FineArt-Medien im Zeitalter der digitalen Bildaufnahme und -bearbeitung

FineArt-Medien im Zeitalter der digitalen Bildaufnahme und -bearbeitung
Das gedruckte Bild spricht eine deutliche Sprache und verschweigt keine Fehler - FineArt-Prints entlarven Qualitätslügen - FineArt-Papiere verstärken die Bildaussage bei sachgemäßer Auswahl des Mediums - FineArt-Prints haben das Potenzial, vererbt zu werden - Sonderfläche auf der photokina 2012 – see me, feel me, print me.

Die Selbstverständlichkeit, mit der wir heute Sekunden nach dem Auslösen unsere Aufnahmen am Display überprüfen, ist ein unschlagbares Argument für die digitale Bildaufzeichnung. Auch im Bildbearbeitungsprogramm am Monitor haben wir die totale Kontrolle über jedes Pixel. Gibt es überhaupt etwas in der digitalen Fotografie, was wir nicht kontrollieren können? Selbst beim Druck der Bilder ist Wiederholbarkeit zur Selbstverständlichkeit geworden. Und dennoch spielt der Print, speziell auf FineArt-Medien, heute eine ganz andere Rolle als zu Zeiten der analogen Fotografie. Ein guter Print ist die Perle in der Bilderflut, ist das begreifbare, anfassbare Endergebnis eines kreativen Prozesses, der erst im Print seine Vollendung findet.

Wer auf Film belichtete, hatte ein Gefühl für die Charakteristika seines Materials, wusste, dass beim Ektachrome 64 die Schatten blaugrün zulaufen, wusste, dass der Kodachrome so steil in der Gradation war, dass man das, was das Dia zeigte, nicht immer auch drucken konnte. Da der Zeitraum zwischen Aufnahme und Kontrolle der Ergebnisse auf dem Leuchtpult oftmals ganze Tage betrug und ein Nachschuss meist ausgeschlossen war, musste konsequent und qualitätsorientiert geplant und nach der Entwicklung streng ausgewählt werden. Jede Aufnahme auf Film kostete Geld, ebenso jede Vergrößerung. Automatisch wurden die Kosten für die Filme und Bilder zum Korrektiv: Effizienz beim Umgang mit dem teuren Filmmaterial war unabdingbar, ebenso mit den Vergrößerungen. Deshalb wurden früher schlechte Aufnahmen radikaler aussortiert, schon allein, um keine weiteren Kosten mehr entstehen zu lassen.

Schaut man heute durch die Website mancher Fotografen, dann wünschte man, dass es das Prinzip der kostenverursachenden Fotografie noch gäbe, denn dann würde manches Bild nie gezeigt werden. So aber schleichen sich immer wieder Aufnahmen in die Portfolios, die das Image des Fotografen negativ beeinflussen. Dr. Martina Mettner schreibt in ihrem Buch „Erfolg als Fotograf “: „Wenn Sie glauben, aus den hunderten Aufnahmen eines Shootings, die fünf besten ausgewählt zu haben, dann drucken Sie diese. Nur dann sehen Sie tatsächliche das ganze Bild und können in der Parallelbetrachtung aller fünf Prints ein objektives Qualitätsurteil fällen. Wenn Ihnen Ihre Aufnahmen diesen Aufwand jedoch nicht wert sind, dann können Sie gleich das gesamte Shooting löschen.“ So radikal dies klingen mag, der Lernprozess, den jeder Fotograf beim Druck seiner besten Bilder durchläuft, ist unersetzlich.

FineArt-Medien im Zeitalter der digitalen Bildaufnahme und -bearbeitung
Während wir am Monitor oftmals nur eine 25-Prozent-Ansicht sehen, also 75 Prozent der Pixel bleiben uns in diesem Ansichtsmodus verborgen, zeigt uns der Print alles. Denn selbst beim Umschalten auf die 100-Prozent-Voransicht (tatsächliche Anzahl der Bildpunkte) am Monitor, sehen wir wiederum nur einen Ausschnitt. Erfahrungsgemäß neigen wir dazu, am Monitor unsere Bilder schön zu reden – das ist menschlich. Da übersehen wir, dass die Schärfe nicht exakt auf den Augen liegt, sondern eher bei den Ohren, da flüchten wir uns schnell in die nächste Aufnahme, nur um uns selbst mitunter zu belügen.

