Fotografie - Was ist ein gutes Bild

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© Fotograf: Benedikt Saxler, Salar Uyuni, Blende-Fotowettbewerb
Immer wieder entfachen Diskussionen darüber, was ein gutes Foto auszeichnet. Soviel vorne weg – wir werden, wie so viele vor uns, diese Frage nicht beantworten können. Henri Cartier-Bresson gibt – aus unserer Sicht – schon eine treffende Antwort: „Ein gutes Foto ist ein Foto, auf das man länger als eine Sekunde schaut“. Ein Anspruch darauf, dass die Fotografie auch gefällt, kann und darf damit nicht assoziiert werden, denn das ist Geschmackssache.

Weitestgehend zustimmen wird man auch der Aussage, dass die Qualität einer Fotografie nicht allein vom Motiv abhängt, sondern von der gestalterischen und handwerklichen Qualität des Fotografen. Dieser kann den althergebrachten Regeln der Bildgestaltung folgen oder sie bewusst brechen. Der Fotograf hat es in der Hand, mehr aus seinem Motiv zu machen, das ist entscheidend.

Auf das Auge kommt es in der Fotografie an, denn die Kamera mit all ihren Features ist nur Mittel zum Zweck. Aber auch die Präsenz des Fotografen entscheidet darüber, ob eine Fotografie gut ist. Es kommt darauf an, Dinge zu beobachten, aufzuspüren und dem Außenstehenden sichtbar zu machen. Was zählt, ist die Intensität, mit der das Erlebte in die Fotografie gelegt wird.

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© Fotograf: Micha Quär, Flug des Eisschwanes, Blende-Fotowettbewerb
Natürlich sollte man sich zunächst die Frage stellen, inwieweit es erheblich ist, ob eine Fotografie gut ist. Für den privaten Bereich ist dies sicherlich vielfach weniger wichtig, denn hier spielen andere Faktoren eine viel entscheidendere Rolle. Hier geht es um die Erinnerungen an einen Moment, der festgehalten wurde, um ihn nicht aus den Augen zu verlieren. Sieht man eine Aufnahme, so schießen einem unweigerlich weitere Impressionen von diesem Erlebnis in den Kopf, auch, wenn diese möglicherweise nicht in Bildern festgehalten wurden. Das ist übrigens vielfach auch der Grund dafür, warum man der irrigen Annahme ist, dass es doch von dem Ereignis sehr viel mehr Aufnahmen geben müsste.

Natürlich sollte man bei Fotografien, die für den privaten Bereich gedacht sind, darauf achten, dass die Motive wirkungsvoll in Szene gesetzt sind und beispielsweise störende Hintergründe nicht von ihnen ablenken. Ein Sonnenuntergang am Meer wird nur dann zum Hingucker, wenn das Wasser nicht rechts oder links aus dem Bild herausläuft, nur weil die Kamera nicht gerade gehalten wurde.

Verlassen Aufnahmen den privaten Raum und werden beispielsweise zu Wettbewerben eingereicht, so sollte man sich mit ihrer Güte intensiver auseinandersetzen, weil man mit der eingereichten Fotografie Erfolg haben möchte. In den seltensten Fällen – und dies ist absolut menschlich – wird man bei der Beurteilung der eigenen Fotografie die so wichtige Objektivität mitbringen. Aus diesem Grund ist es hilfreich, Familienangehörige, Freunde und Bekannte nach ihren Meinungen zu fragen und vor allem um Ehrlichkeit zu bitten. Hier geht es nicht darum, eine Fotografie kaputt zu reden, sondern zu hinterfragen, was daran nicht gefällt.

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© Fotograf: Cindy Lembke, Good old London, Blende-Fotowettbewerb
Wie Fotografien empfunden werden und ob sie uns ansprechen, hängt natürlich auch vom Motiv ab. Jeder von uns hat seine sogenannten Lieblingsmotive oder jene, die er einfach nicht sehen möchte. Gehört man beispielsweise zu denjenigen, denen Spinnen Angst und Schrecken einjagen, dann wird schwerlich Begeisterung dafür aufkommen, auch, wenn die Fotografie brillant ist. Ein weiterer Aspekt ist auch die Vergleichbarkeit mit anderen Fotografien, die das gleiche Thema in sich tragen. So waren beispielsweise lange Zeit Rapsfelder, Sonnenblumen aber auch Schafe überaus beliebte Fotomotive. Wenn sich der Bildkritiker mit den zu beurteilenden Fotografien auseinandersetzt, so ist er mitunter befangen, weil diese Motive ihn inzwischen langweilen, auch, wenn sie hervorragend eingefangen wurden. Bei Motiven, die in der Hitliste ganz oben stehen, empfiehlt sich der Überraschungseffekt – beispielsweise durch die Wahl einer noch nicht dagewesenen Perspektive. Wie Fotografien auf den Betrachter wirken, ist zudem stimmungs- aber auch wetterabhängig. Wenn es draußen trist grau in grau ist, wird man eher mit einer farbenprächtigen oder beispielsweise romantischen Aufnahme punkten.

Auch, wenn Kritik schmerzt, so ist sie wichtig, auch für all jene, die sie in Foren beispielsweise lesen dürfen. Entscheidend ist jedoch immer die Art und Weise, wie Kritik geübt wird. Sie sollte unseres Erachtens konstruktiv und nicht beleidigend sein. Fällt die Kritik negativ aus, so kann dies für Fotografen schmerzlich sein, die von ihrer Schaffenskraft überzeugt sind. Wichtig ist bei aller möglichen persönlichen Frustration, den Spaß an der Fotografie für sich nicht zu verlieren. Auch, wenn Fotografien zu Wettbewerben eingereicht werden, weil man nach Anerkennung strebt, so geht man der Fotografie doch in erster Linie nach, weil man Spaß an ihr hat. Diesen sollte man sich von niemand nehmen lassen.

Fotografieren in der Praxis 05 / 2013

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