Das eigene Fotostudio für Porträts - so viel Platz muss sein

© Fotograf: Anneliese Klose, Roter Mund, Photoglobus
© Fotograf: Anneliese Klose, Roter Mund, Photoglobus
Früher oder später kommt bei vielen Amateurfotografen der Wunsch nach einem Fotostudio auf. Zwar kann man nicht jedes Lieblingsmotiv in die eigenen vier Wände holen - Landschaftsfotografen wissen ein Lied davon zu singen -, aber dafür hat das Studio handfeste andere Vorteile. Die entscheidenden sind Hintergrund und Lichtführung. Im Studio kann man den Hintergrund nach eigenen Wünschen gestalten, von neutralweiß ohne störende Ecken und Kanten bis zur fantasievollen Ausstattung mit Requisiten. Und der Fotograf ist beim Licht nicht wetterabhängig. Blitz- und Dauerlicht stehen immer zur Verfügung und lassen sich je nach Einsatzzweck steuern und formen.

Der begrenzende Faktor bei der Planung eines Fotostudios ist oft nicht der Preis – Studiotechnik in der Einsteigerklasse muss nicht mehr kosten als eine einfache DSLR-Kamera -, sondern der verfügbare Platz. Natürlich kann man in der Besenkammer einen Basketballspieler vom Scheitel bis zur Sohle ablichten. Aber eben nur mit einem Superweitwinkelobjektiv.

Studiofotografie ist aber eine Domäne der Normalbrennweiten und leichten Teles. Das liegt zum einen an der Ästhetik beim Fotografieren von Menschen, hat aber auch eine ganz praktische Ursache. Weitwinkelobjektive nehmen außer dem eigentlichen Motiv im Vordergrund auch noch viel Drumherum auf. Da ist es schnell passiert, dass auf dem Bild auch die Ränder des Studiohintergrundes störend sichtbar sind. Zudem wird beim Einsatz von Weitwinkelobjektiven der Bereich des Hintergrunds größer, den man zum Beispiel vollflächig gleichmäßig ausleuchten will.

Franz Cavallo
Franz Cavallo
Kurzum: Die Mindestgröße eines Fotostudios hängt davon ab, welche Motive mit welcher Brennweite aufgenommen werden sollen. Lässt man aus den eben genannten Gründen Weitwinkeloptiken außer Betracht, kann man die notwendigen Aufnahmeabstände für einige beliebte Normal- und Telebrennweiten berechnen. Zunächst für das klassische Porträt (Brustbild). Das 50-mm-Objektiv an einer Vollformatkamera benötigt dafür nur etwa 1,5 m Abstand. Leichte Porträtteles um 80 oder 90 mm Brennweite benötigen 2,5 m. Und wer auf die Wirkung der beliebten 135-mm-Brennweite setzt, muss gut 4 m einplanen. Das ist in gängigen Wohnungs- und Kellergrößen meist machbar. Ganze Körper im Stehen oder Liegen benötigen aber jeweils etwa die doppelte Entfernung – 3 m bei 50 mm, 5 m bei 80 mm/90 mm und 8 m bei 135 mm -, und bei Gruppenaufnahmen muss man je nach Größe der Gruppe, sogar noch großzügiger rechnen. Diese Werte gelten für Vollformatkameras. Bei Verwendung von kleineren Sensoren muss man den Crop-Faktor einbeziehen. Das 50-mm-Objektiv wird an einer Kamera mit 1,6-fach-Crop effektiv zu einem 80-mm-Objektiv; daher gelten auch die entsprechenden Mindestabstände.

Die Zahlen zeigen, dass viele Wohnräume zwar für ambitionierte Studiopläne knapp bemessen sind. Studios für klassische Porträts lassen sich aber mit geringem Platzbedarf umsetzen und eignen sich auch für alle anderen Motive, die nicht größer sind als ein Kopf mit Oberkörper.

Porträts verlangen keine übergroßen Hintergründe und auch die Beleuchtung kann weniger üppig dimensioniert ausfallen. Wer sich zunächst darauf beschränkt, bleibt auch flexibel und kann ein kompaktes Studio einrichten, das nicht dauerhaft Platz belegt, sondern nach getaner Arbeit wieder in Taschen oder einfach in einer Ecke verschwindet. Wie man schon mit einfacher Grundausstattung ein Studio für Porträts einrichten kann, zeigt der nächste Teil unserer Studio-Serie „Das eigene Fotostudio für Porträts – Beleuchtung und Hintergründe“.

Fotografieren in der Praxis 03 / 2013

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