Das sind die schwierigsten Shooting-Arten für Anfänger

Schon wieder nix geworden? Vielleicht hat man sich einfach nur ein zu schwieriges Fotografie-Feld ausgesucht.
Schon wieder nix geworden? Vielleicht hat man sich einfach nur ein zu schwieriges Fotografie-Feld ausgesucht.

Die Kamera wird’s schon richten, notfalls im Vollautomatik-Modus. Mit dieser Denkweise gehen viele Newbies in ein Shooting – nur um dann mittendrin oder spätestens hinterher festzustellen „ups, das war wohl nix“. Jede Form der Fotografie hat naturgemäß ihre Hürden und Anforderungen. Und da ist klar, dass einige deshalb für Anfänger nicht ganz so locker durchzuführen sind, wie für erfahrene Fotografen. Welche das sind, wo die Knackpunkte liegen, das zeigen wir auf den folgenden Zeilen.

Hochzeit

Es sind vor allem die Wichtigkeit des Ereignisses und die vielen einzigartigen Momente, die Hochzeitsfotografie so schwierig machen.
Es sind vor allem die Wichtigkeit des Ereignisses und die vielen einzigartigen Momente, die Hochzeitsfotografie so schwierig machen.

„Du, sag mal, Du hast doch eine Spiegelreflexkamera…“ mit solchen Worten beginnt für viele Anfänger der Weg in ein manchmal Freundschaften-zerrüttendes Debakel, wenn sie von einem Bekannten oder Familienmitglied angesprochen werden, der in allernächster Zeit das Ja-Wort sprechen möchte. Schon die Eingangsproblematik resultiert aus mehreren Faktoren:

  • Ein Profi-Hochzeitsfotograf kostet viel Geld, der DSLR-bewehrte Kumpel jedoch bestenfalls nichts
  • Man selbst will den Freunden keinen Wunsch abschlagen
  • Man überschätzt seine Fähigkeiten oder ignoriert vielleicht vorhandene Unzulänglichkeiten

Zusammen ergibt das einen Problem-Cocktail. Denn es ist nicht umsonst so, dass der Volksmund vom „wichtigsten Tag im Leben“ und von „you get what you pay for“ spricht. Doch man muss auch unterscheiden: Soll man einfach nur neben dem Haupt-Fotografen ein wenig shooten, die Feier mitziehen und ganz allgemein für fotografische Unterfütterung sorgen, lässt sich die Sache stemmen. Zwar auch nicht locker aus der Hüfte, aber immerhin so, dass man brauchbare Schnappschüsse abliefert –für die schwierigen Dinge ist ja der Profi da.

Richtig kritisch wird es jedoch, wenn man „alles“ machen soll. Denn die Hochzeit wimmelt wie fast kein zweites Ereignis vor lauter „einmaligen und megawichtigen“ Momenten:

  • Der Einzug der Braut
  • Das Ja-Wort
  • Der Ringetausch
  • Der erste Kuss
  • Gesichter und Reaktionen im Publikum

Bei nichts davon kann man als Fotograf im Zweifelsfall sagen „nochmal auf Anfang, bitte“. Da muss alles beim ersten Versuch sitzen. Und selbst bei den gestellten Bildern, die nach der Zeremonie kommen, wo man diese Korrekturmöglichkeiten hat, ist es mega-knifflig, sich passende Posen und Blickwinkel auszudenken, die noch nicht vollkommen ausgelutscht sind.

Vielleicht ist daher die Hochzeit das schwierigste Shooting. Zumindest aber das mit dem höchsten Wichtigkeits-Faktor.

Anfängertauglichkeit: 1/5

Tiere

Gehorsamkeit des Tieres und eine erstklassige Herrchen-Fotograf-Zusammenarbeit sind die Schlüssel der Tierfotografie – sehr knifflig.
Gehorsamkeit des Tieres und eine erstklassige Herrchen-Fotograf-Zusammenarbeit sind die Schlüssel der Tierfotografie – sehr knifflig.

