Fotografie - Faszination Sternenhimmel

Sterne sind voller Magie und ziehen unsere Blicke auf sich. Dass Sterne auch jedes Fotografenherz höher schlagen lassen, versteht sich von selbst und dementsprechend versucht jeder von uns früher oder später, sie in Aufnahmen einzufangen. Den Großstädten mit ihren Lichtquellen muss man entfliehen, denn die volle Pracht der Sterne entfaltet sich erst in absoluter Dunkelheit. Eine Reise wert ist die Rhön, die seit August 2014 als zweiter Sternenpark in Deutschland anerkannt ist. Bis dato war als Sternenpark in Deutschland nur der Naturpark Westhavelland anerkannt und vorläufig auch der Nationalpark Eifel, der jedoch nicht alle Bedingungen erfüllt. Sternenparks zeichnet aus, dass es hier dunkler ist als anderswo und man dadurch den Sternenhimmel intensiver erleben und noch besser fotografieren kann.

Fotografie - Faszination Sternenhimmel
So manch einer geht davon aus: Man nehme die Kamera, ein großes Teleobjektiv, Stativ und eine lange Belichtungszeit und fertig ist das Bild vom Firmament. Auch, wenn das Rezept zunächst einleuchtend klingt, Aufnahmen von Sternen und Himmelskörpern zu machen, ist leider nicht ganz so einfach!

Jeder, der es schon einmal probiert und sich das Ergebnis dann betrachtet hat, kommt schnell dahinter. Mehrere Minuten Belichtungszeit und das Bild besteht nicht aus einzelnen Sternen, sondern aus mehr oder minder langen weißen Streifen, die bogenförmig sind. Der nächtliche Himmel scheint sich während der Belichtung zu drehen. In Wahrheit ist es natürlich die Erdrotation, die dem unerfahrenen fotografischen Himmelsstürmer einen Streich gespielt hat. Hätten Sie es gewusst, dass sich die Erde, gemessen am Äquator, mit einer Geschwindigkeit von 0,5 Kilometern pro Sekunde dreht? Das sind 1800 km/h! Nicht gerade langsam oder? Schafft man es, Aufnahmen von sehr hellen und großen Himmelskörpern – beispielsweise dem Mond – mit nur wenigen Sekunden oder Sekundenbruchteilen Belichtungszeit zu machen, dann ist dieser Effekt nicht zu sehen. Doch in der Regel gelingt ein Foto des nächtlichen Himmels nur mit langen bis sehr langen Belichtungszeiten. Man muss daher die Kamera während der Belichtung mit der Erddrehung mitführen. Doch mit einem normalen Fotostativ ist das im Prinzip unmöglich.

So kriegen Sie den Dreh raus!

Wollte man von einem normalen Fotostativ aus fotografieren, so müsste man beim Mit- oder Nachführen gleichzeitig zwei Achsen bewegen, nämlich die Neigung (auf und ab) und die Drehung beziehungsweise die Himmelsrichtung (links und rechts). Und das müsste so präzise und exakt wie möglich geschehen, damit sich der Bildausschnitt nicht verändert und man damit die Sterne punktförmig fotografieren kann. Das jedoch ist sehr schwer, um nicht zu sagen unmöglich. Stative sind von Hand nur grob einzustellen, eine feinfühlige millimeterweise Nachführung ist kaum machbar. Um ein Teleskop, oder in unserem Fall die Kamera an die Erdrotation angepasst auf einen Stern oder ein Sternbild ausgerichtet mitführen zu können, benötigt man einen speziellen Stativkopf. Astronomen sprechen dabei nicht von einem Stativkopf, sondern von einer so genannten Montierung. In unserem Fall handelte es sich um die parallaktische Montierung. Die genaue Bezeichnung für die hier benötigte Montierung heißt: “Deutsche parallaktische Montierung”.

Wie funktioniert eine solche parallaktische Montierung?

Man macht sich dabei zu Nutze, dass sich die Erde nur um eine einzige Drehachse, nämlich ihre Polachse dreht. Die parallaktische Montierung hat eine so genannte Stundenachse, die auch Polachse genannt wird. Diese wird nun exakt parallel zur Drehachse der Erde ausgerichtet. Das geschieht, in dem man diese Achse mit einer speziellen Visierung exakt auf den Polarstern ausrichtet, denn der liegt präzise auf der Erdachse, würde man diese entsprechend weit verlängern. Das Teleskop oder die Kamera, werden auf der zweiten Achse der Montierung angebracht und genau auf die anvisierten Sterne oder Himmelskörper ausgerichtet. Dann wird diese Achse fixiert. Jetzt muss man die Montierung nur um eine einzige, nämlich die auf den Polarstern ausgerichtete Stundenachse bewegen, um mit dem Teleskop der bogenförmigen Bahn des anvisierten Objektes zu folgen. Die Montierung dreht sich dabei parallel zur Erdrotationsachse. Das kann man manuell machen, doch gerade für die Sternenfotografie empfiehlt sich eine motorische und damit ruckfreie und sehr feinfühlige Steuerung dieser Achse. Die motorische Steuerung hat aber noch einen Vorteil: eine gute motorische Steuerung ist so ausgelegt, dass Ihre Drehgeschwindigkeit exakt der Rotationsgeschwindigkeit der Erde angepasst werden kann. Damit stimmt die exakte Ausrichtung auf das Hauptmotiv quasi von alleine.

Mit einer solchen Montierung als Fundament gibt es im Prinzip zwei Möglichkeiten, Sternenfotografie zu betreiben. Zunächst durch das Objektiv der Kamera und dann mit der Kamera sowie einem speziellen Adapter durch das Okular des Teleskops.

Fotografieren in der Praxis 10 / 2014

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