Dem Motiv eine Chance geben - Vorder- und Hintergrund

Blende, Eisvogel, Gabriele Nickl Bildgalerie betrachten

Blende, Eisvogel
Gabriele Nickl

Keine technischen Innovationen lassen so viel Kreativität zu wie die Fotografie, und das ist wohl auch mit einer der Punkte, warum Menschen so begeisterte Bildermacher sind. Über 2.000 Mal macht es allein in der Sekunde in Deutschland „Klick“ – wer Lust hat, kann das mal aufs Jahr umrechnen – eine gigantische Zahl. Worauf kommt es den Akteuren hinter der Kamera an – das Gesehene und Erlebte für immer zu konservieren und in Zeiten von Social Media auch verstärkt mit anderen zu teilen. Bei eigenen Aufnahmen weiß jeder, was für ihn während der Aufnahme im Mittelpunkt der Betrachtung stand – dem Außenstehenden erschließt sich das nur dann, wenn sich das Motiv deutlich vom Drumherum abhebt. Auch wenn es mit Vergleichen immer so eine Sache ist, so sind sie manchmal absolut hilfreich. Stellen Sie sich ein Regalbrett mit lauter Engelsfiguren vor – Ihr Auge nimmt nur Masse wahr aber keinen einzelnen Engel. Ähnlich verhält es sich in der Fotografie. Wenn Sie in der Aufnahme nicht die Menschenmasse thematisieren, sondern eine einzelne Person herausstellen möchten, so muss dieser das bildbestimmende Element sein. Dies gelingt, indem man mit der sogenannten Schärfentiefe spielt. Hier sind all jene klar im Vorteil, die über ein Kamerasystem verfügen, mit dem der Fotograf Einfluss auf die Blende nehmen kann. Je mehr Sie abblenden, desto mehr treten hinter dem Motiv liegende Flächen und Linien nicht mehr in Erscheinung. Mit zunehmender Schärfentiefe hingegen werden die Konturen und Elemente im Hintergrund immer sichtbarer und bildbestimmender, und das lenkt dann vom eigentlichen Motiv ab. Der Fotograf hat die Balance zu finden, denn auch ein zu glatter Hintergrund ist nicht ratsam, da er langweilig, steril und unnatürlich wirkt.

Oftmals neigt man dazu, das bildbestimmende Element in die Mitte zu rücken – das ist langweilig und hilft dem Motiv nicht, an Wirkung zu gewinnen. Die sogenannte Drittelregel hilft bei der richtigen Positionierung des Motivs. Man teilt das Bild in neun gleiche Kästchen, die durch zwei vertikale und zwei horizontale Linien gebildet werden. Das Hauptmotiv sollte, wenn es die fotografische Situation zulässt, an eine der vier Schnittflächen dieser Linien platziert werden – das ist oftmals schon die halbe Miete und die Aufnahme wirkt gleich viel dynamischer. Wichtig ist, dass jedes Motiv seine Richtung hat. Nehmen wir einen Vogel, der von links nach rechts über eine Wasserfläche fliegt. Dieser sollte eher weiter links im Bild positioniert werden als zu weit rechts, da er dann gleich mit dem Bildrand zu kollidieren scheint. Oder öffnet sich eine Blüte nach links unten, so sollte man sie im Bild nach rechts oben rücken – dann hat sie auch Platz zur Entfaltung. Man muss sich aber nicht stur an die Drittelregel halten, oftmals gelingen beeindruckende Aufnahmen außerhalb der Norm.

Übung macht bekanntlich den Meister, und dann geht vieles wie von selbst. Wer noch nicht so geübt ist, der sollte zunächst Motive wählen, die nicht weglaufen, wie beispielsweise einen Baum inmitten einer Landschaft. Befestigen Sie Ihre Kamera auf einem Stativ und verändern Sie mit jeder Aufnahme die Blende – Sie werden sehen, wie sich Schärfe und Unschärfe verändern. Genauso sollten Sie verfahren, wenn es um die Positionierung des Baumes im Bild geht.

Fotografieren in der Praxis 04 / 2012

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1 Kommentare

Bitte schickt den Verfasser dieses Textes in einen Deutschkurs für Einsteiger. "Über 2.000 Mal macht es allein in der Sekunde in Deutschland „Klick...“" Richtig: Über 2000 Mal in der Sekunde macht es alleine in Dutschland "Klick"... Ohh Mann...

von Alex Motz
28. April 2012, 13:07:23 Uhr

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