Foodfotografie - Bilder helfen beim Abnehmen

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© Blende, Ralf Paulini, Gummibärchentreff

Fotografieren heißt, sich zu bewegen, was natürlich schon allein die Pfunde purzeln lässt, wenn man sich auf Motivjagd begibt. Essen bildlich festzuhalten, ist beispielsweise überaus beliebt, was natürlich auf den ersten Blick – bis auf den Fußmarsch in die Kneipe oder in das Restaurant – beim Abnehmen nicht hilft, denn spätestens wenn die Bilder im Kasten sind, stürzt man sich mit Genuss darauf. Die Beweggründe – und hier zählte bis heute das Abnehmen sicherlich nicht mit dazu – sind gewiss unterschiedlich, warum das Fotografieren von Speisen so trendy ist. Argumente werden sein, dass es einfach lecker aussieht, man andere über die sozialen Netzwerke an den kulinarischen Köstlichkeiten teilhaben lassen möchte oder dass man beispielsweise ein Essentagebuch führt, damit man seine Pfunde besser in den Griff bekommt. Einen neuerlichen Hype hinsichtlich des Fotografierens von Essen könnte möglicherweise eine Langzeitstudie aus den USA, an der 232 Personen teilgenommen haben, auslösen. Hier fanden Wissenschaftler heraus, dass das Betrachten von Essensaufnahmen die Pfunde purzeln lässt. Grund dafür ist, dass die ständige Konfrontation mit Bildern von Speisen uns den Appetit verdirbt. Na, wenn das nicht zusätzlich für die Fotografie spricht – vorbei sind endlich die Zeiten mit teuren Schlankheitspillen oder Wunderdrinks, die meist mehr versprechen, als sie halten. Interessant an der Studie ist, wie sehr sich unser Gehirn durch Essensbilder täuschen lässt, denn es glaubt, es hätte alles gerochen und natürlich gegessen, was es über Bildern an kulinarischen Köstlichkeiten präsentiert bekommen hat.

Was wir sehr bedauern, unabhängig davon, ob man bei der späteren Betrachtung von Essensaufnahmen abnimmt oder nicht, ist, dass zahlreiche Wirte inzwischen Fotografier-Verbotsschilder aufgehängt haben, weil die Betreiber genervt davon sind, dass viele Menschen vor dem ersten Bissen erst einmal den Auslöser betätigen. An dieses Verbot sollte man sich übrigens halten, denn im Zuge seines Hausrechts kann der Wirt bestimmen, was erlaubt ist und was nicht. Wichtig ist, dass der Hinweis vom Wirt so angebracht wurde, dass man ihn als Gast nicht übersehen kann. Fotografiert man dennoch, hat man das Hausrecht verletzt, was einen Unterlassungs-, Beseitigungs- und möglicherweise einen Schadensersatzanspruch nach sich ziehen kann. Der Wirt kann durchaus verlangen, dass man das Foto löschen und die Räumlichkeiten gegebenenfalls verlassen muss.

Fotografieren in der Praxis 11 / 2013

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1 Kommentare

Was muß das für ein Foto sein, wo mir beim Anblick des Motivs der Appetit vergeht bzw. sich ein Sättigungsgefühl einstellt? Ehrlich, auch Sie haben nichts wirklich leckeres vor Augen dabei - stimmts? Vermutlich denken Sie an ihr letztes Kantinenessen. Nun der Artikel ist ja sicher mit einem kleinen Augenzwinkern geschrieben und bei 232 Probanden vom USA-Durchschnittskaliber ist das weniger als ein Tropfen auf den lauwarmen Stein, man kann es kaum in Prozente umrechnen, schon gar nicht, wenn man an die bedauernswerten wabbelnden Gestalten denkt, die auch bei uns immer noch mehr werden. Bisher war ich ein strikter Gegner von diesen Essenaufnahmen und gerade die Tage habe ich ein Foto mit den ersten Weihnachtsplätzchen aus dritter Hand erhalten, wie langweilig. Das Foto suggeriert doch nur Gaumenfreude als Vorfreude auf ein Fressfest. Armer Christus! Ein "Amerikaner" war ja auch mal sowas wie ein Gebäck, wurde in der DDR wohl auch eher aus politischen Gründen denn aus Mangel an Zutaten nicht mehr gebacken oder angeboten, dabei schmeckte der "Klassenfeind" gar wunderbar. Dennoch erinnerte diese Backware eher an die Hüte der befreundeten Chinesen - später dann an die vietnamesischen Kampfesbrüder, aber zurück zum Thema. Kann man sich an Bildern satt sehen, das bleibt für mich keine echte Frage. Neben dem äusserlichen Fotografierverbot gibt es bei mir auch ein inneres Verbot, solche leckeren Essen vor dem Verzehr auch noch zu fotografieren.Das habe ich bei einem Kurzurlaub in den Belgischen Ardennen an mir selbst festgestellt bzw. gespürt. Die Essenteller und alles drumherum war so appetitlich uns sinnlich bzw.visuell ein Kunstwerk, es schrie förmlich danach im Bild festgehalten zu werden, das glaubt ja sonst auch keiner später, wenn man es bloß hinterher erzählt, was man da sah und gegessen hat. Also da lagen z.B. auch Blumen und Blüten obenauf, die wunderbar dann mundeten. Es ist und bleibt ja eine Sünde, wie gut wir im fetten Europa löffeln und schlurfen angesichts von Hunger in der Welt, aber es auch noch zu fotografieren um damit zu prahlen? Bitte nicht. Gute (notwendige) Fotos in Back- und Kochbüchern machen uns den Mund wässrig und nicht satt, das ist meine Erfahrung. Die herrlich gestylten Zigarettenschachteln tragen jetzt schriftlich eklige Wahrheiten und bald Totenkopf und Raucherbein, sie sollten zuvor auch mal Lust machen zum Kauf. Adäquat möchte ich aber keine Ratten und Schaben demnächst neben leckeren Fotos von Menüs und Gerichten auf Speisekarten sehen, da könnte mir allerdings der Appetit dann echt vergehen. Fazit: Glauben Sie bitte nicht an das Ergebnis der 232 Probanden, die von irgendeiner Firma wie "Nässle" geködert wurden. Machen Sie weiter gute Fotos, auch von Muttern mit der Bratpfanne, von der gedeckten Festtafel für sich selber, denn an guten Fotos kann man sich nie genug satt sehen.

von Wilfried Baganz
29. November 2013, 21:50:50 Uhr

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