Feature Check: Kann Ihre Kamera das auch?

© Fotograf: Michael Otto, Reiher im Abendlicht, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Michael Otto, Reiher im Abendlicht, Blende-Fotowettbewerb
Die Möglichkeiten, sich sein eigenes Bild von der Welt zu machen, werden immer komplexer. Moderne Kameras überraschen immer wieder durch neue Features, mit denen sich Fotografien individuell gestalteten und die Betrachter überraschen lassen. Mit jeder neuen Kamerageneration werden Grenzen der Fotografie erweitert und neu definiert. Wer die aktuellen Möglichkeiten der modernen Fotografie voll ausschöpfen möchte, kommt unserer Meinung nach um die Neuanschaffung einer Kamera nicht herum.

Doch trotz der wachsenden Möglichkeiten des Bildermachens und der kontinuierlich stattfindenden Überwindung technischer Grenzen, wird es keineswegs einfacher, die Kamera zu finden, die alle gestalterischen Wünsche ihres Besitzers erfüllen kann. Je vielfältiger sich die Fotografie entwickelt, umso herausfordernder wird es, sich für eine Kamera zu entscheiden. Auch die modernste Kamera wird möglicherweise kaum alle technisch möglichen Features bieten. Stand früher oft nur eine Kamera für die gesamte Familie zur Verfügung, so besitzen heute einzelne Familienmitglieder gleich mehrere Aufnahmegeräte für die unterschiedlichsten Anlässe und Aufgaben. Reicht als fotografisches Notizbuch und zum spontanen Festhalten überraschender Augenblicke oftmals das Smartphone, so greift man – wie eine im August 2013 durchgeführte Verbraucherumfrage der Prophoto GmbH zeigt – bei wichtigen Anlässen und im Urlaub zur hochwertigen Kompakt-, Spiegelreflex- oder kompakten Systemkamera für die Realisierung der kreativen Gestaltungswünsche. Jedes dieser Aufnahmesysteme hat in den vergangenen zwei bis drei Jahren durch den rasanten technischen Fortschritt nicht nur hinsichtlich der erreichbaren Bildqualität, sondern vor allem auch in Bezug auf die kreativen Features etliche der noch vor wenigen Monaten für kaum überwindbar gehaltene Grenzen der Fotografie gesprengt.

Alle Wetter

© Fotograf: Sigrid Wolf-Feix, Windräder, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Sigrid Wolf-Feix, Windräder, Blende-Fotowettbewerb
Liest man eine nur ein paar Jahre alte Fotozeitschrift, so taucht die „Schlechtwetterfotografie“ immer wieder als ein Spezialthema auf, das zwar reizvolle Motive liefert, aber auch besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Ausrüstung erfordert. Wind und Wetter - vor allem Schnee und Regen - haben die Funktionstüchtigkeit von Kameras und Objektiven gefährdet. Heute gibt es Kompakt-, DSLR- und auch Systemkameras, die wetterfest abgedichtet sind und allen Widrigkeiten, denen sich der leidenschaftliche Outdoor-Fotograf ausgesetzt sieht, trotzen. Einen Schritt weiter gehen die Actioncams, die Extremsportler oder Abenteurer bei ihren Aktionen, Exkursionen beziehungsweise Expeditionen begleiten und das Erlebte direkt aus der Sicht der handelnden Personen in Fotos und Videos festhalten. Manche dieser Kameras sind nicht nur gegen Staub, Feuchtigkeit oder Stoß geschützt. Sie sind auch gegen extreme Temperaturschwankungen gefeit und können sogar unter Wasser eingesetzt werden.

Automatisch bessere Bilder

Nicht immer hat der Fotograf ausreichend Zeit, sich über die optimalen Voreinstellungen der Kamera den Kopf zu zerbrechen. Verschlusszeit, Blende, Schärfe, ISO-Empfindlichkeit oder Weißabgleich – schon lange nehmen ihm effektive Automatiksteuerungen diese Entscheidungen ab und beeinflussen damit allerdings auch die Bildwirkung. Deshalb bevorzugen manche bewusst gestaltende Fotografen die manuelle Vorwahl von Zeit und Blende. Um dennoch komfortabel und schnell mithilfe von automatischer Steuerung zum Ziel zu kommen, nutzen sie die innovative ISO-Automatik, bei der die Kamera automatisch die Sensorempfindlichkeit für die gewählt Zeit-Blendenkombination einsteuert. Ähnliches gilt für den automatischen Weißabgleich. Kameras, mit denen auch unter Wasser fotografiert werden kann, bieten einen automatischen Ausgleich des zunehmenden Blauanteils in den Farben, der schon bei wenigen Metern Tiefe deutlich wird.

