Familienfotografie - Unerlässliches Zeitzeugnis

Ein Blick in die Familienfotoalben vergangener Jahre und Jahrzehnte offenbart den Wandel nicht nur im Format, sondern auch in der Bildsprache. Aber nicht nur das. Diese Fotoalben sind es, die uns unsere Familiengeschichte vor Augen führen und aufzeigen, wie unerlässlich es ist, seine Aufnahmen nicht nur auf irgendeiner Festplatte und in der Cloud abzulegen. Heute kann keiner von uns vorhersagen, was technisch in 10 oder 30 Jahren ist – gehen Sie einmal die Zeitreise zurück und schauen Sie sich nur einmal die Computerentwicklung an. Die Rechner, die wir heute nutzen, wird es in zehn Jahren schon lange nicht mehr geben. Selbst, wenn wir nicht so weit in die Zukunft blicken, so ist keiner vor einem Festplattencrash sicher. Fotoalben und natürlich individuell erstellte Fotobücher sind schlichtweg ein Muss für jeden einzelnen. Sie erzählen unsere Familiengeschichte und sind damit unerlässlich.

Vintage Family
Genug der mahnenden Worte beim Umgang mit unseren Fotografien und zurück zur Familienfotografie. So selbstverständlich heute Aufnahmen von der Familie sind – sie ist wahrscheinlich neben Hund, Katze, Maus das meist fotografierte Motiv -, war es in den Anfängen der Fotografie überwiegend nur Wohlhabenden vorbehalten, über Familienaufnahmen zu verfügen. Der Grund dafür liegt auf der Hand, auch, wenn wir uns das heute kaum vorstellen können, weil jeder von uns über mindestens ein Aufnahmegerät verfügt. Nur die allerwenigsten Privathaushalte waren im Besitz einer Kamera. Man ging zum Fotografen und von denen gab es in den Anfängen der Fotografie noch nicht allzu viele. In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts erfuhr die Fotografie einen wahren Schub, auch, wenn sie da noch in erster Linie Profis vorbehalten war. Dies lag nicht nur an den schweren Plattenkameras sondern auch an dem technisch anspruchsvollen Bearbeitungsprozess, den die Fotoplatten vor und nach der Aufnahme durchlaufen mussten. Fotografiert wurde bevorzugt in Studios, was natürlich an den schweren Kameras lag.

Den Gang ins Studio konnten sich nur Wohlhabende leisten. Es wurde sich herausgeputzt, Sonntagskleidung – wer kennt das heute noch – war Pflicht, denn in der Arbeits- beziehungsweise Alltagskleidung ließ man sich natürlich nicht ablichten. Die Bildsprache der Studioaufnahmen war nicht sonderlich facettenreich. Oftmals saßen die Frauen und die Ehemänner standen beschützend seitlich hinter ihnen. Der Gang zum Fotografen war kein einmaliges Erlebnis. Wer etwas auf sich hielt, suchte den Fotografen in regelmäßigen Abständen auf. Die Fotografie wurde mit der Zeit mobiler, was es natürlich mit sich brachte, dass man vom Profi als Familie vor dem Geschäfts- oder Wohnhaus abgelichtet wurde.

© Fotograf: Monika Sandel, Ein Sixpack sollte jeder Mann haben, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Monika Sandel, Ein Sixpack sollte jeder Mann haben, Blende-Fotowettbewerb
Durch die Erfindung des Rollfilms und der von Oskar Barnack 1924 bei Leica entwickelten und eingeführten Kleinbildkamera entstanden völlig neue Möglichkeiten für eine noch mobilere und vor allem schnellere Fotografie. Auch, wenn man wegen des kleineren Formates zusätzliche Geräte zur Vergrößerung benötigte und die Bildqualität mit den großen Formaten nicht vergleichbar war, setzte sich das Kleinbild in den meisten Bereichen der Fotografie als Standardformat durch. Aber nicht nur das. Die Fotografie wurde damit in den Folgejahren zu einem Massenmarkt, immer mehr Menschen verfügten über eine Kamera. Diese Tatsache spiegelt sich natürlich auch in den Familienalben wider, denn vorbei waren die Zeiten von vorwiegend gestellten Aufnahmen. Der Auslöser wurde zu dieser Zeit natürlich längst nicht so oft wie aktuell betätigt, aber die Kamera gehörte natürlich mit in den Urlaub und auch sonst wurde zu feierlichen wie besonderen Anlässen fotografiert und das nicht nur in Sonntagskleidung.

© Fotograf: Werner Gartner, Neubürgerempfang, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Werner Gartner, Neubürgerempfang, Blende-Fotowettbewerb
Mit der Digitalisierung hat die Fotografie einen weiteren Aufschwung erfahren, eigentlich hat sie da erst wirklich die Masse erreicht. Nahezu jedes Familienmitglied verfügt heute über ein Aufnahmegerät, während zu Zeiten des Films meist nur das Familienoberhaupt fotografierte. Die Bandbreite des Gezeigten ist damit heute so facettenreich wie nie zuvor, was nicht nur daran liegt, dass alle Familienmitglieder fotografieren und somit ihren Beitrag zu individuell erstellten Fotobüchern und -alben leisten. Auch die steigende Anzahl der „Klicks“ führt zwangsläufig zu mehr Aufnahmen von der Familie. Und, wenn wir in die Zukunft mit Kameras in Brillen oder die wir ständig an uns tragen und die in festen, kurzen Zeitintervallen Fotos machen, so wird sich dies natürlich in den Fotobüchern und -alben widerspiegeln. Voraussetzung dafür ist natürlich der richtige Umgang mit Bildern und diese nicht auf der Festplatte oder anderen elektronischen Speichermedien verkommen zu lassen.

Auch, wenn heute nahezu jeder über ein Aufnahmegerät verfügt, so ist der Besuch des Studiofotografen für viele Familien nach wie vor selbstverständlich und gehört auch einmal im Jahr zum Pflichttermin. Selbstverständlich hat sich in der Studiofotografie die Bildsprache im Laufe der Zeit verändert, auch, wenn zahlreiche Studiofotografen heute wieder Szenerien schaffen, wie wir sie aus den Anfängen der Familienfotografie her kennen.

Fotografieren in der Praxis 06 / 2013

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