Fotografie - Eine Art zu schreien, sich zu befreien

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© Blende, Aylin Scheer, Auf dem Weg

Über 2.000 Mal macht es aktuell allein in Deutschland „Klick“ – die Anlässe, warum die Auslöser nicht stillstehen, sind so vielfältig, wie die Motivation, sie zu betätigen. Es ist primär das Bewahren von Augenblicken, denn ihre Flüchtigkeit kann durch diese „Klicks“ aufgehoben werden. Vorrangig steht für den Großteil der Fotografen das Schöne im Fokus, ist es doch das, was man dauerhaft in seinen Bildern konservieren möchte. Die Fotografie vermag aber noch sehr viel mehr, denn sie kann uns für Dinge sensibilisieren, die wir ohne sie möglicherweise nicht wahrnehmen würden oder wollen und zwar an uns selbst oder an dritten. Dank der Fotografie und durch die Kraft und die Macht ihrer Bilder, hilft sie, sich von Ängsten zu befreien und/oder auf diese aufmerksam zu machen. Die Aufnahmen sind voller Klarheit, sie sind unmissverständlich. Der Schrei ist hörbar, fühlbar und vielfach befreiend. Das kann für einen selbst im Moment des Auslösens sein, weil man sich über etwas bewusst wird und/oder aber, wenn die Fotografien den ganz persönlichen Raum verlassen.

Es gibt im Leben eines jeden Phasen, die von Ängsten geprägt sind. Das kann die eigene Erkrankung sein oder die eines geliebten Menschen, die uns bedroht, liebgewonnene Bahnen zu verlassen. Die Fotografie kann helfen, mit diesen Situationen besser zu Recht zu kommen, sie anzunehmen und sich wieder zu akzeptieren. So ist immer häufiger von Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, zu lesen, dass sie über die Fotografie gelernt haben, nicht an ihrer Erkrankung zu verzweifeln, sondern sie anzunehmen und zu bekämpfen. Dazu gehört ein sich akzeptieren, was schwer ist, wenn die Brust amputiert wurde. Man fühlt sich entstellt, unvollkommen, der Körper hat einen Makel. Die Fotografie hilft, sich anderen mitzuteilen, auch dann, wenn man sich isoliert in einer Chemotherapie befindet.

Die Fotografie deckt auch auf und hilft beispielsweise Magersüchtigen sich zu erkennen und auf welchem Lebensbedrohlichen Weg sie sich befinden. Krankheiten liegen oftmals im Verborgenen wie beispielsweise Depressionen und andere psychische Erkrankungen. Hier fehlen vielfach die Worte und die Fotografie kann helfen, zu erkennen und so zur Heilung beizutragen.

Ängste resultieren bekanntlich nicht nur aus Erkrankungen sondern auch aus Situationen, die wir als bedrohlich empfinden. Für Schlagzeilen sorgen immer wieder Mobbing über soziale Netzwerke oder auch beispielsweise auf dem Weg zur Schule. Hier kann die Fotografie helfen, anderen seine Ängste mitzuteilen. Auch die Annahme, nicht der Norm zu genügen, schürt Ängste wie zum Beispiel seinen Eltern oder auch engen Freunden mitzuteilen, dass die gleichgeschlechtliche Lebensform diejenige ist, die man leben möchte. Welche Worte soll man finden – ein Bild, das mehr als 1.000 Worte in sich tragen kann ist oftmals der leichtere Weg auch für einen selbst.

Fotografieren in der Praxis 10 / 2013

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1 Kommentare

danke, diese zeilen sind sehr gut geschrieben, zeugt von wissen. ich glaub zwar, dass die fotos triggern können aber der text dazu ist so treffend, dass sicherlich auch einige dadurch mut finden und vieleicht sogar anfangen zu fotografieren. jedenfalls war es für mich persönlich eines der gründe weshalb ich damit angefangen habe. nochmals danke und könnt ihr nicht auch dieses dem kompetenznetz de dpressionen zu kommen lassen. fg martina

von Martina
23. Oktober 2013, 23:34:01 Uhr

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