All diese Qualitätslügen entlarven Sie durch und mit dem Print. Selbstredend brauchen Sie dazu nicht generell FineArt-Medien, es genügen auch PE-Papiere. Grundsätzlich gilt: Wer druckt, wird mit seinen Fehlern bei der Aufnahme intensiv konfrontiert. FineArtPrinter-Chefredakteur Hermann Will: „Durch meine Seminare kenne ich Dutzende von engagierten Fotografen, die in der Mehrzahl durch den Druck ihrer Bilder plötzlich eine steile Lernkurve in ihrer Fotografie durchleben. Das gedruckte Bild spricht eine deutliche Sprache und verschweigt keine Fehler.“

Der finanzielle Aufwand als Qualitätskorrektiv gilt insbesondere bei Verwendung der FineArt-Medien, denn sie sind, aufgrund des teils handwerklichen Herstellungsprozesses, auch teurer als großindustriell gefertigte PE-Papiere. Die auch haptisch interessanten FineArt-Papiere verstärken die Bildaussage bei sachgemäßer Auswahl des Mediums. Welchen Papiercharakter der Bildautor für seine Arbeit wählt, ist dabei Teil des kreativen Prozesses und Entscheidung des Künstlers. Deshalb lohnt es sich, sich mit den Medien intensiv zu beschäftigen. Drucken wir beispielsweise eine identische Datei sowohl auf hochweißes PE-Papier als auch auf ein warmweißes, wie PhotoRag, dann sehen wir zwei identische Motive mit total verschiedener Bildaussage. Und nur in den seltensten Fällen ist die Aufnahme mit den physikalisch besten Werten bezüglich Kontrast, Tonwertabstufung und Maximalschwärzung auch die, die am besten gefällt. Hier spielen unsere Sehgewohnheiten entscheidend mit. Denn, obwohl wir zunächst begeistert sind, wenn alles hochweiß, glänzend und perfekt wirkt, wecken Prints auf naturfarbenen FineArt-Medien oftmals Emotionen und beeinflussen unsere Wahrnehmung. Diese Emotionen gekonnt zu wecken, ist die schönste Errungenschaft des FineArt-Printing. Oftmals ist es das Zusammenspiel aus dem Naturweiß des Papiers und der dezenten Struktur, die eine Bildaussage aufs Wunderbarste verstärkt. Doch um solche Wirkungen herbeiführen zu können, braucht man etwas Erfahrung.

Wenn Sie diese einmal gesammelt haben, dann ist es nur naheliegend, dass Sie ihre besten Bilder mindestens im A4-Format drucken, denn letztlich ist es der Print, der Festplatten-Crash oder Schreib-/Lesefehler überleben wird. FineArt-Prints haben das Potenzial, vererbt zu werden. Waren in Zeiten des Films die Prints Massenware, wird heute ein gut gemachter Druck zu einem Einzelstück, das es wert ist, aufgehoben zu werden. Allen Datensicherungen zum Trotz: Die Wahrscheinlichkeit, dass man eines Tages das einzelne Bild im Meer der Gigabytes nicht mehr findet, ist leider auch gegeben.

Übrigens: Auf der diesjährigen photokina, die vom 18. bis 23. September in Köln ihre Tore öffnet, wird man nach 2010 dem FineArt-Print wieder besondere Aufmerksamkeit schenken. In der Sonderschau „photokina fine art – see me, feel me, print me“ in der Halle 2.2 finden die Besucher nicht nur zahlreiche Informationen zu dem Thema, sondern können mit Seh- und Tastsinn einen direkten Vergleich zwischen den hochwertigen FineArt-Papieren ziehen. Auf der Sonderfläche vertreten sind Canson SAS, Epson Europe B.V., FineArtPrinter – will Magazine Verlag GmbH, Hahnemühle FineArt GmbH, Ilford Imaging Switzerland GmbH, Le Bon Image Gesellschaft für Imaging Systeme und Zubehör mbH, Mitsubishi Paper Mills Ltd., R. Rauch GmbH, Sihl GmbH und Tecco GmbH.

Fotografieren in der Praxis 08 / 2012

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