Der neue Hamster der Tochter, der Hund der Nachbarn, die Katze der Freundin. In Deutschland gibt es mehrere tausend Haustierrassen und Millionen von Besitzern. Und die meisten davon lieben ihren tierischen Kamerad so sehr, dass sie Fotos haben möchten. Einen Vorteil hat die Sache: Es gibt keine „one in a Million“-Momente, die man vergeigen könnte. Das ist aber leider eine der wenigen guten Nachrichten. Die schlechte: Ein Tiershooting hängt von drei Faktoren ab:

  • Fähigkeit des Fotografen
  • Gehorsamkeit des Tieres
  • Geduld des Tieres

Alle drei Punkte müssen stimmen. Das Problem daran ist jedoch, dass sie nicht miteinander verkettet sind: Der Hund kann geduldig und gehorsam sein, der Fotograf jedoch ein blutiger Anfänger. Oder der Fotograf ist gut und das Meerschwein auch geduldig, aber es hört eben nicht aufs Wort und macht was es will.

Nur den ersten Punkt kann man wirklich beeinflussen, denn natürlich gibt es gewisse Grundregeln für die animalische Fotografie. Und dazu gehört, dass es auch klasse funktionieren kann, einfach auf Tier-Augenhöhe zu lauern, bis der Vierbeiner von selbst in eine schöne Pose kommt. Aber das kann eben dauern. Man muss daher alle drei Faktoren bestmöglich zu seinen Gunsten beeinflussen. Das bedeutet:

  • Vorher vor allem schnelles Shooten mit der Serienbildfunktion und automatischem Nachfokussieren (Kontinuierlicher Autofokus) trainieren – das geht bei allem, das sich schnell bewegt.
  • Das Tier dann fotografieren, wenn es „gut gelaunt“ ist. Also bspw. nach einem Nickerchen
  • Herrchen/Frauchen müssen dauernd zugegen sein – mit genügend Snacks, um das Tier „gefügig“ zu machen

Auf jeden Fall muss man aber eine Menge Geduld mitbringen. Umso mehr, je eigensinniger und aktiver das Tier ist.

Anfängertauglichkeit: 2/5

Baby

Gutgelaunte Babys machen ein Shooting zum Kinderspiel. Doch wehe, die Stimmung kippt durch irgendeinen geringfügigen Auslöser.
Gutgelaunte Babys machen ein Shooting zum Kinderspiel. Doch wehe, die Stimmung kippt durch irgendeinen geringfügigen Auslöser.

Ein neuer Erdenbürger ist zumindest für seine Eltern das wahrscheinlich größte Glück. Und weil das Internet vor supersüßen Babyfotos nur so wimmelt, glauben die Eltern, dass „der Onkel mit der Kamera“ sowas auch könnte. Für den Anfänger-Fotografen ist der kleine Schreihals jedoch ein extrem kniffliges Motiv, bei dem abermals mehrere Problemstellungen lauern:

  • Babys bewegen sich oft schnell und ruckartig
  • Sie sind (zumindest in den ersten Lebensmonaten) völlig unkontrollierbar
  • Beeinflussung ist extrem schwierig. Insbesondere wenn „der Beeinflussende“ mit im Bild sein soll
  • Ihre Laune kann von einer Sekunde auf die andere umschlagen
  • Babys sind extrem tagesformabhängig

Tatsächlich hat ein Säuglingsshooting mit oder ohne Eltern daher immer den Charakter eines Roulettespiels. Es soll auch Amateurfotografen geben, die hatten nach einer Viertelstunde dutzende richtig gute Bilder auf dem Chip, weil das Kind satt und zufrieden war und mit seinen großen Augen aufmerksam und freundlich lachend in die Kamera blickte.

