wer sich in das Thema exakte Lichtabstimmung vertieft einarbeiten möchte, sollte zwei weitere Anschaffungen in Betracht ziehen. Einmal Kontrollkarten oder ähnliche Hilfsmittel für einen manuellen Weißabgleich. Zum Zweiten einen (externen) Belichtungsmesser oder Blitzbelichtungsmesser. So ein Gerät misst, anders als der eingebaute Belichtungsmesser der Kamera, nicht das Licht, das bereits vom Modell zurückgeworfen wird, sondern das Licht, wie es von der Lichtquelle dort ankommt. Das kann einen entscheidenden Unterschied ausmachen, gerade bei heiklen Motiven – viel Weiß oder viel Schwarz -, bei denen der Kamerabelichtungsmesser Schwierigkeiten hat. Zudem können einzelne Lichtquellen, auch Blitzgeräte, getrennt gemessen werden, das erlaubt Vorhersagen etwa über den Kontrast und den Schattenverlauf auf einem Gesicht. Natürlich lässt sich das durch Probieren und Studieren am Kameradisplay auch ausprobieren, aber gerade, wenn es zeitlich knapp wird, kann eine gute Vorbereitung nicht schaden.

Viel weniger komplex sind da drei mechanische Hilfen im Studioalltag. Fashion-Fotografen schätzen wehendes Haar oder flatternde Textilien auf Aufnahmen. Das lässt sich mit speziellen Windmaschinen für Fotostudios realisieren. Im Gegensatz zu einfachen Ventilatoren sorgen sie für einen gebündelten Luftstrom. Auslegearme ermöglichen es, Zubehör oberhalb der Fotomodelle zu positionieren. Das kann eine Leuchte sein, ein Spotblitzgerät oder ein Diffusor. Für wenige Minuten kann das ein Helfer per Hand halten. Doch im Idealfall lässt sich so ein ausladender Arm an einem Studiostativ befestigen, so dass er wie eine Art Kran das Zubehör fixiert. Einen ähnlichen Zweck verfolgen Tritt-, Klapp- oder Gelenkleitern. Sie bringen den Fotografen in die entsprechend herausgehobene Position, um Bilder aus der Vogelperspektive, zum Beispiel auf ein Brautpaar, zu schießen.

Fotografieren in der Praxis 05 / 2013

2 Kommentare

Hallo Sascha, aus Gründen der Neutralität haben wir zu den Aufnahmen keine Herstellerangaben veröffentlicht. Wenn Sie wissen möchten welche Hersteller sich hinter den Produkten verbergen so gibt ein Blick in die Produktneuheiten auf unserer Homepage Aufschluss. Das Prophoto Team

Prophoto

von Prophoto
23. Mai 2013, 13:13:01 Uhr

Es wäre sicher nicht verkehrt, wenn es zu den Bildern auch Beschreibungen gäbe, z.B. um welchen Hersteller es sich handelt.

Sascha Moll

von Sascha Moll
23. Mai 2013, 00:32:36 Uhr

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