Das eigene Fotostudio für Porträts - Beleuchtung und Hintergründe

© Fotograf: Wolfgang Lehmann, Mihered, Photoglobus
© Fotograf: Wolfgang Lehmann, Mihered, Photoglobus
Ein Fotostudio für Porträts lässt sich mit geringem Platzbedarf realisieren, im Prinzip in jeder Ecke der Wohnung und sogar frei im Raum stehend. Was also braucht man für den Einstieg in die Studiofotografie? Herzstück ist die Beleuchtung, die aus mindestens einer Studioleuchte oder einem Studioblitzgerät besteht. Allerdings wird man damit rasch an Grenzen stoßen, denn ambitionierte Lichtführung oder eine schattenfreie Ausleuchtung eines Porträts schreien nach zwei bis drei Lichtquellen.

Sowohl Leuchten als auch Blitzgeräte gibt es im Handel in günstigen Zweier- oder Dreiersets, bei denen wichtiges Zubehör wie Stative, Softboxen oder Diffusorvorsätze bereits enthalten ist.

Leuchten oder Blitz? Das ist ein schwer auflösbares Streitthema und die Wahl der Beleuchtung muss jedem Fotografen auch vom Gefühl her liegen. Für das Dauerlicht spricht, dass die Technik sehr einfach und robust ist und man immer die endgültige Lichtsituation vor Augen hat. Mit Dauerlicht können Kameras noch gut umgehen, die keinen Blitzschuh und keine Blitzbuchse haben, um ein externes Blitzgerät auszulösen. Zudem sind Effekte mit Bewegungsunschärfe realisierbar. Für Studioblitze spricht, dass sie relativ stromsparend arbeiten, vor allem, wenn viel Licht gefragt ist, und dass sie wegen der kurzen Belichtungszeit Verwacklungen vermeiden sowie das Einfrieren etwa von Wassertropfen ermöglichen.

Ein wichtiger Punkt bei Leuchten ist die Wärmeabgabe. Gerade kleine Räume können durch Lampen, die sich stark erwärmen, unangenehm aufgeheizt werden. Man achtet besser darauf, Kaltlichtlampen zu verwenden, wenn man nicht möchte, dass man selbst zu schwitzen beginnt oder was noch schlimmer wäre: das Model. Ein angebliches Schnäppchen sollen Baustrahler aus dem Baumarkt sein. Billig sind sie tatsächlich und auch die Lichtausbeute stimmt. Doch Finger weg: Die gängigen Modelle schlucken nicht nur viel Strom und lassen sich weder regeln, noch sauber in der Neigung verstellen. Das Hauptproblem ist die Hitzeentwicklung. Baustrahler werden unheimlich heiß und haben keine vorgesehenen Adaptionsmöglichkeiten für Zubehör wie Schirme oder Diffusoren. Wenn man versucht, Papier, Folien oder Schirme provisorisch daran zu befestigen, droht durch die enorme Wärmeentwicklung schlimmstenfalls ein Brand im Studio.

Blitzanlagen gibt es in unterschiedlichen Leistungsbereichen. Die maximale Blitzenergie wird dabei in Wattsekunden (Ws) beziehungsweise Joule (J) angegeben. Unter den gängigen Geräten haben die schwächsten eine maximale Blitzenergie von 100 Ws. Professionelle Geräte fürs große Studio liegen zwischen 500 und 1500 Ws. Im Prinzip würden für Porträtaufnahmen rein zur Beleuchtung des Gesichts Blitzgeräte mit 100 oder 150 Ws ausreichen. Doch der Studioalltag lehrt, dass man Leistungsreserven nach oben braucht. Will man einen Hintergrund bewusst überbelichten oder muss man bei einem Motiv stark abgeblendet fotografieren, braucht man Blitzleistung. Auch manche Lichtformeraufsätze schlucken Licht. Geräte um 300 Ws sind ein guter Kompromiss, allerdings sollte man darauf achten, dass ihre Leistung auch weit genug und in vielen Stufen drosselbar ist. Zu viel Licht kann ebenso hinderlich sein wie zu wenig Licht. Auch die Adaption von Zubehör ist ein wichtiger Punkt. Hilfreich ist, wenn das Blitzgerät einen Standardanschluss besitzt, dadurch erweitert sich die Fülle von Softboxen, Striplights und sonstigen Lichtformern auf dem Markt. Einige Geräte haben fest verlötete Blitzbirnen, welche bei Bedarf vom Fachmann gewechselt werden müssen. Wer das nicht möchte, sollte darauf achten, dass das Blitzgerät über Blitzbirnen verfügt, die man notfalls noch während eines Shootings selbst wechseln kann.

© Fotograf: Gerhard Haydusich, Susi, Photoglobus
© Fotograf: Gerhard Haydusich, Susi, Photoglobus
Fehlt nur noch der Hintergrund. Das einfachste für ein Porträtstudio ist dabei eine weiße Wand. Wer Farbe ins Spiel bringen möchte, nur holzvertäfelte Wände hat oder in der Mitte eines Raumes arbeiten muss, greift zu einem speziellen Hintergrund für Studios. Für Porträts sind Hintergründe ab 1,20 m Breite geeignet. Breiter ist natürlich immer besser, wenn man sich nicht in der Bewegungsfreiheit einschränken will. Am komfortabelsten sind Falthintergründe. Dabei spannt ein Ring einen Stoff in Form eines Kreises oder eines Ovals auf. Der Hintergrund lässt sich im einfachsten Fall an einem Nagel an die Wand hängen. Angenehmer und auch im freien Raum geht es mit einem höhenverstellbaren Stativ.

Hintergründe gibt es aus verschiedenen Materialien. Manche Fotografen schwören auf Stoff, entweder einfarbig oder mit diffusen Batikmustern. Andere schätzen abrollbaren Karton, den es in Dutzenden Farben gibt. Für Stoff wie auch Rollen gibt es Ständerlösungen. Die Rollen können zudem fest an der Wand befestigt werden – dazu bald mehr im Teil der Studio-Serie, dann mit Tipps zur Einrichtung eines Studios für Aktaufnahmen.

Fotografieren in der Praxis 04 / 2013

Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben.

Artikel kommentieren
* Diese Felder müssen ausgefüllt werden