Ebenso gibt es jedoch auch Shootings, da bekommt man nach zwei, drei Stunden gar nichts Brauchbares vor die Linse, nicht mal die so beliebten Schlaf-Bilder. Da war das Kind anfangs zwar noch gut gelaunt, blickte aber überall hin, nur nicht vor die Kamera. Und je länger das Shooting dauerte, je verzweifelter Mama animierend mit dem Lieblings-Plüschtier wedelte, desto tiefer sank die Baby-Laune, bis man nicht anders mehr tun konnte, als abzubrechen, weil auf jedem Bild nur ein weinendes Etwas zu sehen war – auch noch verwackelt, weil es sich so ruckartig bewegte.

Baby-Shootings sind buchstäblich „hit or miss“. Ziemlich unberechenbar und deshalb selbst für erfahrenere Fotografen, die ihr Equipment blind beherrschen, ein echter Lackmustest.

Anfängertauglichkeit: 1/5

Sport

Sportfotografie ist immer extrem rasant, sehr Equipment-fordernd und mit etwas Pech hat man gleich mehrere Hindernisse vor dem Motiv.
Sportfotografie ist immer extrem rasant, sehr Equipment-fordernd und mit etwas Pech hat man gleich mehrere Hindernisse vor dem Motiv.

Das grundschulalte Töchterchen steht vor ihrem ersten Einsatz auf dem Tennisplatz. Der 30-jährige Bruder will, dass sein Kampf im Tor gegen den Liga-Ersten für alle Zeit fotografisch gebannt wird. Der Chef erinnert sich bei der Weihnachtsfeier „Sie fotografieren doch, können Sie da nicht im Februar unser Charity-Lasertag-Match ´Vertrieb gegen Lager´ ablichten?“. Es gibt viele Gründe, warum Anfänger darum gebeten werden, ein Sportereignis zu fotografieren. Und sie alle stellen einen vor einen Haufen haarsträubender Probleme:

  • Man ist praktisch immer in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt bis hin zu dem Extrem, dass man dutzende Meter vom Geschehen auf der Tribüne festsitzt – hinter einem Lichtmast
  • Mit etwas Pech sind viele weitere Fotografen anwesend, die die guten Plätze belegen und sie auch nicht freimachen, weil sie entweder bezahlt sind oder ihre eigenen Kids so vorteilhaft wie möglich ablichten wollen
  • Es passieren unzählige einzigartige Momente – oft im Bruchteil von Sekunden und so schnell, dass vielleicht der Autofokus überfordert ist
  • Es gibt praktisch keine Möglichkeit, hilfreiches Equipment (Blitz, Reflektoren) zum Einsatz zu bringen. Man ist allein mit dem vorhandenen Licht, seinem Kamera-Body und der Linse.
  • Beim Mannschaftssportarten tummeln sich viele Personen gleichzeitig im „Ereignisfeld“, die mit Pech einem das Hauptmotiv blockieren
  • Es gibt praktisch null Möglichkeiten der Einflussnahme, weder auf die Motive noch den Hintergrund.

Und dann kommt natürlich auch hinzu, dass die Angelegenheit vielleicht Wetter-, mit Sicherheit aber sehr Equipment-abhängig ist: Von der Tribüne und selbst dem direkten Spielfeldrand bringt es wenig, mit dem 18-55 Kit-Objektiv zu shooten, das bei der Kamera dabei war. Da braucht es einen Tele-Zoom und vielleicht sogar noch ein gutes Dreibein-Stativ. Obendrein wird man wegen der Schnelligkeit der Bewegungen gezwungen, sehr kurze Belichtungszeiten zu wählen. Dazu braucht es (teure) Objektive mit sehr kleinen möglichen Blendenzahlen – oder einen Body, der sehr hohe ISO-Werte beherrscht, ohne dass das Bildrauschen zu groß wird.

Alles in allem ein ebenfalls sehr schwieriges Szenario, das zudem wie kein anderer Punkt dieses Artikels gutes Equipment erfordert.

Anfängertauglichkeit: 1,5/5

Fotografieren in der Praxis 12 / 2017

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