© Fotograf: Silvia Bartram, Flieg mein Schirmchen, flieg!, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Silvia Bartram, Flieg mein Schirmchen, flieg!, Blende-Fotowettbewerb
Kameras nutzen dabei mehrere Messmethoden zur automatischen Ermittlung der Motivhelligkeit. Dabei kann die Gesamthelligkeit über eine Mehrfeld- oder mittenbetonte Messung festgestellt werden. Wer bestimmte Details optimal belichten möchte, nutzt die Spotmessung und speichert den Messwert, um Fehlmessungen zu vermeiden, wenn er danach den Bildausschnitt verändert. Eine neuartige Automatik erlaubt nun die Belichtung auf die Lichter. Das vereinfacht beispielsweise die Konzert- oder Theaterfotografie, wo motivwichtige Detail per Spot beleuchtet werden und bei normaler Belichtungssteuerung stark überbelichtet werden würden.

Kamera als Erkennungsdienst

Einige neue Kameramodelle verfügen über einen integrierten GPS-Empfänger. Dieser zeichnet nicht nur den Aufnahmestandpunkt des Fotografen oder den Weg, den er auf seinem Fotospaziergang zurückgelegt hat in der Exif-Datei des Bildes auf, sondern kann bei der Nutzung bestimmter Kameras dem Fotografen zum Beispiel auch sagen, wie das Baudenkmal heißt, welches er gerade fotografiert. Aber nicht nur die Standorterkennung über GPS in der Kamera erleichtert die Orientierung beim Fotografieren. Über eine integrierte WiFi-Schnittstelle für die kabellose Kommunikation zwischen Kamera und Smartphone kann die Kamera die Bilddaten auch mit den über das Handy empfangenen Ortsdaten synchronisieren.

© Fotograf: Friedrich Weinhauser, Leuchtturm, Blende-Fotowettbewerb
© Fotograf: Friedrich Weinhauser, Leuchtturm, Blende-Fotowettbewerb
Eine andere Aufnahme- und Archivierungshilfe ist die immer perfekter werdende Gesichtserkennung der Kameras. Diese dient nicht nur zur präzisen Autofokusmessung auf das Gesicht, beispielsweise bei Porträtaufnahmen, sie kann auch sehr genau bei einer Großaufnahme wahlweise auf das rechte oder linke Auge scharfstellen. Sie kann auch einmal von der Kamera registrierte Personen wiedererkennen und der Bilddatei den Namen zuordnen. Je nach Leistungsfähigkeit der Kamera können das auch mehrere Personen sein, die sich das Aufnahmegerät merkt und die es wiedererkennen kann. Gleichzeitig sorgen Kameras auf Wunsch für eine automatische Optimierung der Hauttonwiedergabe, in dem sie kleine Hautunreinheiten retuschieren und insgesamt für eine angenehme weiche Wiedergabe der Hauttöne sorgen.

Smartphone als wichtiges Kamerazubehör

Das Smartphone ist nicht nur zum „Immerdabei-Bildaufzeichnungsgerät“ avanciert, es ist auch zu einem unverzichtbaren Zubehör für Kameras mit WiFi-Funktion geworden. Sie ermöglichen nicht nur die kabellose Übertragung von Fotos und Video aus der Kamera ins Internet und auf Social-Media-Plattformen; sie dienen mithilfe von Spezialapps auch zur Fernauslösung und Fernsteuerung von Kameras. Dabei bieten sie gegenüber anderen kabellosen Fernauslösern den großen Vorteil der LiveView-Bildübertragung, so dass der Fotograf auf seinem Handy genau kontrollieren kann, was vor der Kamera passiert.

Vorher oder nachher

Die meisten digitalen Kameras erfordern für die Nachbearbeitung der Aufnahmen einen PC. Einige Kameras der jüngsten Generation machen auch diesen überflüssig und erlauben eine Bildoptimierung sowie Bildbearbeitung noch in der Kamera. So kann beispielweise der Ausschnitt enger gewählt werden. Kontrast sowie Farbsättigung lassen sich korrigieren und ebenso können nachträglich eindrucksvolle Effektfilter angewendet werden. Man muss auch nicht warten, bis man wieder zuhause ist, um seine Videos zu schneiden, Bilderschauen zusammenzustellen und mit Musik zu unterlegen. Das alles kann der Fotograf heute schon direkt in der Kamera erledigen, so sie denn zu den neueren Modellen ihrer Kategorie gehört.

Zur photokina vom 16. bis 21.9.2014 in Köln werden zahlreiche Kamerahersteller ihre neuesten Modelle vorstellen, unter denen sich mit ihren verschiedensten Ausstattungsmerkmalen für jeden Fotografen sicher die optimale Kamera findet.

Fotografieren in der Praxis 08 / 2014

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